Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Tue, 10 Aug 2010 00:01:00 -0700 Elektra aus der Sicht Berlins http://nonobach.posterous.com/elektra-aus-der-sicht-berlins http://nonobach.posterous.com/elektra-aus-der-sicht-berlins

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der "Tagesspiegel" schreibt über die Aufführung der Elektra in Salzburg:

Es schwirrt und fidelt im Orchestergraben, und die Tuba tönt, lange bevor die Aufführung beginnt. Die Wiener Philharmoniker sind hoch motiviert, denn „Elektra“ gehört als Orchesteroper von Richard Strauss zu ihrem anspruchsvollsten Besitz. Premiere im Großen Festspielhaus. Auch das Publikum ist bestens präpariert, neben dem gesellschaftlichen Ereignis ein Fest der Kunst zu feiern. Und so geht es auch aus: mit viel Jubel, in dem die paar Buhrufe gegen den Dirigenten Daniele Gatti verschwinden.

Vom Himmel an der Salzach grüßen die Gründungsväter Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Roller und Richard Strauss: Der 90. Geburtstag der Festspiele geht ins Land. Und zugleich das Ende der Ära Flimm. Wie ein treu sorgender Vater wird Jürgen Flimm an diesem Abend immer und überall gesichtet. Es ist ein Abschied, der ihm nicht leicht fällt, sagt er, „Mythen“ begleiten ihn. Kein geringes Sommerwunschprogramm.

Nun also Station bei „Elektra“, erste gemeinsame Arbeit von Strauss mit seinem Dichter-Librettisten Hugo von Hofmannsthal. Elektra in tragischer Einsamkeit: Zeitgenossen sahen in der Figur eine Spiegelung der Lebenskrise des Dichters. Elektra opfert ihr Leben als Frau. Die Auserlesene steht als Ausgestoßene da, besessen von dem Gedanken, den Mord an ihrem Vater Agamemnon zu rächen. Ein Stück von den Wonnen blutigsten Schmerzes aus der Tragödie des mykenischen Königshauses, alles andere als ein klassizistisches Griechendrama.

Nikolaus Lehnhoff ist ein diskreter Regisseur, dessen Inszenierungen nicht provozieren und niemandem wehtun. Aber sie setzen mit Theatermitteln sichtbare Zeichen, um tiefere Inhalte zu enthüllen. Hier ist es der Mantel des toten Agamemnon, das Vergangene in der Gegenwart, Elektras Schutzmantel und Heiligtum: Dieser Mantel der Erinnerung verbindet die Schwestern Elektra und Chrysothemis, ja sogar Klytämnestra erlebt in ihm einen kleinen Moment der Mutter-Tochter-Nähe mit Elektra. Und Lehnhoff zeigt, dass der Mantel dem Orest Befehl ist, während er Angst hat vor dem Muttermord: „Die diese Tat mir auferlegt, die Götter, werden da sein, mir zu helfen.“ Der Mord findet statt, die Leiche hängt am Haken, aber die Erinnyen warten. „Überall liegen Tote“, das lässt sich im Triumph des Finales nicht überhören und ist in Frankfurt am Main schon einmal von Regisseur Falk Richter eindringlich thematisiert worden. Hier steht der Rächer und Sohn Agamemnons sehr allein, trägt das Gewand seines Vaters und nun auch die Einsamkeit der Schwester, die gestorben ist.

Das „Elektra“-Orchester hämmert, dröhnt, kreischt – und überwältigt. Viel tiefes Blech, Verdreifachung der Violinen und Bratschen, erregtes Pathos und doch wieder süße Fülle. Am Pult Daniele Gatti, aktueller Bayreuther „Parsifal“-Dirigent und gehandelt in zweiter Linie für die Nachfolge Kent Naganos an der Bayerischen Staatsoper. Man sagt ihm eine Krise nach, aber er weiß, wie sehr er auf die Wiener Philharmoniker bauen kann. Es ist die Musik, die unter Gatti in ihren scharf aneinandergesetzten Szenen singt und sagt: schaurige Abgründe und innig fließendes Thema der Agamemnonskinder. Gattti lässt die Nervenkontrapunktik sprechen, mitunter zu laut, ohne eine eigene Lesart zu verteidigen.

Lehnhoff hatte einst in Anja Silja eine Protagonistin gefunden, deren Persönlichkeit seine Inszenierungen trug. Iréne Theorin als Elektra ist das nicht. Daher dominiert das Requisit des Mantels, wo große Tragödie darzustellen wäre, stolzes Königskind, Dialektik der Treue, furchtbare Majestät. Man staunt, wenn Theorin den ersten Monolog anstimmt mit der elementaren Anrufung Agamemnons aus dem Rhythmus des Namens: Das klingt beinahe wie eine Pamina als Elektra. Theorin trifft alle Töne, zumal die Höhen, verfehlt aber das Wesentliche: die Wucht der Dramatik. Und die Übertitel im Theater sind geeignet, darüber hinwegzutäuschen, dass von dem ausdrucksstarken Text einmal mehr nichts zu verstehen ist.

Anders Eva-Maria Westbroek als Chrysothemis: Sie singt die hellere Dreivierteltaktschwester, die ihr „Weiberschicksal“ ersehnt, mit deutlicher Emphase. Im Lyrischen nähern sich die beiden Stimmen einander zu sehr an.

Das mit Spannung erwartete szenische Debüt Waltraud Meiers (im Bild Szene "Don Carlo", Verdi) als Klytämnestra zeigt eine in der Rolle der Gattenmörderin zunächst ungewöhnlich schöne Frau, gute Figur im Abendkleid (Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer), feines Décolleté, die Meier eben. Was sie spielt, ist erregtes Pathos, Angst, Krankheit der Seele. Auch diese Einsamkeit, von Meier mit Inbrunst ausgesungen, weckt Mitleid. Zugegeben, dass man sich vom stimmlichen Kaliber her eher eine Astrid Varnay oder Jane Henschel wünschte. Hoch besetzt ist mit Robert Gambill der Ägisth, der Tenor, der als Liebhaber ausgespielt hat. Nach der Unruhe der Frauenstimmen tritt die Ruhe des Baritons ein: souverän in Wort und Ton René Pape als Orest. Der Darsteller aber verrät die Unruhe in der Ruhe.

Die Handlung spiegelt sich in den Luken schiefen Mauerwerks (Bühne: Raimund Bauer): Von der Mägdeszene an ist es ein Gefängnis für alle, eherner Ernst, gruftiges Milieu. Mit dem Tod der Mutter Klytämenstra und ihres Mittäters Ägisth hat Elektras Leben seinen Sinn erfüllt. Für die anderen aber gibt es kein Entrinnen, der Krieg bleibt. So kann der Regisseur heute in dem trunkenen „namenlosen Tanz“ der Titelheldin keine Läuterung mehr sehen. In diesem Sinn ist Nikolaus Lehnhoffs Inszenierung stimmig.

 

Best off Einspielung mit Dohnanyi

Richard Strauss, Elektra

Dirigent: Christoph von Dohnanyi, Solisten: Marjana Lipovsek, Eva Johansson, Melanie Diener, Rudolf Schasching

Orchester des Opernhauses Zürich, Chor des Opernhauses Zürich

Erschienen bei: TDK, 2005

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Mon, 09 Aug 2010 12:53:00 -0700 Presse von "Elektra" in Salzburg begeistert http://nonobach.posterous.com/presse-von-elektra-in-salzburg-begeistert http://nonobach.posterous.com/presse-von-elektra-in-salzburg-begeistert

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Der "Kurier" schreibt zu letzten Neuproduktion der Salzburger Festspiele:

Es ist absurd, dass die Werke von Richard Strauss, immerhin einer der Gründerväter der Festspiele, zuletzt eine derart untergeordnete Rolle in Salzburg spielten. Vom Intendanten Gérard Mortier ist noch die eine oder andere faszinierende Produktion (etwa "Ariadne auf Naxos") in Erinnerung.

Sein Nachfolger Peter Ruzicka wollte Strauss zentral im Programm etablieren - leider ist der für die Dirigate vorgesehene Giuseppe Sinopoli noch vor Amtsantritt gestorben. Dennoch schaffte Ruzicka gerade mit weniger bekannten Strauss-Opern schöne Erfolge. Unter ihm fand auch die bisher letzte Strauss-Premiere statt: "Rosenkavalier" im Jahr 2004.

Sechs Jahre lang gab es keine Neuproduktion einer Strauss-Oper - für Salzburg ein schändlicher Zustand. Erst im letzten Jahr seiner Intendanz setzte Jürgen Flimm "Elektra" im Großen Festspielhaus an. Die für 2011 geplante "Frau ohne Schatten" mit Christian Thielemann am Pult wird der interimistische Chef Markus Hinterhäuser abwickeln. Wie perfekt Strauss zu Salzburg passt, bekam man bei "Elektra" wieder bestätigt. Solche Werke gehören ins Große Festspielhaus und nicht Händel-Oratorien oder Gluck-Opern.

Daniele Gatti dirigierte die Wiener Philharmoniker beeindruckend. Seine "Elektra" ist farbenprächtig, kontrastreich, höchst dynamisch, manchmal eine Spur zu voluminös, aber stets ausbalanciert, differenziert, den damaligen Drang des Komponisten hin zur Moderne ideal umsetzend. Das radikalste Werk von Strauss darf auch so radikal klingen.

Dass es am Ende einige Buhs für Gatti gab, mag daran liegen, dass die Sänger manchmal vom riesigen Orchester überlagert wurden - wenn das bei einer Aufführung passiert, muss es aber nicht immer zwingend an den Musikern oder am Dirigenten liegen. Mit seiner "Lulu" bei den Wiener Festwochen und nun mit "Elektra" in Salzburg ist Gatti zweifellos einer der prägenden Dirigenten dieses Jahres.

Irene Theorin stellte sich in Salzburg mit der Titelpartie der Elektra vor: Die Schwedin ist eine hochdramatische Sopranistin, die nur gut hörbar ist, wenn sie forciert. Dabei kippt sie oft ins Schrille und neigt zum starken Tremolo. Immerhin hält sie tapfer durch.

Eva-Maria Westbroek ist eine fabelhafte Chrysothemis und könnte möglicherweise schon bald die bessere Elektra sein als Theorin. Waltraud Meier (siehe Bild) begeisterte bei ihrem Bühnendebüt als Klytämnestra mit großer Präsenz und einem Mezzo, der selbst bei dieser anspruchsvollen Partie stets elegant bleibt. Rene Pape ist ein grandioser Orest, Robert Gambill ein etwas unterbelichteter Aegisth.

Das klare, einfache Bühnenbild von Raimund Bauer erinnert an ein aus dem Lot geratenes Frauengefängnis oder an einen Rohbau im palästinensischen Siedlungsgebiet, mit vielen Löchern und Gruften, aus denen die verschleierten Mägde schauen. Regisseur Nikolaus Lehnhoff vertraut dem Werk und den Protagonisten, hat präzise gearbeitet und nichts mit einer Interpretation verjuxt. Wo das Ohr so viel zu tun hat, kann das Auge ruhen.

Das Werk "Elektra" (Libretto: Hugo von Hofmannsthal) wurde 1909 uraufgeführt. Die Strauss-Oper erzählt, wie sich Elektra und ihr Bruder Orest an ihrer Mutter Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth rächen, weil diese einst ihren Vater Agamemnon töteten. Die Aufführung Toll musiziert, gut gesungen, die beste Opern-Neuproduktion 2010.

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Sun, 18 Jul 2010 07:33:00 -0700 Richard Strauss, Masur und die Franzosen http://nonobach.posterous.com/richard-strauss-masur-und-die-franzosen http://nonobach.posterous.com/richard-strauss-masur-und-die-franzosen

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Sehr spannend anzuhören ist eine jüngst beim Label Radio France erschienene CD mit dem Orchestre National de France. Dirigent ist Kurt Masur und auf dem Programm der CD steht Richard Strauss' "Alpensymphonie".

Das Werk selbst ist Programmmusik. Dem Werk liegt das Konzept zugrunde mit musikalischen Mitteln die Besteigung eines Alpengipfels und die Rückkehr ins Tal während eines Tages zu gestalten.

Eines gewaltigen Aufwands bedarf es, diese Symphonie von Richard Strauss zur Aufführung zu bringen - nicht nur wegen der riesigen Dimensionen dieses großartigen Werkes, was die Besetzung betrifft, sondern auch wegen so mancher skurriler Anweisung des Komponisten in der Partitur, wie manche Stellen gespielt werden sollten. Das Orchestre National de France und Kurt Masur stellt sich dieser Herausforderung. Aus den dumpfen Anfangstakten der entsteht eine ganze Welt, die das Orchester zum Leuchten bringt und ein Klang, der am Ende wieder im Nichts verschwindet.

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Sun, 18 Jul 2010 07:15:00 -0700 Jessye Norman und Richard Strauss http://nonobach.posterous.com/jessye-norman-und-richard-strauss http://nonobach.posterous.com/jessye-norman-und-richard-strauss

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Es lohnt sich, einmal wieder in der Vergangenheit nachzuschauen, was denn schon so alles auf CD erschienen ist. Gibt es etwas, was man ohne weiteres auch heute noch empfehlen kann, was sozusagen zum Standard gehört?

Oh ja. Zum Beispiel Richard Strauss und die "Vier letzten Lieder" und die "Sechs Orchesterlieder". Bei dem Label Philips erschien 2002 eine CD mit dem Gewandhausorchester Leipzig, unter Kurt Masur (aufgenommen wurde das Ganze als Platte schon in den achtziger Jahren). Gesungen werden die Lieder von Jessye Norman.

Was für eine Frau, was für eine Stimme, was für eine gute deutsche Aussprache. Aber auch der Orchesterpart ist unglaublich subtil, durchdringend und wundersam, eben Kurt Masur, ein Kenner der Strauss-Literatur.

Die "Vier letzten Lieder" sind nach Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff entstanden und von Strauss in der Schweiz zu Papier gebracht worden. Der Titel selbst stammt nicht vom Komponisten. Darüber hinaus dokumentieren diese Lieder vielmehr eine kontinuierliche Auseinandersetzung von Strauss mit den Themen "Tod" und "Abschied", womöglich auch vor dem Hintergrund des vergangenen Krieges und in Vergegenwärtigung des eigenen bevorstehenden Todes.

 

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Sun, 27 Jun 2010 08:04:00 -0700 Diana Damrau: das Wunder http://nonobach.posterous.com/diana-damrau-das-wunder http://nonobach.posterous.com/diana-damrau-das-wunder

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Wie lange hat Deutschland nach einer würdigen Nachfolgerin von Edita Gruberova gesucht, wie lange nach einer Mozartinterpretin, wie lange nach einer Verdiinterpretin? Sänger, welche mehrere Stile verschiedener Epochen vereinen, sind rar. Karajan nannte sie "Jahrhundertstimmen". Dass Netrebko nicht dazu gehört, darauf ist in anderen blogs schon mehrmals hingewiesen worden.

Um weiterhin den Anti-Netrebko-Kurs zu halten, und um sich nicht einfach vom Medienrummel um eine Russin fertig machen zu lassen, sollte man standhaft sein und Vergleiche suchen, andere Sängerinne, aus anderen Ländern. Nur scheut das Gros der Bevölkerung diese Vergleiche. Doch es lohnt sich.

Diana Damrau ist eine Ausnahmeerscheinung besonderen Ranges. Auch sie sang am 26.Juni 2010 bei der Abschiedsgala des Wiener Staatsoperndirektors Holender. Sie interpretierte die Hauptpartie von Bellinis "Sonnambula", mit dem Effekt, dass man im wahrsten Sinne des Wortes an den Stuhl gedrückt wurde. Wucht und Filigranes vereinten sich, Koloraturen wurden wohl und sanft ausgewählt.

Wer sich Damrau nicht entgehen lassen will, der schaue sich die Sopranistin im Oktober 2010 im Theater an der Wien an. Dort singt sie die berühmt berüchtigte Partie der Zerbinetta (Richard Strauss, "Ariadne auf Naxos").

 

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Fri, 25 Jun 2010 04:19:00 -0700 Renée Fleming an der Wiener Staatsoper http://nonobach.posterous.com/renee-fleming-in-der-wiener-staatsoper http://nonobach.posterous.com/renee-fleming-in-der-wiener-staatsoper

Fleming

"Nichts ist mehr, wie es war", schrieb einst das Wiener  Blatt „Die Presse". "'Capriccio' von Richard Strauss galt einst als schwer zu verkaufen. Auch luxuriös besetzte Aufführungen des delikat-hintergründigen Spätwerks gingen vor keineswegs vollem Haus über die Bühne. Heute heißt es: 'Ausverkauft.'"

In der Tat. Und in der Damenhauptpartie des Stückes, welches die Entstehung einer Oper schildert, war jetzt erst im Juni nochmals Renée Fleming im Haus am Ring zu erleben.
 
Spitzenklasse! Dass sie Richard Strauss liebt, es jener Komponist ist, der es ihr angetan hat, dass hört man. Stehende Ovationen waren ihr schon sicher, als sie für diese Oper in der Vorschau 2009/2010 der Wiener Staatsoper angekündigt worden war.

1993 debütierte sie zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper in "Le Nozze di Figaro" als Gräfin. In der aktuellen Saison kehrte sie nun - auch als Gräfin - mit "Capriccio" zurück.

Will man die Sängerin gleich wieder in einer Oper bewundern, so lohnt es sich im Juli nach Zürich zu reisen, denn dort singt sie die Titelpartie in "La Traviata".

Fleming ist aber nicht nur ein Star-Sopran im klassischen Fach, nein, sie ist weit aus flexibler.

Just brachte sie ein neues Album heraus (erschienen bei Universal Music). "Dark Hope" heisst die CD und man höre und staune: Fleming outet sich als "formidable Popsängerin" mit Indie-Rock-Musik (Wiener Zeitung).

 
Alles wunderbar, weiter so!
 

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