Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Sun, 13 Mar 2011 05:18:00 -0700 Triumph der Münchner mit Ravel http://nonobach.posterous.com/triumph-der-munchner-mit-ravel http://nonobach.posterous.com/triumph-der-munchner-mit-ravel

Celibidache2

 

Der größte Reiz und die allergrößte Schwierigkeit ist beim "Boléro" der leise Anfang des Stückes - so sind sich alle Schlagzeuger einig. Vier Takte lang dauert das Solo der Kleinen Trommel - vier Takte pianissimo, bis die Flöte mit der Melodie einsetzt. Erst wenn nach und nach das Orchester hinzukommt und die Lautstärke zunimmt, legt sich beim Schlagzeuger die Aufregung.

Im Grunde genommen sind es nur zwei verschiedene Takte, die die Kleine Trommel im Bolero zu spielen hat. Zwei Takte, die dann immerfort wiederholt werden. Dieses Endlos-Ostinato will mal durchgehalten werden. Da gilt es nicht durcheinander zu kommen. Beim ursprünglichen Bolero, dem spanischen Tanz, wird der Rhythmus von Kastagnetten erzeugt. Bei Ravel übernimmt die Kleine Trommel diese Funktion. Sie bildet den Klangteppich, auf dem sich die Melodie ausbreitet.

Und kein geringerer als Maestro Sergiu Celibidache dirigiert hier. Der vielen als schwerer Greis mit dem markanten Schädel in Erinnerung bleibende war wirklich noch ein "Maestro", wahrscheinlich der letzte. Er konnte wie Wotan wüten und als furchtbarer Kunstrichter ein ganzes Orchester zur Weißglut bringen. Die Münchner Philharmoniker, obwohl sie ihn liebten, wissen davon ein Lied zu singen.Doch das Ergebnis? Fantastisch. Unerreichbar.

Spitzenklasse!

Maurice Ravel, Boléro
Dirigent: Sergiu Celibidache

Münchner Philharmoniker

Erschienen bei: IdealAud, 1994  

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Thu, 05 Aug 2010 10:10:00 -0700 Diskussionsthema "München sagt ja zu Lorin Maazel" http://nonobach.posterous.com/diskussionsthema-munchen-sagt-ja-zu-lorin-maa http://nonobach.posterous.com/diskussionsthema-munchen-sagt-ja-zu-lorin-maa

20080924-lorin

Aus der "Süddeutschen Zeitung" war einst ziemlich böse über den Dirigenten Lorin Maazel folgendes zu vernehmen:

Im vergangenen Jahr war er einmal in München. Damals, im März, dirigierte Lorin Maazel keines der Münchner Orchester, sondern brachte das Orquesta de la Comunitat Valenciana mit, das in Valencia unter der Leitung von Maazel und Zubin Mehta den Traum eines anspruchsvoll geführten Opernhauses Realität werden lässt. Bei diesem Konzert konnte man zum einen erleben, dass Maazel seinen Ruf als großer Orchestererzieher nicht zu Unrecht genießt - das erst 2006 gegründete spanische Orchester klang erstaunlich homogen und souverän schön.

Zum anderen konnte man die zwei Seiten des Künstlers Maazel quasi in verdichteter Form erleben: Vor der Pause Tschaikowsky und Mussorgski, seziert bis zum Überdruss, analysiert, nicht musiziert. Nach der Pause: Ravels "La Valse" als delirierenden Totentanz, beklemmend und bizarr, unfassbar großartig.

Es folgte Zugabe auf Zugabe, Maazel lächelte und winkte ins weite Auditorium der Philharmonie - nur dort saß fast niemand. Dort herrschte eine Leere, die wohl umfassend gewesen wäre, hätten nicht ein paar Exilspanier "ihr" Orchester hören wollen. Maazel, der geliebte Pultstar, ein Publikumsmagnet? Nun ja.

Nun folgt Maazel also, vom Stadtrat einstimmig mit 81 Stimmen gewählt, Christian Thielemann in der Leitung der Münchner Philharmoniker nach. Vorgänger und das Orchester sind gerade auf Japan-Tournee, und Thielemann lässt von dort verlauten: ,,Ich bin entzückt. Ich freue mich, dass sich das Orchester freut. Wichtig ist, dass das Orchester eine Perspektive hat, ich hatte mit Dresden ja schon vorher eine.'' Orchestervorstand Stephan Haak ist nicht minder erleichtert: ,,Wir sind glücklich, dass es so schnell gegangen ist.'' Von den Vertragsbedingungen weiß übrigens niemand von den in Japan Weilenden etwas.

Viel Freude also, und trotzdem kann man nur hoffen, dass in Zukunft ein paar Münchner mehr Maazels Konzerte besuchen. Vielleicht ist es ungerecht, den lokalen Marktwert des Dirigenten an einem Gastspiel mit einem hier unbekannten Orchester zu bewerten.

Doch trauerten ihm wirklich alle Münchner Musikliebhaber nach, seit er 2002 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verließ, vorgeblich, um sich dem Komponieren zu widmen, in Wahrheit aber, um das New York Philharmonic Orchestra zu übernehmen?

In den zehn Jahren, in denen er das BR-Orchester leitete, galt eine Regel: Von zehn Konzerten sind acht eisige Routine, zwei unfassbar großartig. In Interviews konnte Maazel wunderbar von der Demut des Musikers gegenüber den großen Werken sprechen, in der Praxis waren die meisten Werke anscheinend nicht groß genug für ihn.

Auf der anderen Seite schuf das ewige Wunderkind, dieser unglaublich begabte Musiker, grandiose Zyklen - mit Mahler verabschiedete er sich aus München, natürlich mit allen Symphonien, und Joachim Kaiser schrieb damals: ,,Das Münchner Gasteig-Publikum aber, von solchen Eindrücken beseligt und betäubt, dürfte gefühlt haben, was München verliert, wenn Maazel geht.'' Irgendwie denkt man da an ähnliche Sätze, die im vergangenen Jahr geschrieben wurden - über Thielemann.

Also: Unbestritten ist, dass Lorin Maazel den Münchnern einige großartige Musikerlebnisse bescherte. Unbestritten ist auch, dass diese sehr teuer waren. Im November 2000 rügte der Oberste Rechnungshof den Bayerischen Rundfunk, weil sich "das Honorar des Chefdirigenten in fünf Jahren von einem an der Grenze des Vertretbaren liegenden Stand um über 50 Prozent je Konzert" erhöht habe.

Maazel gilt als der teuerste Dirigent der Branche. Entweder hat die Stadt München ungeahnte Geldquellen entdeckt oder Maazel macht's billiger oder er dirigiert einfach nicht viel. Bei Dienstantritt ist Maazel 80. Das ist kein Neuanfang, das ist in Bronze gegossenes Denkmaldenken. Oberbürgermeister Christian Ude mag darin sein Bedürfnis nach Repräsentation befriedigt sehen, künstlerisch ist dabei keine Zukunft auszumachen.

Bruckner in Maazels Hand

Anton Bruckner, Sinfonien Nr. 0 bis 9
Dirigent: Lorin Maazel
Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Erschienen bei: BRKlassik, 1999

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