Marino Formenti spielt Morton Feldman beim Arcana Festival
"Er ist manchmal selbst dabei eingeschlafen" witzelt Formenti ueber Feldman und sein Klavierstueck "For Bunita Marcus" aus dem Jahre 1985, sein Vorletztes. Der Ausnahme-Pianist bringt dann aber das Stueck um 0430 morgens mit voller Konzentration und Hingabe in der Kirche von St. Gallen im steirischen Gesaeuse zur Auffuehrung. Rund um den Steinway am Altar liegt und sitzt das Publikum auf Matratzen und erlebt wie die winzigen Tonreihen sich wiederholen, verklingen, sich permanent in Zeitlupentempo weiterentwickeln. Jeder einzelne Ton entfaltet seine Wirkung. Nach einiger Zeit verliert man sein Zeitgefuehl, gleichzeitig wird der Kopf klarer. Die Kirchenglocken erinnern fuer einen kurzen Moment an die sonst herrschende zeitliche Struktur.
Wenn es eines Beweises fuer die starke Einwirkung der sogenannten neuen Musik auf die menschliche Wahrnehmung bedarf, dann ist er hier glaenzend erbracht. 75 Minuten spaeter sind einige eingeschlafen, draussen ist es Tag geworden und ich gehe erfrischt und angeregt aus der Kirche. Dafuer lohnt es sich den weiten Weg ins Gesaeuse anzutreten, Arcana bietet 10 Tage lang aussergwoehnlich anregende Musikerlebnisse fernab vom Routine-Musikbetrieb. Intendant Peter Oswald und seinem Team sei gedankt!
Eingespielt wurde dieses Werk sowie sein allerletztes Werk, Palais de Mari, das übrigens Formenti am Abend zuvor hinreissend spielte, auf Oehms Classics mit Sabine Liebner. Weitere Einspielungen von Morton Feldman gibt es bei Kairos, dem führenden Label für zeitgenössische Musik.
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