Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Sat, 17 Jul 2010 09:23:00 -0700 Julia Fischer und die Schubert-Fantasien http://nonobach.posterous.com/julia-fischer-und-die-schubert-fantasien http://nonobach.posterous.com/julia-fischer-und-die-schubert-fantasien

Julia Fischer zeigt in Ihrer juengst erschienenen Einspielung der Schubert Fantasien Ihre Doppelbegabung. Die Aufnahme ist bei Pentatone erschienen. In der Violinfantasie spielt sie den angestammten Violinpart, in der Fantasie zu 4 Haenden uebernimmt Sie neben Martin Helmchen den zweiten Klavierpart. Das schoene daran: dass diese beiden vollkommenen Spaetwerke nebeneinander zu hoeren sind, denn sie sind stark miteinander verwandt. Neben dem unglaublichen Einfallsreichtum bestechen beide Werke vor allem durch den Zauber der Einleitungsmelodien. Schubert entrueckt uns schlagartig in eine eigene Welt voller Melancholie, Schoenheit und Traurigkeit. Wenn die Melodien wiederkommen viel spaeter im Stueck, dann haben sie uns veraendert, wir nehmen Sie noch staerker wahr, erschuettert. Es ist eine aehnliche Wirkung wie bei Wagners Leitmotiven im Ring. Die Violinfantasie in Fischers Haenden kann es mit den Busch-Bruedern aufnehmen, die dynamische und sehr spontane Klavierfantasie von Britten und Richter gefaellt mir persoenlich besser. Fischer/Helmchen legen loeblicherweise viel Wert auf Transparenz, in Summe wirkt aber alles ein wenig akademisch. Und die Zaubermelodie ist etwas zu zart, zu langsam geraten. Dennoch ein Muss fuer den Schubert Verehrer.

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Fri, 16 Jul 2010 11:14:00 -0700 Julia Fischer: Bach und die Sinnlichkeit http://nonobach.posterous.com/julia-fischer-bach-und-die-sinnlichkeit-0 http://nonobach.posterous.com/julia-fischer-bach-und-die-sinnlichkeit-0

Julia-fischer-sol-gabetta-gram

Als Julia Fischer im April diesen Jahres den Mozartsaal des Konzerthauses in Wien betrat schien Sie durch Koerperhaltung, Gesichtsausdruck, und Kleidung dem Publikum klar machen zu wollen, dass Sie Zeugen eines ganz ausserordentlichen, ja heiligen Aktes werden wuerden. Immerhin gab es die Solosonaten und Toccaten von Bach an 2 Abenden. Es war ein Gluecksfall, nicht nur wegen der Interpretin selbst, sondern auch wegen der Gelegenheit, Sie so hautnah erleben zu koennen in dem der Solo- und Kammermusik vorbehaltenen Saal. Das Konzert wurde 2 Jahre zuvor fixiert und es ist zu vermuten, dass Julia Fischer schon heute den Grossen Saal fuellen koennte und in Zukunft auch wird.

Bachs Solostuecke stellen nicht nur eine technische Herausfoerderung dar, sie exponieren den Solist, der alleine und frontal dem Publikum gegenuebersteht und ueber 90 Minuten voll konzentriert bleiben muss. Nach jedem Satz blickt Julia Fischer fast bedrohlich Richtung Publikum, gewaehrt ihm eine kleine Pause bevor es wieder weitergeht. Dabei schwingt sie den Bogen fast wie einen Revolver: "lenkt mich ja nicht ab" scheint sie sagen zu wollen. Dazu kommt, dass Julia Fischer eine sehr attraktive Erscheinung ist, eine weitere potentielle Ablenkung vom eigentlichen Meister des Abends. Diese Ablenkung will sie nicht hinnehmen, Ihre Kleidung ist festlich und geschmackvoll, aber wenig koerperbetont. Dies geraet Ihr zur Ehre, gerade angesichts der heute unertraeglichen Erotomanie auch in der Klassik-Welt. Allerdings schmaelert das in keinster Weise das sinnliche Ereignis des Fischerschen Bachs, ganz im Gegenteil. Weniger ist mehr, einmal mehr. Die ausgezeichnete Gesamteinspielung gibt es uebrigens bei Pentatone.

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Wed, 14 Jul 2010 02:02:00 -0700 Bach und die Sinnlichkeit II http://nonobach.posterous.com/bach-und-die-sinnlichkeit-ii http://nonobach.posterous.com/bach-und-die-sinnlichkeit-ii

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A propos Julia Fischer, Bach und die Sinnlichkeit: Schon einmal etwas von der Pianistin Joanna MacGregor gehört?

In ihrer Heimat Großbritannien ist die Pianistin als Leiterin von Festivals keine Unbekannte mehr und gab im Jahr 2001 darüberhinaus ihr Debut als Dirigentin. Als Künstlerin versteht Joanna MacGregor sich selbst vorwiegend in der Position einer Vermittlerin zwischen Musikern und Komponisten einerseits und dem Publikum andererseits. Dementsprechend wenig Anlass sieht sie derzeit dafür, selbst zu komponieren, zieht aber durchaus in Erwägung, dies in Zukunft zu ändern und dem eigenen Schaffen in dieser Hinsicht mehr Raum einräumen.

Derweil aber erobert sie die Welt durch ständiges Konzertreisen, ist eine Ruhelose, die viele Hotels von innen kennt, aber nur selten Gelegenheit hat, längere Zeit daheim zu verbringen.

Im März 2010 ist bei Warner Classics eine CD mit ihr erschienen, die wohl "Sinnlichkeit" auch als Überschrift haben könnte. MacGregor interpretiert Johann Sebastian Bachs "Goldberg Variationen". Sehr beeindruckend, wie leicht alles klingt (im Gegensatz dazu, wenn man sich das Notenbild ansieht, welches - typisch Bach - sehr mathematisch undurchschaubar aussieht).

Ja, Frauen können es mit Bach sehr gut.

Brava!

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