Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Sun, 27 Mar 2011 02:08:00 -0700 Sehr passable Haydn-Variationen-Interpretation http://nonobach.posterous.com/sehr-passable-haydn-variationen-interpretatio http://nonobach.posterous.com/sehr-passable-haydn-variationen-interpretatio

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Bevor Brahms - es ist seine erste Saison als "artistischer Direktor" der Konzerte der Wiener Philharmoniker - mit der Ausarbeitung seiner ersten Symphonie in c-Moll beginnt, will er sich noch an einem kleineren Orchesterwerk erproben und Orchesterstudien betreiben. In der ersten Hälfe des Jahres 1873 schreibt er die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn. Es ist sein opus 56a. Im selben Jahr erstellt er auch die Fassung für zwei Klaviere (opus 56b).

Acht Mal variiert Johannes Brahms das Thema, an das Ende setzt er eine Passacaglia, die alte Variationsform der Barockzeit (im Finale der Vierten Sinfonie wird er dieses kontrapunktische Verfahren noch einmal, noch großartiger anwenden). Die Komposition selbst ist subtil gebaut und mit viel Raffinesse versehen was Harmonik, Kontrapunkt und Rhythmus betrifft. Jede Variation bekommt ihr ganz eigenes, unverwechselbares Gepräge. Die Schwierigkeit der Interpretation ist, genau zu wissen, wo sind die Höhepunkte, wo führen die Entwicklungen hin, wo findet Entspannung statt. Kleine Dinge hörbar machen, das ist wohl die Kunst bei Johannes Brahms. "Diese Haydn-Variationen haben für mich etwas Stilles, sie sind ein Werk, in das der Hörer hineinhorchen muss", sagt der mittlerweile 82jährige Grande der Dirigenten- und Musikwissenschaftszunft, Nikolaus Harnoncourt.

Robert Bachmann und sein Royal Philharmonic Orchestra strengen sich an. Auch wenn nicht immer alles ausgewogen ist, gehört diese Interpretation zu den Besten. Gerade Variation 6 und 7 gelingen aufgrund der sehr komplizierten Rhythmusstruktur so gut, wie hier.

Gelungen und gekonnt

Johannes Brahms, Haydn-Variationen op. 56a / Orchesterfassung
Dirigent: Robert Bachmann

Royal Philharmonic Orchestra

Erschienen bei: Antes, 1990

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Fri, 25 Jun 2010 10:40:00 -0700 Brahms und die Motette: Eine Rarität http://nonobach.posterous.com/brahms-und-die-motette-eine-raritat http://nonobach.posterous.com/brahms-und-die-motette-eine-raritat

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Die Motette wird primär der sakralen Musik zugeschrieben, aber erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Zuvor war die Motette ein Werk, welches mehrstimmig ist, weltlich auch verwendet wurde und besonders dadurch gekennzeichnet war, dass ein bestimmter Rhythmus in der Unterstimme bzw. in den Unterstimmen immer wiederkehrte.

Aufgrund der Tatsache, dass über das 16., 17. und 18. Jahrhundert die Motette dem geistlichen Musikgenre zugeordnet war, gibt es wenige "weltliche" Komponisten, die sich für diese Musikgattung interessiert haben. Erst mit dem Beginn der Romantik, als die Motette frei weltlich oder geistlich komponiert wurde, und nicht mehr der Geistlichkeit vorbehalten war, weckte sie bei zahlreichen Komponisten wieder Interesse in Arbeit genommen zu werden.

So auch bei Johannes Brahms. Er entdeckte wie Bruckner und Mendelssohn die Motette für sich und vertonte unter den Opuszahlen 29, 74 und 110 insgesamt sieben Motetten.

Eine fantastische Aufnahme dieser Werke ist schon vor einigen Jahren beim englischen Label Hyperion erschienen und verdient es wirklich, wieder entdeckt zu werden. Die Interpreten - die Corydon Singers und Dirigent Matthew Best - gehen der Brahms'schen Komposition bis in kleinste Detail nach. Es klingt nicht nach schwerer romantischer Musik. Es klingt auch nicht nach neuen stimmlichen An- und Herausforderungen, wie sie schon Beethoven als Vorreiter der Romantik in seiner 9. Sinfonie anbringt. Nein: Alles ist schlicht und in dieser Schlichtheit liegt eine unglaublich schöne und reine Mystik.

Eine wunderbare Neurscheinung bei Hyperion sind sämtliche Lieder von Johannes Brahms, gesungen von Angelika Kirchschlager.

 

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