Nonobach

Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 
Filed under

Sächsische Staatskapelle Dresden

 

Glanz und Glorie in Tollkühnheit

Thielemannchristian_03_nc11-22

Die Messe Es-Dur D 950 gehört zu den letzten vollendeten Werken Schuberts und entstand 1828 vermutlich für die Wiener Dreifaltigkeitskirche im Alsergrund. Wie viele seiner bedeutenden Spätwerke, z.B. die Sinfonie C-Dur (die "Große") oder die "Winterreise", hat Schubert die Messe selbst nie gehört. Die Uraufführung im Oktober 1829 unter der Leitung von Schuberts Bruder Ferdinand stieß beim Publikum auf große Resonanz, worauf weitere Aufführungen folgten. Ein zeitgenössischer Rezensent bezeichnete Schuberts letzte Messe als „gewiss eines seiner tiefsten und vollendetsten Werke“.

Wie viele andere groß angelegte Werke Schuberts geriet sie nach seinem Tod in Vergessenheit und wurde erst 1865 auf Initiative von Johannes Brahms gedruckt. Seitdem hat sie sich als Meisterwerk der geistlichen Musik im 19. Jahrhundert etabliert. Schubert-Spezialist Sir Charles Mackerras hat das Werk mit bedeutenden Dresdner Künstlern in der Frauenkirche eingespielt. Und dieser Aufnahme fehlt auch rein an nichts: Glanz, Glorie und kühne Harmoniken sind anzutreffen, wie viele es von Schubert nicht vermuten, ja ein fast harmonisch revolutionärer Geist in allen Sätzen anwesend.

Frenetischer Beifall posthum

Franz Schubert, Messe Es-Dur
Leitung: Sir Charles Mackerras, Solisten:
Genia Kühmeier, Christa Mayer, Timothy Robinson, Oliver Ringelhahn
Staatskapelle Dresden, Chor der Staatsoper Dresden
Erschienen bei: Carus, 2007

Hinterlegt in  //   Chor der Staatsoper Dresden   Franz Schubert   Sir Charles Mackerras   Sächsische Staatskapelle Dresden  
Per email 

Kommentare [0]

Freischütz II

6a00d834ff890853ef00e54f2a6734

"Der Freischütz" war von Anfang an ein großer Erfolg. In seinem Tagebuch notierte Weber nach der Uraufführung am 18. Juni 1821: "Abends als erste Oper im neuen Schauspielhause "Der Freischütz". Wurde mit dem unglaublichsten Enthusiasmus aufgenommen. Ouvertüre und Volkslied da capo verlangt, überhaupt von 17 Musikstücken 14 lärmend applaudirt, alles ging aber auch vortrefflich und sang mit Liebe; ich wurde herausgerufen und nahm Mad. Seidler und Mlle. Eunicke mit heraus, da ich der andern nicht habhaft werden konnte. Gedichte und Kränze flogen. Soli deo gloria."

Die Oper traf (wie schon im Kleiber-blog erwähnt) den Nerv der Zeit. Die Aristokratie verlor langsam aber sicher an Bedeutung und seit der Französischen Revolution keimte in Europa der Demokratisierungsprozess.

Dass das Theater an der Wien in Wien unlängst mit seinem "Freischütz" unbedingt eine neue Lesart haben wollte (obwohl diese gar nicht von Nöten ist, da wir bis heute viele Mängel an Demokratie haben), muss wohl nicht verstanden werden. Die Kleine Zeitung schrieb zurecht: "Nur höflichen Beifall erntete Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky für seine erste Opernregie, Carl Maria von Webers "Freischütz" im Theater an der Wien."

Bevor man sich also unfähige Regien ansieht, kauft man sich am besten eine CD und hört sich diese geniale Musik genial interpretiert an.

Gesagt getan, man besorge sich die 2009 bei Decca Records erschienene Gesamtaufnahme, auch mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die Leitung hat kein geringerer als Sir Colin Davis, ein Meister der Tempi, ein Beherrscher der musikalischen Welt des 19. Jahrhunderts. Max wird bei dieser Aufnahme von Francisco Araiza verkörpert - sehr schön. Wie schade, dass seine Stimme die letzten Jahre aufgrund seiner persönlichen Schicksalsschläge so gelitten hat.

Der wunderbare Dirigent Sir Colin Davis ist jetzt im Sommer bei den österreichischen Festspielen in Grafenegg zu bewundern!

Hinterlegt in  //   Carl Maria von Weber   Der Freischütz   Francisco Araiza   Sir Colin Davis   Sächsische Staatskapelle Dresden  
Per email 

Kommentare [0]

Carlos Kleiber und die Staatskapelle Dresden: Webers "Freischütz"

Kleiber

Wie dankbar können wir sein, dass wir wenigstens ein paar Eindrücke heute auf CD haben (sollten wir nicht live dabei gewesen sein), was für ein Magier der Dirigent Carlos Kleiber war, wie sehr er egal mit welchem Klangkörper jedes Mal ein musikalisches Spitzenergebnis geliefert hat.

Ein erstes Zeugnis, dass hier vorgestellt sei, ist die bei der Deutschen Grammophon erschienene CD "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber. Kleiber musiziert hier gemeinsam mit dem derzeit besten Orchester der Welt, der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Wunderbar, und endlich einmal begreift ein Dirigent, dass es beim "Freischütz" nicht um Landidylle geht, um eine kleine Sorge, namentlich dass der arme Max nicht unter die Haube kommt. Nein: Kleiber begreift (wie von Weber es wollte) den "Freischütz" als Spiegelung der problemvollen Gesellschaft der damaligen von Weber'schen Zeit und setzt dies eins zu eins musikalisch um.

Kleiber trat nie als eitler Selbstdarsteller ans Pult, sein Interpretationsstil lebte nicht von Extravaganz sondern von einer geradezu besessenen Hingabe an die Werke. Man kann von Kleibers Schallplattenaufnahmen anhören, welche man will und wird immer ein Orchester hören, dass sich gemeinsam mit seinem Dirigenten verzehrt für ein expressiven Phrasierungsbogen, für ein geheimnisvolles Pianissimo oder eine packende Artikulation.

Wer "Freischütz" noch nicht kennt, wem Kleiber überhaupt nichts sagt, aber wer Klassik liebt, der/die solle bitte morgen ins CD-Geschäft und sich diese Aufnahme gönnen.

Hinterlegt in  //   Carlos Kleiber   Sächsische Staatskapelle Dresden  
Per email 

Kommentare [0]