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Christoph Eschenbach

 

Bruckners Vierte: Einarbeiten ist alles!

Linz

Die Satzbezeichnungen Anton Bruckners seiner 4. Sinfonie sind typisch romantisch, da nicht sicher, nicht festgelegt, aber doch mit Maßstab versehen. So heißt es einmal "Bewegt, nicht zu schnell", "Andante quasi Allegretto", oder "Scherzo: Bewegt" und "Finale: Bewegt, doch nicht zu schnell".

Bruckner befand sich parallel zur Entstehungszeit dieser Sinfonie in einer Krise, welche in erster Linie finanziell begründet war. Seine Klavierlehrerstelle an der Wiener Lehrerbildungsanstalt Sankt Anna musste er an Rudolf Weinwurm abtreten, und verzweifelte Versuche, eine feste Stelle als Theorielehrer an der Universität zu bekommen, scheiterten nicht zuletzt daran, dass einer seiner schärfsten Kritiker, namentlich Eduard Hanslick, in genau jenem Gremium saß, welches über die Vergabe dieser Stelle zu entscheiden hatte.

Umso erstaunlicher, daß Bruckner gerade in dieser schwierigen Zeit eine solch "kraftvolle" Musik zustande brachte. Die Sinfonie ist neben seiner 7. Sinfonie die beim Publikum beliebteste und bekannteste. Wie meistens, so hat Bruckner auch dieses Werk mehrmals überarbeitet. Die erste Fassung entstand 1874. Die zweite Fassung von 1878 enthält ein völlig neu komponiertes Scherzo. In den Jahren 1879/80 überarbeitete Bruckner noch einmal das Finale. Die sehr erfolgreiche Uraufführung fand schliesslich am 20. Februar 1881 in Wien mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter statt.

Man muss sich Zeit nehmen, für Bruckner, für sein Werk. Es ist ähnlich wie mit Richard Wagners oder Richard Strauss Bühnenwerken - derartige Musik kann nicht während einem Dinner abgespielt werden. Nimmt man sich die Zeit, dann lohnt es sich, denn viel Neues steckt in Bruckners Sinfonik. Er verarbeitet anders als Johannes Brahms Themen, führt Themen auch anders ein und durch. Christoph Eschenbach ist ein Connaisseur der Romantik und liefert mit dem Orchestre de Paris eine wunderbare Einspielung von Bruckners 4. Sinfonie ab.

Romantik pur

Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 4 Es-Dur
Dirigent: Christophe Eschenbach

Orchestre de Paris

Erschienen bei: Ondine, 2003


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