Johann Sebastian Bach als Schüler des ehrwürdigen Gent
Gent liegt in Flandern, eine geschichtsträchtige Region in Belgien. Menschen, die in Flandern leben, nennt man Flamen. Und seit Urzeiten ist wenn auch nicht vieles, aber eines bekannt: aus der Gegend um Gent die berühmte Franko-Flämische-Schule entstanden ist, welche die Musikgeschichte nach Palestrina entscheidend verändern sollte und verändert hat. So wurde die Sext und die Terz als ein konsonantes Intervall anerkannt, die Fünf- und Sechsstimmigkeit wird ausgebaut und zum Standard. Bedeutende Komponisten dieser großen Musikepoche sind Johannes Ockeghem oder auch Guillaume Dufay.
In Anlehnung an dieser traditionsreiche (flämische) Musikzeit hat der Dirigent Philippe Herreweghe 1970 das Collegium Vocale Gent gegründet, ein Ensemble, welches sich besonders auf die Interpretation von Barockkomponisten spezialisiert hat, wobei in den letzten Jahren auch immer wieder vermehrt klassische und romantische Werke zur Interpretationsgeschichte des Ensembles hinzugekommen sind. Hört man Herreweghes Ansatz der Bachschen h-Moll Messen Interpretation, werden Minkowski Ideen wieder deutlich. Der Verdacht liegt nahe, dass Minkowski sich entweder mit Herreweghes Partiturlesweise auseinandersetzt hat (wohl nicht umgekehrt), oder dass Minkowski eben genauso spürt und empfindet, wie Herreweghe. Schlicht und schlank sind die chorischen wie die instrumentalen Sätze gehalten, eben so, wie zu Zeiten von Bach. Ein sehr gelungene Einspielung, die mittlerweile zum Standard gehört.
Bach-Standard Einspielung
Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232
La Chapelle Royale, Collegium Vocale Gent
Dirigent: Philippe Herreweghe, Interpreten: Veronique Gens, Agnes Mellon, Andreas Scholl, Peter Kooy, Christophe Prégardien
Erschienen bei: Harmonia Mundi, 1997
Kommentare [0]