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Dionysos

 

Wolfgang Rihm's Dionysos in Salzburg

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Wie aufregend, daß es mit der Musik immer weitergeht, daß der bestehende Kanon klassischer Musik nicht bei Schönberg stehenbleibt, sondern auch heute noch erweitert wird. Was Bestand haben wird, wird sich in 100 Jahren noch zeigen, Rihms Oper Dionysus hat eine Chance dann noch dabei zu sein. Die Uraufführung in Salzburg war ein Erlebnis. Nietzsches starken Texte entfalteten höchste Wirkung durch eine darstellerische und sängerische tour-de-force der Hauptprotagonisten, das galt insbesondere für Johannes Martin Kränzle, als Herr N(ietzsche). N durchlebt wahre dionysische Feuerwerke, insbesondere im zweiten Teil geht er durch Folterqualen, Orgien, Mord und Wahnsinn. Die Musik unterstützt die Wirkung der Szenen, sie scheint ganz im Dienste des Textes und der Szenen zu stehen. Rihm greift dabei die Klänge alter Meister auf, man meint zumindest Mahler, Wagner und Bach zu hören.

Ob ihn das in eine Reihe mit Schumann, Mahler und Bach stellt (sowie Julius Reubke und Avet Terteryan?!?!), wie Rainer Brambeck in der Süddeutschen Zeitung bemerkt, sei dahingestellt. Was vielmehr beeindruckt, ist die gesamtschöpferische Tat Rihms, denn er hat Textfragmente Nietzsches in kongeniale Szenen verwandelt, und dabei die Texte kreativ und intelligent neu sortiert. Das wunderbare Gedicht "Die Sonne sinkt" zum Beispiel wird auf die Oper verteilt und stellt einen der vielen Höhepunkte dar. Man hat Lust sie noch mal zu hören, es gibt viele starke Momente: wie Herr N lange nichts sagen kann und er dann die Worte erbricht: "Ich bin Dein Labyrinth"; die Wortduelle zwischen N und Ein Gast: "Jetzt - Jetzt"; die leichten, aber schmerzhaften Peitschenhiebe in der letzten Szene, die Variationen rund um die Frage: "Magst Du mich ganz?" Die stärkste Szene: Der Chor der Mänaden beklagt den Tod, alle auf der Bühne sind erstaart, Gegenstände fallen im Zeitlupentempo herab... Wir hoffen, diese Inszenierung wird noch einmal zu sehen sein und freuen uns auf weitere Opern-Uraufführungen. Zum Beispiel Beat Furrers "Wüstenbuch", in Zürich uraufgeführt dieses Jahr, in Wien zu sehen bei den Festwochen 2011.

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