Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Mon, 26 Jul 2010 07:45:00 -0700 Bayreuth: Weg mit diesem Ring! http://nonobach.posterous.com/bayreuth-weg-mit-diesem-ring http://nonobach.posterous.com/bayreuth-weg-mit-diesem-ring

Br-online-publikation-ab-05-2009--94127-20090723150858
Zum letzten Mal muss das Bayreuther Publikum diesen Festspielsommer sich durch Richard Wagners Ring der Nibelungen in der Inszenierung von Tankred Dorst quälen. In der Götterdämmerung stolpert ein entstellter Siegfried-Tölpel mit roter Clown-Perücke durch die Gegend, auf Brünnhildes Felsen kommt ein Bauarbeiter in orangenem Schutzgewand die Kollateral-Schäden durch Loges Feuersbrunst inspizieren, und nach wirrem Untergang Walhalls kommt ein Pärchen mit Fahrrad auf die Bühne um sich freudig (worüber?) zu umarmen. Will Dorst sich über das Stück lustig machen? Ist ja sein gutes Recht, warum ihn aber engagieren?

Schade, denn die musikalische Darbietung unter der Leitung Christian Thielemanns ist Weltklasse. Bayreuth hat ja alle Trümpfe in der Hand: die Akustik und die Sicht ist für alle im Publikum hervorragend, die Pausen sind adäquat lang. Linda Watson als Brünnhilde aber macht den Abend endgültig zunichte, so ein statisches Vorsingen, ein so unmotiviertes Dahinspielen kann die durchaus schöne Stimme nicht kompensieren. In dieser Oper ist Brünnhilde der treibende Faktor, die wichtigste Person.


Also für den Ring am besten nach Wien fahren oder nach L.A (Blog folgt). Bei Sven-Eric Bechtold in Wien kann man gut sehen, dass feine Personenführung viel wichtiger ist als Slapstick. Die Charaktere verwandeln sich in Fleisch und Blut, die Emotionen sind voll sichtbar und nur so kann der Zuseher und -hörer mitgerissen werden. Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker sind hervorragend (vor allem in der ungedaempften Version von Siefrieds Tod), Eva Johansson eine packende, energische Brünnhilde. Und mit Eric Halfvarson singt in Bayreuth, Wien und L.A. (!) der Hagen unserer Zeit.

Thielemanns Ring-Gesamteinspielung findet man übrigens bei Opus Arte. Die Aufführung der Walküre wird im Live-Stream am 21. August 2010 übertragen unter http://www.bayreuther-festspiele.de/ für 14,99€. 


PS: Wann findet sich endlich ein Sponsor für gepolsterte Rückenlehnen in Bayreuth?!

 

Für alle Wagnerfans der Standard

Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen
Dirigent: Josef Keilberth, Solisten: Hans Hotter, Astrid Varnay, Wolfgang Windgassen, Toni Blankenheim
Orchester der Bayreuther Festspiele, Chor der Bayreuther Festspiele

Erschienen bei: Testament, 1955

 

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Sat, 10 Jul 2010 04:14:00 -0700 Jonas Kaufmann - ein Mann für alle Fächer http://nonobach.posterous.com/jonas-kaufmann-ein-mann-fur-alle-facher http://nonobach.posterous.com/jonas-kaufmann-ein-mann-fur-alle-facher

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Es ist die gleiche Geschichte wie im blog von Diana Damrau, nur geht es dieses Mal nicht um Soprane, die gesucht werden, sondern um Tenöre. Jahrelang war Ebbe in Deutschland. Die Italiener, die Spanier, die Bulgaren, ja selbst die Franzosen und Amerikaner hatten mehr an Super-Tenören zu bieten, als das Land, das immer noch seinem Kaliber Rudolf Schock hinterhertrauert (und dies zurecht).

Als Jonas Kaufmann 1994 in Saarbrücken gesungen hat, hat die Öffentlichkeit noch geschlafen, die Medien waren mit anderen unwichtigen Dingen beschäftigt. Hier, nahe der französischen Grenze, hat für Kaufmann alles begonnen. Im Jahr 2000 hatte kein geringerer als Alexander Pereira den Riecher, dass dieser Mann mehr kann, als auf drittklassigen Bühnen irgendwelche Nebenrollen zu singen und nahm Kaufmann in sein Förderprogramm am Opernhaus Zürich auf.

Und heute? Ist er der gefeiertste aller Tenöre. Keiner beherrscht wirklich mühelos soviel Fächer, Gattungen und Rollen, wie Jonas Kaufmann. Er ist einfach ein Naturtalent. Deutschland hat endlich wieder einen Tenor, hurra!

Hurra auch bezüglich einer bei Decca Records herausgekommenen DVD, die Kaufmann in der Titelpartie der Wagneroper "Lohengrin" zeigt. Wunderbar, mehr braucht man nicht sagen. Man ist ohne Worte, wenn man sich vor Augen und zu Gehör führt, wie Kaufmann seine Rollen interpretiert. Kann Oper schöner sein?

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Fri, 25 Jun 2010 04:51:00 -0700 Geeignet für alle Opernfans: Neue Chor-CD bei Decca http://nonobach.posterous.com/geeignet-fur-alle-opernfans-neue-chor-cd-bei http://nonobach.posterous.com/geeignet-fur-alle-opernfans-neue-chor-cd-bei

Chor

Wie wichtig sie doch sind. Ob als Handlungsträger im Laufe eines Stückes, als Kommentatoren einer Szene oder einfach als Anwesende, um Masse darzustellen: Mehrstimmigkeit in Form eines Chores zählt gewiss zu den größten Errungenschaften der Musikgeschichte.

Doch ganz zu Schweigen von den Profi-Chören. Wenn man bedenkt, wieviel Laienchöre es gibt, die beispielsweise jeden Sonntag in den Kirchen ihren Dienst tun, würde die Namensliste mit Sicherheit mehrere Kilometer lang sein.

Für die Plattenfirmen waren Chorveröffentlichungen verkaufstechnisch nie der Renner. Vielmehr war damit eher die Hoffnung verbunden, dass durch die Aufnahme von bekannten Choropernmelodien die Klassik-Klientel von Hausfrauen bis hin zu den Senioren noch besser bedient werden kann. Wer hört nicht gern Verdis "Freiheitschor" aus 'Nabucco' zuhause, während gebügelt oder Schach gespielt wird?

Bei Universal Music erschien jetzt ein Opernchor-Album, welches nicht nur einen Opernchor portraitiert und nicht jene eh schon bekannten Melodien einfach runtersingen lässt. Genau das Gegenteil ist der Fall und verdient dadurch Aufmerksamkeit.

Auf der CD "Best of Opernchöre" (über den Titel könnte man jedoch in der Tat streiten) sind Opernchöre und Opernorchester aus verschiedenen Ländern zu hören, sei es von der Mailänder Scala, der Staatsoper Dresden oder dem Opernhaus in London. Dabei ist besonders interessant zu hören, wie gut die Italiener Wagners "Freudig begrüßen wir die edle Halle" interpretieren.

Das wohl beste Track ist "Steuermann, laß die Wacht!" aus dem 'Fliegenden Holländer' von Richard Wagner, meisterhaft gesungen vom Rundfunkchor Leipzig.

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