Järvi mit präzisem Berliozauftritt
Der 1962 in Estland geborene Dirigent Paavo Järvi ist ein gründlicher Gesprächspartner. Und er ist ein gründlicher Musiker, einer, der musikalisch wie thematisch nicht stets auf der Durchreise ist. Auf den ersten Blick mag das vielleicht so aussehen, weil er immerhin drei Orchestern als Chefdirigent vorsteht: Dem Cincinnati Symphony Orchestra, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und – sein jüngster Zuwachs – dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt am Main, der in den USA aufgewachsene Dirigent (sein Vater Neeme Järvi wechselte 1980 mit der Familie in die Staaten) tritt nicht zu kurz.
Die Gründlichkeit erkennt man freilich auch bei der Lesart von Partituren. Järvis Interpretation von Hector Boulez Symphonie Fantastique läßt nichts zurück, was Fragen aufwerfen könnte und es entsteht der Eindruck - bezüglich des Orchester aus Cincinnati -, dass dieses Orchester es mit jedem anderen sehr guten Orchester der Welt ohne Probleme aufnehmen könnte. Ist der Grund der Dirigent, oder das Orchester selbst? Järvi, einst angesprochen auf den Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Klangkörpern, sagt dazu: "In den USA kennt das Orchester vor einer Probe das Stück, jeder Musiker beherrscht seine Noten. In Cincinnati komme ich manchmal in einer Probe so weit wie bei anderen Orchestern in zwei Wochen. Jeder ist vorbereitet, jeder bringt das spieltechnische Können mit – aber keiner stellt auch nur irgendeine Frage".Und genau das hört man heraus.Präzision und wenig Romantikgefühl Hector Berlioz, Symphonie FantastiqueDirigent: Paavo Järvi
Cincinnati Symphony Orchestra
Erschienen bei: Telarc, 2000
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