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Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 
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Philippe Herreweghe

 

Herreweghe nimmt sich Beethovens Fünfter an

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Dass Harnoncourt vor Jahren auch die Oper "Aida" von Verdi dirigiert hat, mußte mit großem Erstaunen festgestellt werden. Was haben jene, welche Jahrzehnte zuvor die Wiederbeleber der Alten Musik waren, mit einem Mal in der Klassik oder in der Romantik zu suchen?

Philippe Herreweghe, auch einer der "jenen", hat sich inzwischen mit seinem Royal Flemish Philharmonic Orchestra Beethoven angenähert und weiß auf die zuvor gestellte Frage eine passende Antwort: "Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man sich ständig weiter entwickelt, im und außerhalb des Kernrepertoires. Die Kantatenaufnahmen der Sechzigerjahre Jahre finde ich heute schrecklich, aber das Publikum war damals interessiert und begeistert, weil alles so neu war. Das Publikum verlangt immer nach Neuem."

Gesagt, getan. Herreweghes Beethoven ist - ähnlich wie bei Giovanni Antonini - frisch, voller Dynamik und schön transperent musiziert. Und selbst wenn Herreweghe wohl weiß, dass er bei Beethoven insbesonders nicht mehr ausschliesslich (wie bei Alter Musik) mit alten Instrumenten mit Farbklang imponierend überzeugen kann, findet er andere Wege, um der historischen Aufführungspraxis Respekt zu zollen: mit Artikulation und Rhythmik.

Einfach genial

Ludwig van Beethoven, 5. und 8. Sinfonie, op. 67/92
Dirigent: Philippe Herreweghe, Royal Flemish Philharmonic Orchestra

Erschienen bei: Pentatone, 2007

 

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Johann Sebastian Bach als Schüler des ehrwürdigen Gent

Herreweghe

Gent liegt in Flandern, eine geschichtsträchtige Region in Belgien. Menschen, die in Flandern leben, nennt man Flamen. Und seit Urzeiten ist wenn auch nicht vieles, aber eines bekannt: aus der Gegend um Gent die berühmte Franko-Flämische-Schule entstanden ist, welche die Musikgeschichte nach Palestrina entscheidend verändern sollte und verändert hat. So wurde die Sext und die Terz als ein konsonantes Intervall anerkannt, die Fünf- und Sechsstimmigkeit wird ausgebaut und zum Standard. Bedeutende Komponisten dieser großen Musikepoche sind Johannes Ockeghem oder auch Guillaume Dufay.

In Anlehnung an dieser traditionsreiche (flämische) Musikzeit hat der Dirigent Philippe Herreweghe 1970 das Collegium Vocale Gent gegründet, ein Ensemble, welches sich besonders auf die Interpretation von Barockkomponisten spezialisiert hat, wobei in den letzten Jahren auch immer wieder vermehrt klassische und romantische Werke zur Interpretationsgeschichte des Ensembles hinzugekommen sind.

Hört man Herreweghes Ansatz der Bachschen h-Moll Messen Interpretation, werden Minkowski Ideen wieder deutlich. Der Verdacht liegt nahe, dass Minkowski sich entweder mit Herreweghes Partiturlesweise auseinandersetzt hat (wohl nicht umgekehrt), oder dass Minkowski eben genauso spürt und empfindet, wie Herreweghe. Schlicht und schlank sind die chorischen wie die instrumentalen Sätze gehalten, eben so, wie zu Zeiten von Bach. Ein sehr gelungene Einspielung, die mittlerweile zum Standard gehört.

 

Bach-Standard Einspielung

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232

La Chapelle Royale, Collegium Vocale Gent

Dirigent: Philippe Herreweghe, Interpreten: Veronique Gens, Agnes Mellon, Andreas Scholl, Peter Kooy, Christophe Prégardien

Erschienen bei: Harmonia Mundi, 1997

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