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Carl Doench

 

Boulez dirigiert Wozzeck

Berg

 

Spannend kann es sein, wenn Musikgeschichte durch einen Komponisten weiterentwickelt wird, aber auch durch ein- und denselben Komponisten die Weiterentwicklung wieder zerstört wird, durch Auflösung alles bisher vorher Dagewesenen.

Noch spannender ist es, wenn genau dieser Komponist ein Werk dirigiert, das aus der Feder einer seiner unmittelbaren Vorgängers von ihm stammt. Wie geht er mit dem Material, aus welchem er selbst einst neue Ideen fürs Weiterentwicklen der Komposition an sich schöpfte? Wird es ihm fremd sein, wird er soviel eigene Interpretation hineingeben, dass die Ursprache seines Vorgängers verwischt, vielleicht unkenntlich wird?

Die Rede ist von Pierre Boulez, welcher die Oper "Wozzeck" von Alban Berg unter die Lupe nimmt. Wirklich spannend, wie das klingt. Boulez sagt selbst: "Wenn ich über mich und meine Entwicklung spreche, dann geht es ja vor allem um die zweite Hälfte des Jahrhunderts, die Zeit nach 1945. Das war zunächst eine Zeit des Neuanfangs. Wir orientierten uns an der Schönbergschule und ihrer strengen Disziplin. Aber wir wollten mehr König sein als der König, also weiteten wir die serielle Methodik noch viel mehr aus. Das konnte nicht immer so weitergehen, und so kam es wieder zum Pendelschlag in die andere Richtung. Anscheinend war es notwendig für uns, eine Ordnung aufzubauen, um sie dann nach einiger Zeit wieder zu demolieren." Alban Berg ist für ihn "ein Nostalgiker. Zugleich wollte er ein ganz gehorsamer Schönbergschüler sein, doch nur insgeheim. Berg wollte alles: das große romantische Pathos und die von Schönbergs Lehrmeinung beglaubigte und vielfach abgesicherte Konstruktion."

 

Ein Aha-Erlebnis

Alban Berg, Wozzeck
Dirigent: Pierre Boulez
, Solisten: Walter Berry, Isabel Strauss, Fritz Uhl, Carl Doench
Orchestre de l'Opéra de la Bastille, Choeur de l'Opéra de la Bastille
Erschienen bei: Sony, 1966

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