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Anton Bruckner

 

Bruckners Vierte: Einarbeiten ist alles!

Linz

Die Satzbezeichnungen Anton Bruckners seiner 4. Sinfonie sind typisch romantisch, da nicht sicher, nicht festgelegt, aber doch mit Maßstab versehen. So heißt es einmal "Bewegt, nicht zu schnell", "Andante quasi Allegretto", oder "Scherzo: Bewegt" und "Finale: Bewegt, doch nicht zu schnell".

Bruckner befand sich parallel zur Entstehungszeit dieser Sinfonie in einer Krise, welche in erster Linie finanziell begründet war. Seine Klavierlehrerstelle an der Wiener Lehrerbildungsanstalt Sankt Anna musste er an Rudolf Weinwurm abtreten, und verzweifelte Versuche, eine feste Stelle als Theorielehrer an der Universität zu bekommen, scheiterten nicht zuletzt daran, dass einer seiner schärfsten Kritiker, namentlich Eduard Hanslick, in genau jenem Gremium saß, welches über die Vergabe dieser Stelle zu entscheiden hatte.

Umso erstaunlicher, daß Bruckner gerade in dieser schwierigen Zeit eine solch "kraftvolle" Musik zustande brachte. Die Sinfonie ist neben seiner 7. Sinfonie die beim Publikum beliebteste und bekannteste. Wie meistens, so hat Bruckner auch dieses Werk mehrmals überarbeitet. Die erste Fassung entstand 1874. Die zweite Fassung von 1878 enthält ein völlig neu komponiertes Scherzo. In den Jahren 1879/80 überarbeitete Bruckner noch einmal das Finale. Die sehr erfolgreiche Uraufführung fand schliesslich am 20. Februar 1881 in Wien mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter statt.

Man muss sich Zeit nehmen, für Bruckner, für sein Werk. Es ist ähnlich wie mit Richard Wagners oder Richard Strauss Bühnenwerken - derartige Musik kann nicht während einem Dinner abgespielt werden. Nimmt man sich die Zeit, dann lohnt es sich, denn viel Neues steckt in Bruckners Sinfonik. Er verarbeitet anders als Johannes Brahms Themen, führt Themen auch anders ein und durch. Christoph Eschenbach ist ein Connaisseur der Romantik und liefert mit dem Orchestre de Paris eine wunderbare Einspielung von Bruckners 4. Sinfonie ab.

Romantik pur

Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 4 Es-Dur
Dirigent: Christophe Eschenbach

Orchestre de Paris

Erschienen bei: Ondine, 2003


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Bruckner Te Deum

64

Die Aufarbeitung Anton Bruckners bezüglich seines Lebens und bezüglich seines Werkes läßt bis heute sehr zu wünschen übrig. Wir kennen seine Sinfonien, sein geistliches Werk und darüber wiederum ein paar nicht unwichtige Dinge.

Was wir wissen ist beispielsweise, dass seine Sinfonien eine Herausforderung für jeden Dirigenten sind, insbesondere auch, weil Bruckner fast zu jeder Sinfonie mehrere Fassungen geschrieben hat. Was wir auch wissen ist, dass sein Oeuvre geistlicher Musik vom Tonumfang her eine Herausforderung für jeden Chor und jeden Solisten ist.

Daniel Barenboim schafft mit dem New York Philharmonic Orchestra und dem New York Philharmonic Choir das Unmögliche: Er gibt Bruckners Te Deum, das rein objektiv eher statisch wirkt, Eleganz und doch bewahrt er gleichzeitig eine sinnliche Form, dem Habitus des Werkes und seines Zweckes angepaßt. Besonders im Teil "Aeterna fac cum sanctis tuis" ist dies deutlich zu hören. Aber auch im letzten Teil "In te, Domine, speravi" scheint nichts aufdringlich abdirgiert, sondern fein säuberlich ausdirigiert.

Ein Plus der CD ist, dass Barenboim sich abseits des Te Deums auch der Messe in e-Moll und f-Moll angenommen hat.

Bruckner in New York

Anton Bruckner, Te Deum
Dirigent: Daniel Barenboim, Solisten: Anne Pashley, Birgit Finnilä, Robert Tear, Don Garrard
New York Philharmonic Orchestra, New York Philharmonic Choir

Erschienen bei: EMI, 1969


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Helmuth Rilling: Bruckners Messe e-Moll und Psalm 150

Bruckner1

Die Messe ist jene Gattung, die Anton Bruckner gleich nach der Sinfonie am meisten bediente und ihn auch am meisten beschäftigt hat, kein Wunder, hat er doch - ähnlich wie die biblische Figur des Hiob - bis an sein Lebensende mit diesem Gott gehadert.

Eine beeindruckende Aufnahme gibt es bei Hänssler Classic. Wieso beeindruckend? Nun, Anton Bruckners Musik sollte man sich in Ruhe anhören. Und spitzt man dann einmal die Ohren, so wird einem schnell klar, dass der Chor in Beethovens neunter Sinfonie ("Ode an die Freude") zwar auch nicht leicht zu singen ist, aber im Gegensatz zu Bruckners Stimmführung doch einer wahren Wohltat gleich kommt.

Die Fuge am Schluss des "Gloria" der Messe in e-Moll ist ein Meisterwerk der Kirchenmusik, gleichzeitig auch eine Meisterleistung der Sängerschar und des begleitenden Orchesters (in diesem Fall handelt es sich um das Bach-Collegium Stuttgart und die Gächinger-Kantorei Stuttgart). Sehr spannend komponiert ist das "Sanctus" der Messe, in welchem Bruckner ein Thema aus Palestrinas "Missa brevis" entnimmt.

Der Höhepunkt aller Gesangsakrobatik - und wir reden hier besonders von den hohen Lagen und den Stimmbewegungen ganz oben - ist der Psalm 150, welcher 1892 erstmals im Druck bei Doblinger erschienen ist.

Fazit: Helmuth Rilling, der Dirigent, hat alles im Griff und sein Chor ist souveräner denn je. Eine CD voller religiöser Erhabenheit und Innigkeit.


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