Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Mon, 09 Aug 2010 12:53:00 -0700 Presse von "Elektra" in Salzburg begeistert http://nonobach.posterous.com/presse-von-elektra-in-salzburg-begeistert http://nonobach.posterous.com/presse-von-elektra-in-salzburg-begeistert

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Der "Kurier" schreibt zu letzten Neuproduktion der Salzburger Festspiele:

Es ist absurd, dass die Werke von Richard Strauss, immerhin einer der Gründerväter der Festspiele, zuletzt eine derart untergeordnete Rolle in Salzburg spielten. Vom Intendanten Gérard Mortier ist noch die eine oder andere faszinierende Produktion (etwa "Ariadne auf Naxos") in Erinnerung.

Sein Nachfolger Peter Ruzicka wollte Strauss zentral im Programm etablieren - leider ist der für die Dirigate vorgesehene Giuseppe Sinopoli noch vor Amtsantritt gestorben. Dennoch schaffte Ruzicka gerade mit weniger bekannten Strauss-Opern schöne Erfolge. Unter ihm fand auch die bisher letzte Strauss-Premiere statt: "Rosenkavalier" im Jahr 2004.

Sechs Jahre lang gab es keine Neuproduktion einer Strauss-Oper - für Salzburg ein schändlicher Zustand. Erst im letzten Jahr seiner Intendanz setzte Jürgen Flimm "Elektra" im Großen Festspielhaus an. Die für 2011 geplante "Frau ohne Schatten" mit Christian Thielemann am Pult wird der interimistische Chef Markus Hinterhäuser abwickeln. Wie perfekt Strauss zu Salzburg passt, bekam man bei "Elektra" wieder bestätigt. Solche Werke gehören ins Große Festspielhaus und nicht Händel-Oratorien oder Gluck-Opern.

Daniele Gatti dirigierte die Wiener Philharmoniker beeindruckend. Seine "Elektra" ist farbenprächtig, kontrastreich, höchst dynamisch, manchmal eine Spur zu voluminös, aber stets ausbalanciert, differenziert, den damaligen Drang des Komponisten hin zur Moderne ideal umsetzend. Das radikalste Werk von Strauss darf auch so radikal klingen.

Dass es am Ende einige Buhs für Gatti gab, mag daran liegen, dass die Sänger manchmal vom riesigen Orchester überlagert wurden - wenn das bei einer Aufführung passiert, muss es aber nicht immer zwingend an den Musikern oder am Dirigenten liegen. Mit seiner "Lulu" bei den Wiener Festwochen und nun mit "Elektra" in Salzburg ist Gatti zweifellos einer der prägenden Dirigenten dieses Jahres.

Irene Theorin stellte sich in Salzburg mit der Titelpartie der Elektra vor: Die Schwedin ist eine hochdramatische Sopranistin, die nur gut hörbar ist, wenn sie forciert. Dabei kippt sie oft ins Schrille und neigt zum starken Tremolo. Immerhin hält sie tapfer durch.

Eva-Maria Westbroek ist eine fabelhafte Chrysothemis und könnte möglicherweise schon bald die bessere Elektra sein als Theorin. Waltraud Meier (siehe Bild) begeisterte bei ihrem Bühnendebüt als Klytämnestra mit großer Präsenz und einem Mezzo, der selbst bei dieser anspruchsvollen Partie stets elegant bleibt. Rene Pape ist ein grandioser Orest, Robert Gambill ein etwas unterbelichteter Aegisth.

Das klare, einfache Bühnenbild von Raimund Bauer erinnert an ein aus dem Lot geratenes Frauengefängnis oder an einen Rohbau im palästinensischen Siedlungsgebiet, mit vielen Löchern und Gruften, aus denen die verschleierten Mägde schauen. Regisseur Nikolaus Lehnhoff vertraut dem Werk und den Protagonisten, hat präzise gearbeitet und nichts mit einer Interpretation verjuxt. Wo das Ohr so viel zu tun hat, kann das Auge ruhen.

Das Werk "Elektra" (Libretto: Hugo von Hofmannsthal) wurde 1909 uraufgeführt. Die Strauss-Oper erzählt, wie sich Elektra und ihr Bruder Orest an ihrer Mutter Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth rächen, weil diese einst ihren Vater Agamemnon töteten. Die Aufführung Toll musiziert, gut gesungen, die beste Opern-Neuproduktion 2010.

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