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Joseph Haydn

 

Sawallisch dirigiert die "Jahreszeiten"

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Nach einem Konzert im Februar 1993 resümierte der Kritiker Franz Endler: „Ein Satz, den man wohl nach jedem Konzert mit Wolfgang Sawallisch schreiben wird: Auch das Wiener Musikleben hätte einen Künstler von seinen Qualitäten als ständige Institution sehr notwendig.“ Drei Jahrzehnte zuvor – von 1960 bis 1970 – war Sawallisch als erster Chefdirigent der Wiener Symphoniker im Übergang von der Nachkriegszeit in die Normalität eines institutionell abgesicherten lokalen und zunehmend auch internationalisierten Konzertwesens eine solche Wiener Institution gewesen. Mit ihm gastierte das Orchester 1964 erstmals (und mit viel Erfolg) in den USA, 1967 im Rahmen einer Weltreise auch in Japan.

Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Wolfgang Sawallisch liegt eine Einspielung der Haydnschen "Jahreszeiten" vor, welche ihresgleichen sucht. Von der Frische der Natur im Frühling bis zur Behäbigkeit des Winters wird autographengetreu musiziert, trotz einer gewissen Länge der Aufführungsdauer wirkt nichts langweilig, von Satz zu Satz entsteht Spannung.

Haydn ist die Arbeit an seinem Oratorium "Die Jahreszeiten" schwergefallen. In die lebensbejahende Lebensphilosophie des damals 68jährigen begann sich ein gewisser Pessimismus einzuschleichen. So sah er den Winter als ein Abbild seiner sich neigenden Lebenskurve an. Dazu kamen Unstimmigkeiten mit dem Textdichter Gottfried von Swieten. Haydn in einem Brief: "Ungeachtet dessen werde ich mit Hülfe der Vorsicht alle Kräfte anstemmen, und nach Vollendung dessen mich wegen Schwäche meiner Nerven zu Ruhe begeben."

Brave Manier und Ausgewogenheit

Jospeh Haydn, Die Jahreszeiten
Dirigent: Wolfgang Sawallisch, Solisten:
Ruth Ziesak, Robert Gambill, Alfred Muff

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Chor des Bayerischen Rundfunks
Erschienen bei: Profil, 1994

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Jetzt geht es rund: Les Musiciens du Louvre musizieren Joseph Haydn - top!

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Jene, welche in Wien leben und ein Abo im Konzerthaus haben, sollten sich noch erinnern, als Marc Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre dort alle 12 Londoner Symphonien von Joseph Haydn aufgeführt hat.

Jene, welche nicht in Wien leben, oder nicht ein Abo des Wiener Konzerthauses haben oder aber auch eben diese Vorstellungen verpasst haben kaufen sich bitte ab sofort alle 4Cds, die beim Label Naive jetzt erschienen sind.

Wortlos, wie frech, gewitzt und doch einfühlsam Minkowski Haydn liest. Die Wiener Presse - und das will etwas heißen, angesichts dass Franzosen Haydn interpretieren - war einer Meinung, namentlich hellauf begeistert.

Wie kam es eigentlich zu diesen sogenannten "Zwölf Londoner Symphonien"?

Es war wohl das, was die alten Griechen "kairos" nannten, der genau richtige Augenblick, und der, dem er sich bot, griff zu, ohne zu zögern. Anfang Dezember 1790 stand bei Joseph Haydn in Wien ein Mann an der Tür und stellte sich mit diesen Worten vor: "Ich bin Salomon von London und komme, Sie abzuholen. Morgen werden wir einen Akkord schließen und reisen."

Haydn nämlich, und davon hatte der Konzert-Unternehmer Johann Peter Salomon Wind bekommen, befand sich gerade in einen unfreiwilligen Vorruhestand. Zwei Monate zuvor war sein langjähriger Dienstherr Nikolaus I. Esterházy gestorben, dessen Nachfolger hatte die Hofkapelle aufgelöst und Haydn also - allerdings bei Fortzahlung aller Bezüge - nichts mehr zu tun. Ganz so schnell wie Salomon prophezeit hatte, ging es nicht, aber fast. Keine zwei Wochen später machten Haydn und er sich auf den Weg, und schon am Neujahrstag 1791 betrat Haydn nach einer stürmischen Überfahrt über den Ärmelkanal in Dover britischen Boden.

Superbe! Wie die Franzosen sagen.

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Luigi Cherubini - eine Entdeckung

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Eine absurde Geschichte, aber sie ist passiert.

Medien (auch in Frankreich) melden den Tod eines der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten; ein anderer renommierter Komponist schreibt aus Verehrung für den verstorbenen Kollegen einen Trauergesang – und dann war es eine Zeitungs-Ente, denn: Der Meister lebt!

So geschehen im Jahre 1804. Der Totgesagte war Joseph Haydn (der tatsächlich noch fünf weitere Jahre lebte), und den „Chant sur la mort de Joseph Haydn“ komponierte Luigi Cherubini, der sich Haydn besonders verpflichtet fühlte, seit dieser ihn in Wien willkommen geheißen hatte. Eine französische Freimaurerloge beauftragte den in Florenz geborenen und in Paris lebenden Cherubini (1760-1842), eine Gedenkkantate zu Ehren Haydns zu schreiben. Cherubini vertonte Verse des Schriftstellers Louis Guillemain de Saint-Victor, der einige Abhandlungen über Freimaurerei geschrieben hatte. Die Verse beschreiben den anrührenden Gesang eines sterbenden Schwans “an den Ufern der Donau”.

Diese Aufnahme ist bei Phoenix Edition erschienen und eine Rarität.

Was kennen wir schon von Cherubini?  Wenig, leider. Immerhin schrieb dieser Mann 14 Opern, 6 Streichquartette, 2 Requiem, 38 Motetten, 11 Messen und ein paar Klaviersonaten.

Die CD „Chant sur la mort de Joseph Haydn“ (in Kooperation mit dem WDR entstanden) ist eine große Chance, Cherubini einmal näher kennen zu lernen - und es lohnt sich, insbesondere für jene, die elegische Momente mögen. Es spielt die Cappella Coloniensis.


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Leonard Bernstein und der Paukenschlag

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Auch bei der Deutschen Grammophon erschienen ist eine CD mit Leonard Bernstein und den Haydn-Symphonien Nr. 88, 92 und 94 (letztere ist jene "mit dem Paukenschlag").

Leonard Bernstein geht etwas anders als Karajan an die Sache ran. Bernstein liebte Haydn neben Mahler über alles und für ihn scheint Haydn nichts als pure Freude und Wonne. Die Ecksätze der Paukenschlagsymphonie sind rasant, rasch, nicht hektisch, aber mit viel Feuer versehen. Die Streicher werden bei Bernstein mehr hervorgehoben, als bei Karajan. Insbesondere beim 2. Satz ist dies hörbar, wie filigran - vielleicht auch ein wenig übertrieben - Bernstein mit den Streichern umgeht. Vielleicht liegt es auch daran, dass nicht die Berliner Philharmoniker spielen, sondern die Wiener Philharmoniker, die eben gerade durch ihren "Streicherteppich" weltberühmt und auch einmalig sind.

Bernstein war hoch angesehen als Dirigent zahlreicher Konzerte mit weltbekannten Orchestern, vor allem als (wohlgemerkt erster US-amerikanischer) Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra (1958–1969), und als regelmäßiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bis zu seinem Tode 1990. Doch nicht nur sein musikalischer Genius, sondern auch sein von Emotionen geprägter Charakter waren hervorstechend. Sein Repertoire umfasste sowohl klassische wie avantgardistische Werke; insbesondere das Werk Gustav Mahlers fand seine Beachtung und Bewunderung. Daneben wurde er auch als Komponist bekannt durch Werke wie das Musical "West Side Story" wie auch als Pianist und Lehrer. Er komponierte drei Sinfonien, zwei Opern, fünf Musicals sowie zahlreiche andere musikalische Werke.


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Haydn und der "englische" Paukenschlag

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Christopher Hogwood ist neben Charles Mackerras Englands Vorzeigebeispiel für eine musik-historische Aufführungspraxis. Mit seiner Academy of Ancient Music hat er zahlreiche Preise gewonnen, hervorragende Einspielungen gemacht, auch Werke wieder oder neu eingespielt, die in den Archiven zu verstauben drohten.

Seine Interpretation von Haydns "Paukenschlag" - und damit die Interpretation der Academy of Ancient Music - ist ohne weiteres zu empfehlen. Die Tempi sind waghalsig schnell, aber durch die kleinere Besetzung kommt die Rhythmik der Symphonie sehr gut zum tragen. Die ganze Aufnahme (erschienen 1994 bei Decca Records)  ist voller aufregender, glühender Musik verbunden mit  genialen (wirklich überraschenden) Emotionsausbrüche und Wendungen.

Wer Hogwood einmal live erleben möchte kann dies Ende Juli 2010 bei dem Schleswig-Holstein-Musikfestival tun. Dort widmet er sich dem Jahresregenten Mendelssohn.

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Joseph Haydn und der Paukenschlag

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Bei Joseph Haydn und seinem symphonischen Werk und dessen Interpretation streiten sich die Geister. Soll man die Werke in kleiner, klassischer Besetzung aufführen, oder eher auch groß?

Herbert von Karajan hat sich seiner Zeit wenig für eine historische Aufführungspraxis interessiert gezeigt. Viel wichtiger war im das Gesamtkunstwerk - meistens das symphonische - eines Komponisten und eine Gesamteinspielung. Ja, warum nicht. Er hatte doch seine Berliner Philharmoniker, eine "Ehe", die einfach einmalig war.

Und so gut klingt dann auch in großer Besetzung die Einspielung der Haydnschen Paukenschlag-Symphonie, erschienen auf CD 2009 bei der Deutschen Grammophon.

Karajan, hat man den Eindruck, setzt sich intensiv mit Haydns Sprache auseinander. Es klingt (wie schon manchmal erwähnt) nicht wie ein Brei, nein, viel Dynamik, viel Konzertierendes herrscht vor.

Der deutsche Titel „mit dem Paukenschlag“ bezieht sich auf den 2. Satz; er ist aber eher unpassend, als an der betreffenden Stelle das ganze Orchester einen überraschenden Fortissimoschlag bringt. Der englische Titel „Surprise“ ist daher treffender. Haydns erster Biograph, Georg August Griesinger berichtet dazu: „Ich fragte (Haydn) einst im Scherz, ob es wahr wäre, dass er das Andante mit dem Paukenschlage komponirt habe, um die in seinem Konzert eingeschlafenen Engländer zu wecken? „Nein“, erhielt ich zur Antwort, „sondern es war mir daran gelegen, das Publikum durch etwas Neues zu überraschen, und auf eine brillante Art zu debütiren (…).“


 

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