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Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 
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Georg Friedrich Händel

 

Messiah "für die Ewigkeit" mit Christie

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Eine Aufnahme "Für die Ewigkeit" betitelte einst der Tagesspiegel Berlin die Interpretation William Christies von Georg Friedrich Händels "Messiah".

In der Tat beeindruckend ist die Aufnahme, zweifelsohne. Großen Wert legt Christie auf die Behandlung des Generalbasses, somit auch der Generalbaßgruppe (Celli, Cembalo) - wie im übrigen so oft, wenn Christie Händel unter die Fittiche nimmt. Und genau dadurch haben wir zwar einerseits die Leichtigkeit und Sinnlichkeit der Händelschen Musik verteten, andererseits ist jedoch ebenso ständig das Fundament präsent, auf welchem Händel seine Harmonien aufbaut: ein kunstvoll gestalteter Generalbaß, brilliant auskomponiert und stützend zur Melodie eines jeden Stücks, ganz nach der Pflicht der damaligen (barocken) Zeit.

Noch ein letztes Bravo in Richtung Tempi. Diese sind durchwegs sorgfältig gewählt, dem Text und dem Ausdruck der Melodie stets zu Diensten (Beispiele dafür sind die Arie "Rejoice Greatly, O Daughter Of Zion" oder der Chor "For Unto Us A Child Is Born".

"Für die Ewigkeit" ist nicht übertrieben.


Georg Friedrich Händel, Messiah, HWV 56
Les Arts Florissants, Les Arts Florissants Choir
Dirigent: William Christie, Interpreten:
Barbara Schlick, Sandrine Piau, Andreas Scholl, Mark Padmore
Erschienen bei: HM, 1993

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Freiburg mit extrem leichtem Händelklang

Barock_freiburg

Dass Georg Friedrich Händels Musik innig ist, voller Statik sein kann, und in Ausnahmezuständen leichter als eine Feder, das ist ein Fakt. Doch Leichtigkeit kann auch übertrieben angewendet werden. So bei der vorliegenden Aufnahme des Freiburger Barockorchesters unter René Jacobs.

Die Deklamation des Chores ist tadellos, auch die Solisten sind hervorragend besetzt. Kein Zweifel. Aber René Jacobs taucht die komplette Partitur in eine zu künstliche Leichtigkeitswelt. Die Art dieser Interpretation kommt wunderbar an, insbesondere beispielsweise bei den Arien wie "He was despised and rejected of men" oder "Comfort y, my people, saith your God", gleich zu Beginn des in Dublin uraufgeführten Oratoriums. Doch bei einem Chorstück wie "For unto us a child is born" ist der Wunsch nahe, mehr Basis und Bodenständigkeit vernehmen zu wollen.

Leider nur eine plausible Aufnahme.

Georg Friedrich Händel, Messiah, HWV 56
Freiburger Barockorchester, Clare College Choir
Dirigent: René Jacobs, Interpreten:
Kerstin Avemo, Patricia Bardon, Lawrence Zazzo, Kobi van Rensburg, Neil Davies
Erschienen bei: HM, 2005


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Für ein kleines Ensemble: Alle Achtung!

Speck

Namensgeber des Klangkörpers "Les Favorites" ist das Schloss Favorite bei Rastatt – jenes Lustschlösschen, das sich die Markgräfin Augusta Sybilla von Baden nach ihrer eigenen Vorstellung unter der Leitung des böhmischen Architekten Michael Ludwig Rohrer ab 1710 errichten ließ, und dessen sinnenfrohe Architektur den Musikern bei ihren Interpretationen als Vorbild dient.

Doch Vorbild für andere könnten sie selbst sein, denn selten gelingt es einem kleinen (doch eher unbekannten) Ensemble sich auf dem Musikmarkt so gut zu etablieren, dass man mit CD-Einspielungen beispielsweise auch eine Referenzeinspielung landen kann.

"Israel in Egypt" mit Les Favorites und dem Vocalensemble Rastatt (unter der Leitung von Holger Speck, siehe Abb.) ist eine solche Referenzeinspielung. Händels Oratorium besteht ursprünglich aus drei Teilen, das neben den aus Bibelzitaten zusammengestellten Teilen II und III auch den von Händel aus dem Funeral Anthem für Königin Caroline (1737) adaptierten Teil I enthält, der erst ab dem 19. Jahrhundert häufig gestrichen wurde.

Ein Bravo für eine solche musikwissenschaftliche Leistung!

Musikwissenschaftlicher Leckerbissen

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Les Favorites, Vocalensemble Rastatt
Dirigent: Holger Speck
, Interpreten: Antonia Bourve, Cornelia Winter, Terry Wey, Jan Kobow, Konstantin Wolff
Erschienen bei: Carus, 2008

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Konkurrenzeinspielung: Hannoversche Hofkapelle mit "Israel in Egypt"

Kloster-maulbronn

Concerto Köln ist zwar unübertrefflich in Ausdruck, im Erzeugen von Klangeindruck und Präzision, was die Einspielungen von Händels Musik angeht, doch die Konkurrenz schläft nicht, und oft überrascht ein Ensemble, von dem man selbst als Liebhaber klassischer oder barocker Musik noch nie so richtig etwas gehört hat.

Im Konkreten ist das Ensemble Hannoversche Hofkapelle und der Maulbronner Kammerchor gemeint. Unter der Leitung von Jürgen Budday entfaltet das Ensemble einen absolut homogenen Klang mit seiner Interpretation und Einspielung von "Israel in Egypt". Selbst in der Doppelchörigkeit der einzelnen Teile herrscht perfekte Artikulation vor, man versteht jedes gesungene Wort (und dies auf CD, was sehr sehr selten ist, gerade bei grossen Chorwerken).

Der Instrumentalsatz hat jener Interpretation von Concerto Köln auch nicht nach zu stehen. Budday versteht es mit seinem Wissen über Musik, insbesondere über Barockmusik, die Konkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes auszustechen.

Dank sei hier auch der Manufactum Tochter K&K Verlagsanstalt. Ohne sie wären bis heute wahrscheinlich die wenigsten auf die Idee gekommen, einmal ins Kloster nach Maulbronn zu fahren.

Top Top Top!

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Hannoversche Hofkapelle, Maulbronner Kammerchor
Dirigent: Jürgen Budday, Interpreten:Miriam Allen, Sarah Wegener, David Allsopp, Benjamin Hulett
Erschienen bei: EKM, 2009

 

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Concerto Köln brilliert mit Händels mächtigstem Oratoriumwurf

Concertokoeln

Wo philosophische Innigkeit zuhause ist, wo Wärme durch Extreme und starke Kontraste entsteht, lesen wir die Handschrift von Georg Friedrich Händel.

Sein Oratorium "Israel in Egypt" gehört zu jenen beschriebenen Werken.

Zwei Dinge sind bei diesem in gigantischem Ausmaß komponierten Oeuvre (was Instrumental- und Chorsatz betrifft) unbedingt hervorzuheben:

die tragende Rolle des Chores, welcher zu achtzig Prozent zur Gestaltung des Werkes beiträgt. Noch nie zuvor, weder im "Messiah" noch beispielsweise bei "Jephta" ist Händel so weit gegangen, dass der Chor zum non plus ultra einer Komposition wird.

Das Zweite: Händel hat zur Komposition dieses Werkes länger gebraucht. Die Dauer bis zur finalen Zusammenstellung der Komposition erinnert an die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach. Denn so wie Bachs letztes Chorwerk hat Händel erst ein Stück skizziert und separat aufgeführt. Es geht dabei um den Schlusschor, den er mit 'Moses Song' betitelt hat.

Die Uraufführung der finalen Fassung (welche drei Teile besitzt, nicht zwei) hat am Anfang April 1739 in London stattgefunden, im Theatre Royal Haymarket.

Concerto Köln und der Chor des Bayerischen Rundfunks geben mit der vorliegenden Aufnahme eine Glanzleistung ab.


Beste Einspielung Händelscher Chormusik

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Concerto Köln
Dirigent: Peter Dijkstra, Interpreten: Rosemary Joshua, Atsuko Suzuki, Kobi van Rensburg
Erschienen bei: BRKlassik, 2009

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Feurige "Wiederauferstehung"

Combattimento_consort_amsterda

Der Name "Combattimento" verspricht was er meint: Kampf. Was die Instrumentalsätze des Oratoriums "La Resurrezione" betrifft kann die Einspielung des Combattimento Consort Amsterdam wohl als Referenzeinspielung für Händelsche Musik gelten und als Kampfansage an unklare Interpretationen: Scharfe Akzentuierung, grandiose Melodiegestaltung und spitze Rhythmik kennzeichen die Interpretation des Instrumentalparts.

Dem Plus für das Ensemble ist ein Minus der Sängerschar gegenüber zu stellen. Nancy Argenta ist zwar stimmlich präsent, aber viel zu sanft in der Ausmalung diverser Affekte. Marcel Reijans versucht sängerisch zu retten, was zu retten ist. Der solistisch besetzte Chor wirkt nicht langweilig, sondern bemüht sich um den hymnalen breiten Ton, welcher Händel schon mit 23 Jahren den Aufführenden abverlangt.

Summa summarum ist die Aufnahme gelungen, kann aber nicht als Spitzenleistung angesehen werden.


Brave Einspielung

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Combattimento Consort Amsterdam
Dirigent: Jan Wilhelm de Vriend, Interpreten: Nancy Argenta, Maria Cristina Kiehr, Marijana Mijanovic, Marcel Reijans, Klaus Mertens
Erschienen bei: Challenge, 2001

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Emmanuelle Haim versus Marc Minkowski

Emmanuelle-haim_153

Mein lieber Schwan: Sie ist Jahrgang 1962, kommt wie Minkowski aus Paris und hat sich als Cembalistin wie auch als Dirigenten inzwischen weltweit einen wirklich guten Namen gemacht. Nach ihrem Studium war sie lange als Continuobegleiterin tätig, auch als Assistentin von William Christie war sie stets an der Quelle der historischen Aufführungspraxis. Im Jahr 2000 machte sie sich vollkommen selbständig, arbeitet seitdem als Dirigentin und gastiert erfolgreich international mit ihrem selbst gegründeten Ensemble Le Concert d'Astrée.

Die Rede ist von der Französin Emmanuelle Haim, welche mit ihrer Einspielung von "La Resurrezione" Marc Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre Grenoble mächtig die Stirn bietet. Ja man ist gewillt zu sagen, dass Haim sich mit Minkowski auf absoluter Augenhöhe befindet, was die Lesart und Feinfühligkeit für die Musik Händels angeht.

Der Orchesterpart ist phänomenal, die Solisten wunderbar besetzt - das ist Barockmusik in höchster Vollendung.

Kaum zu überbieten

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Le Concert d'Astrée
Dirigent: Emmanuelle Haim, Interpreten: Camilla Tilling, Kate Royal, Sonja Prina, Toby Spence, Luca Pisaroni
Erschienen bei: Virgin, 2008


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La Resurrezione - Meisterlich vom Meister für Meister geschrieben

Fmruspoli

Georg Friedrich Händel war gerade 23 Jahre alt, als er sich in Rom aufgehalten hat. Er war schon immer eloquent und wußte sehr früh, wie wichtig Kommunikation und das "im Gespräch sein" ist. Indem er sich in die Gesellschaften (davon auch höhere) der damaligen Zeit "geschmissen" hat, hat er Menschen kennengelernt, die ihm wohlgesonnen waren, und ihn mit Aufträgen versehen, u.a. auch, weil sie sein Talent erahnten.

Ein gewisser Marchese Ruspoli (siehe Abbildung) orderte ein Oratorium, Händel folgte dem Auftrag und komponierte "La Resurrezione". Die Uraufführung war 1708 im Palast des Marchese. Die Handlung ist rasch erzählt: Fünf Personen - Luzifer, ein Engel, Maria von Magdala, Johannes der Jüngere und Maria des Kleophas - streiten um die Bedeutung des Todes Jesu, wie auch um die Auferstehung.

Händel komponiert hier ganz in italienischer Manier, jedoch erkennt man eindeutig schon seine eigene Handschrift, die Handschrift eines Meisters. Und diese Meisterhandschrift kommt am besten mit Marc Minkowski und seinen Musiciens du Louvre Grenoble zur Geltung, denn alles - wirklich alles - ist bis ins Detail durch- und ausmusiziert. Anmutender Barock verknüpft mit großer Leidenschaft für große Geistesthemen (Tod, Auferstehung).


Genuß, Genuß, Genuß

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Les Musiciens du Louvre Grenoble
Dirigent: Marc Minkowski, Interpreten: Jennifer Smith, Linda Maguire, John Mark Ainsley, Laurent Naouri
Erschienen bei: Archiv / Deutsche Grammophon, 1995

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Marsch, Marsch - Feuerwerksmusik mit Drill

Pinnock-manson

Händels "Feuerwerksmusik" ist heutzutage die Hymne für feine englische Anlässe schlechthin. Wo findet sich mehr Opulenz und Stil, wenn nicht hier?

Trevor Pinnock, einer der 'Altmeister' der Wiederbelebung der historischen Aufführungspraxis, meiselt dem Zuhörer mit seinem English Concert Händels geniale Harmonik ins Ohr, hier bleibt kein Stein auf dem anderen ruhig liegen. Insbesondere "La Réjouissance" mutet militärisch an, ein zündender Gedanke und absolut passend zur Repräsentation seiner Majestät, dem englischen König.

Und so war es auch, denn der einstige König Georg II. wollte ein Freiluftspektakel mit Musik zur Feier des Aachener Friedens, welcher das lang erwartete Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges bedeutete. Die Musik sollte laut Auftrag des Königs Georg II. kriegerisch klingen und im Prinzip nur von Militärinstrumenten (und damit ohne Streicher) gespielt werden. So war es, und auch wenn sich die Chronisten bis heute nicht einig über die Anzahl der Musiker sind, steht jedoch fest, dass Händel erst nach dem Freiluftspektakel eine Konzertfassung (mit Streicher) von dieser "Feuerwerksmusik" verfasst hat.

Meilenstein und Referenzeinspielung

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
The English Concert
Dirigent: Trevor Pinnock
Erschienen bei: Archiv/Deutsche Grammophon, 1984

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Die Amerikaner haben es drauf: Händel in höchster Spielkultur!

Boston

Martin Pearlman, der künstlerische Leiter und Dirigent des Boston Baroque, kann sich glücklich schätzen: Er arbeitet mit wahren Barock- und Klassikspezialisten zusammen, allesamt sehr musikalisch und für jede Materie begeisterungsfähig noch dazu.

Die Aufnahme der Händelschen "Feuerwerksmusik" in jedem Fall ist grandios: majestätisch, ehrfürchtig, ein genialer Basso Continuo (vor allem mit Gefühl vorgetragen) - was will man mehr.

1973 wurde von Pearlman das Ensemble "Boston Baroque" gegründet. 2003 kamen die Musikerinnen und Musiker zum ersten Mal mit einer Tour nach Europa, u.a. war Georg Friedrich Händels "Messiah" mit im Gepäck. In nahezu allen Städten, welche eine Aufführung erleben durften, gab es standing ovations.  Das Musikmagazin Fanfare urteilt: " (...) Boston Baroque ist eines der ersten Ensembles der Welt mit historischer Aufführungspraxis gewesen."

Bis der Klangkörper nach Europa wieder einmal kommt, wird es noch 1-2 Jahre dauern. Es ist halt trotz aller Qualität immer eine Frage des Geldes, insbesondere, was das Reisen angeht.

Händel vorbildhaft gemacht

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
Boston Baroque
Dirigent: Martin Pearlman
Erschienen bei: Telarc, 2002

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