Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Thu, 05 Aug 2010 10:10:00 -0700 Diskussionsthema "München sagt ja zu Lorin Maazel" http://nonobach.posterous.com/diskussionsthema-munchen-sagt-ja-zu-lorin-maa http://nonobach.posterous.com/diskussionsthema-munchen-sagt-ja-zu-lorin-maa

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Aus der "Süddeutschen Zeitung" war einst ziemlich böse über den Dirigenten Lorin Maazel folgendes zu vernehmen:

Im vergangenen Jahr war er einmal in München. Damals, im März, dirigierte Lorin Maazel keines der Münchner Orchester, sondern brachte das Orquesta de la Comunitat Valenciana mit, das in Valencia unter der Leitung von Maazel und Zubin Mehta den Traum eines anspruchsvoll geführten Opernhauses Realität werden lässt. Bei diesem Konzert konnte man zum einen erleben, dass Maazel seinen Ruf als großer Orchestererzieher nicht zu Unrecht genießt - das erst 2006 gegründete spanische Orchester klang erstaunlich homogen und souverän schön.

Zum anderen konnte man die zwei Seiten des Künstlers Maazel quasi in verdichteter Form erleben: Vor der Pause Tschaikowsky und Mussorgski, seziert bis zum Überdruss, analysiert, nicht musiziert. Nach der Pause: Ravels "La Valse" als delirierenden Totentanz, beklemmend und bizarr, unfassbar großartig.

Es folgte Zugabe auf Zugabe, Maazel lächelte und winkte ins weite Auditorium der Philharmonie - nur dort saß fast niemand. Dort herrschte eine Leere, die wohl umfassend gewesen wäre, hätten nicht ein paar Exilspanier "ihr" Orchester hören wollen. Maazel, der geliebte Pultstar, ein Publikumsmagnet? Nun ja.

Nun folgt Maazel also, vom Stadtrat einstimmig mit 81 Stimmen gewählt, Christian Thielemann in der Leitung der Münchner Philharmoniker nach. Vorgänger und das Orchester sind gerade auf Japan-Tournee, und Thielemann lässt von dort verlauten: ,,Ich bin entzückt. Ich freue mich, dass sich das Orchester freut. Wichtig ist, dass das Orchester eine Perspektive hat, ich hatte mit Dresden ja schon vorher eine.'' Orchestervorstand Stephan Haak ist nicht minder erleichtert: ,,Wir sind glücklich, dass es so schnell gegangen ist.'' Von den Vertragsbedingungen weiß übrigens niemand von den in Japan Weilenden etwas.

Viel Freude also, und trotzdem kann man nur hoffen, dass in Zukunft ein paar Münchner mehr Maazels Konzerte besuchen. Vielleicht ist es ungerecht, den lokalen Marktwert des Dirigenten an einem Gastspiel mit einem hier unbekannten Orchester zu bewerten.

Doch trauerten ihm wirklich alle Münchner Musikliebhaber nach, seit er 2002 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verließ, vorgeblich, um sich dem Komponieren zu widmen, in Wahrheit aber, um das New York Philharmonic Orchestra zu übernehmen?

In den zehn Jahren, in denen er das BR-Orchester leitete, galt eine Regel: Von zehn Konzerten sind acht eisige Routine, zwei unfassbar großartig. In Interviews konnte Maazel wunderbar von der Demut des Musikers gegenüber den großen Werken sprechen, in der Praxis waren die meisten Werke anscheinend nicht groß genug für ihn.

Auf der anderen Seite schuf das ewige Wunderkind, dieser unglaublich begabte Musiker, grandiose Zyklen - mit Mahler verabschiedete er sich aus München, natürlich mit allen Symphonien, und Joachim Kaiser schrieb damals: ,,Das Münchner Gasteig-Publikum aber, von solchen Eindrücken beseligt und betäubt, dürfte gefühlt haben, was München verliert, wenn Maazel geht.'' Irgendwie denkt man da an ähnliche Sätze, die im vergangenen Jahr geschrieben wurden - über Thielemann.

Also: Unbestritten ist, dass Lorin Maazel den Münchnern einige großartige Musikerlebnisse bescherte. Unbestritten ist auch, dass diese sehr teuer waren. Im November 2000 rügte der Oberste Rechnungshof den Bayerischen Rundfunk, weil sich "das Honorar des Chefdirigenten in fünf Jahren von einem an der Grenze des Vertretbaren liegenden Stand um über 50 Prozent je Konzert" erhöht habe.

Maazel gilt als der teuerste Dirigent der Branche. Entweder hat die Stadt München ungeahnte Geldquellen entdeckt oder Maazel macht's billiger oder er dirigiert einfach nicht viel. Bei Dienstantritt ist Maazel 80. Das ist kein Neuanfang, das ist in Bronze gegossenes Denkmaldenken. Oberbürgermeister Christian Ude mag darin sein Bedürfnis nach Repräsentation befriedigt sehen, künstlerisch ist dabei keine Zukunft auszumachen.

Bruckner in Maazels Hand

Anton Bruckner, Sinfonien Nr. 0 bis 9
Dirigent: Lorin Maazel
Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Erschienen bei: BRKlassik, 1999

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Thu, 05 Aug 2010 09:49:00 -0700 Beste "Don Giovanni" Gesamteinspielung! http://nonobach.posterous.com/beste-don-giovanni-gesamteinspielung http://nonobach.posterous.com/beste-don-giovanni-gesamteinspielung

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Am 9. August 2010 ist es soweit - Salzburg und seine Festspiele bekommen einen neuen "Don Giovanni". Claus Guth ist für die Regie zuständig, und die Spannung steigt, insbesondere weil das Kulturpublikum noch die "Lohengrin"-Lesart in Erinnerung hat, die Guth an der Wiener Staatsoper diesen Sommer sehr schlechte Karten bescherte.

Was die Interpreten in Salzburg betrifft, wird es bestimmt im Großen und Ganzen eine solide Sache sein. Aber übertreffen wird es die Gesamteinspielung von Lorin Maazel nicht, welche 1979 entstanden ist und inzwischen bei Sony auf CD erhältlich ist.

Gut, Cesare Siepi ist leider nicht als "Don Giovanni" vertreten, aber dennoch: es gibt nichts besseres als diese Interpretation.

Für alle Nicht-Insider zu Beginn die Besetzung: Lorin Maazel steht am Pult, im Graben ist das Orchester der Pariser Oper.

Edda Moser singt Donna Anna. Zur Person: Moser studierte Gesang am Berliner Konservatorium bei Hermann Weissenborn und Gerty König. Von 1962 bis 1963 war sie am Würzburger Stadttheater engagiert, danach in Hagen und Bielefeld. 1968 sang sie in Salzburg unter Herbert von Karajan die Wellgunde in Wagners Der Ring des Nibelungen. Bevor sie zur Wiener Staatsoper wechselte, gehörte sie 1968 bis 1971 zum Ensemble der Oper Frankfurt. Herbert von Karajan brachte sie an die Metropolitan Opera New York, wo sie einen spektakulären Einstand als Königin der Nacht feierte. Ihr Debüt war in Wagners Rheingold. An der MET sang sie danach unter anderem in Neuproduktionen von Die Entführung aus dem Serail, Händels Rinaldo und als Donna Anna in Don Giovanni. Noch 1995 debütierte Edda Moser als Küsterin in Janáčeks Oper Jenůfa an der Bonner Oper.

Ruggero Raimondi singt Don Giovanni. Zur Person: Raimondi studierte in Mailand und Rom und debütierte 1964 in Spoleto als Colline in La Bohème. 1968 debütierte er an der Mailänder Scala und 1970 an der Metropolitan Opera. Raimondi, der als Nachfolger Cesare Siepis gilt, wird seit 30 Jahren international als einer der größten seines Fachs angesehen, insbesondere als Interpret von Werken Wolfgang Amadeus Mozarts und Giuseppe Verdis. Durch seine zahlreichen Auftritte in Opernverfilmungen (als Don Giovanni unter der Regie Joseph Loseys, als Escamillo (Carmen) unter Francesco Rosi, als Boris Godunow unter Andrzej Żuławski, als Scarpia (Tosca) unter Benoît Jacquot...) wurde er auch einem breiteren Publikum bekannt.

Kiri Te Kanawa (siehe Bild) singt Donna Elvira. Zur Person: Kiri Te Kanawa ist eine Neuseeländerin mit irischer Mutter und Māori-Vater, die als Adoptivkind in der Familie Te Kanawa aufwuchs, in der der Vater ebenfalls Māori und die Mutter ebenfalls irischer Abstammung war. Bei ihrer Schwester erhielt Kiri Te Kanawa ersten Gesangsunterricht in Auckland. Einige Jahre später gewann sie im australischen Melbourne einen Gesangswettbewerb und konnte daraufhin zum Gesangsstudium nach London reisen. Ihre erste kleinere Rolle erhielt sie in London in der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart. 1969 sang sie ihren ersten Hauptrollenpart: die Elena in Gioachino Rossinis La donna del lago. Ihr Debüt am Royal Opera House in Covent Garden gab sie 1970 als Xenia in Boris Godunow. Im Laufe der nächsten Jahre sang sie an allen großen Opernbühnen der Welt. Ihr Metropolitan-Opera-Debüt kam 1974 durch die Erkrankung der Sängerin Teresa Stratas zustande. Innerhalb von nur wenigen Stunden musste sie sich auf die Rolle der Desdemona in Giuseppe Verdis Otello vorbereiten. Auch als Liedinterpretin machte sich Te Kanawa einen Namen. Zu ihrem Konzertrepertoire gehören Lieder von Henry Purcell genauso wie von Richard Strauss oder Franz Liszt. Auf der Hochzeit von Prinz Charles und Prinzessin Diana sang sie 1981 in der Saint Paul’s Cathedral in London. 1984 wurde sie auch einem breiteren Publikum über die Grenzen der Oper hinweg bekannt, als Leonard Bernstein sie für die Rolle der Maria bei seiner einzigen Studioeinspielung der West Side Story besetzte. Jose Carreras sang die Rolle des Tony an ihrer Seite. Bernstein besetzte das Orchester mit Jazzmusikern und wählte die - seiner Meinung nach - besten Stimmen für die Rollen des Musicals aus. Über die Schallplattenaufnahme entstand ein sehenswerter Dokumentarfilm.

Brilliant - alles. Te Kanawa und Raimondi sind die tops dieser Einspielung, ebenso die Interpretation von Lorin Maazel. Will man sich mit Don Giovanni beschäftigten, oder vor der kommenden Salzburger Premiere eine sehr gute Aufnahme hören, so kaufe man sich diese CD. Ein "must"!

Besser geht es nicht

Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni
Dirigent: Lorin Maazel, Solisten:
Ruggero Raimondi, Teresa Berganza, Kiri te Kanawa, Edda Moser, Jose van Dam

Orchestre de l'Opéra National de Paris, Choeur de l'Opéra National de Paris
Erschienen bei: Sony Music, 1979

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