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Thomas Hengelbrock und Haydns Schöpfung

Hengelbrock

Schon wieder Haydn? Erst wor einem Jahr feierten wir ausgiebig den zweihundertsten Todestag des Komponisten aus Rohrau. Allein die Haydnfestspiele in Eisenstadt veranstalteten einen wahrhaften "Haydnmarathon", neue Literatur erschien recht und schlecht en masse, ja die Musikwelt nahm sich vor: Haydn - this is the man of 2009.

Die Münchner Philharmoniker sahen das etwas gelassener. Denn eine Abonnementsaison hat jeweils fünf Monate, zusammengesetzt aus zwei verschiedenen Jahreshälften (in diesem Fall ist von 2009/2010 die Rede) und man sagte sich: Joseph Haydn wird mit seinem Gedenkjahr dem Münchner Publikum schon noch wieder verstärkt in Erinnerung gerufen werden, aber eben erst 2010. Gesagt, getan. Am 13. Juni 2010 hörte man die erste von zwei Vorstellungen, welche Haydns Oratorium "Die Schöpfung" gewidmet war, das in Wien 1798 uraufgeführt wurde.  Die Protagonisten im Gasteig dieser "Matinée um elf" waren der Dirigent Thomas Hengelbrock, die Münchner Philharmoniker, der Philharmonische Chor München, die Sopranistin Luba Orgonasova, der Tenor Christian Elsner und der Bass Reinhard Hagen.

Nun kann man über dieses Werk sagen, was man will. "Kennt eh schon jeder", "Mein Gott, schon wieder die 'Schöpfung'" oder "Na, dann hören wir uns es halt nochamal an". Fakt ist: Haydns Freimaurerwerk bleibt immer noch ein Prüfstein für alle Beteiligten, wer auch immer es aufführen mag, denn zu schnell kann es zum Einheitsbreihörerlebnis werden (man erinnere sich bitte an Karajans Interpretation, erschienen bei der Deutschen Grammophon). Insider hatten jedoch bestimmt schon eine gewisse Vorahnung, denn wenn Thomas Hengelbrock sich der Sache annimmt, jener Mann, der wie keiner zuvor so stark in Deutschland die historische Aufführungspraxis etabliert hat, dann kann eigentlich nicht viel - oder auch nichts - schief gehen.

So war es. Vom ersten bis zum letzten Takt erklang Haydns Musik in einer Interpretation, die der Komponist selbst wohl kaum abgelehnt hätte. Die "Vorstellung des Chaos" im ersten Teil war ein Chaos, so weich und schön verwoben wie es die Streicher nachzeichneten. Beim "Sonnen-aufgang" erhoben glasklar die Blechbläser ihre Stimme, so glasklar, wie man es sich oft wünscht, aber immer wieder bei vielen renommierten Orchestern vermisst. Luba Orgonasovas Sopran ist schon immer ein Mozart- und Haydnsopran und war die perfekte Besetzung für die Rolle der Eva, wie auch für die Rolle des Gabriel. Christian Elsner war solide, wenn er auch manchmal die Artikulation vernachlässigte. Und an Stelle von Reinhard Hagens Bass hätte man sich eher einen Hermann Prey gewünscht, denn hier fehlte schlichtweg Substanz in der Stimme wie im Ausdruck.

Dem Chor und dem Orchester bitte hohen Respekt, denn Hengelbrock verabreicherte beiden Klangkörpern nicht nur einen Cocktail aus Genauigkeit in der klassischen Statik und Flexibilität in der Melodie, sondern er lehrte sie mit jeder Note, was es heisst exakt vom Blatt zu lesen und historisch genau zu spielen. Man kann nur hoffen, dass es einen CD Mitschnitt gab.

Weitere Aufführungen: 14., 16. und 17.6. 2010, Gasteig, München. 

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