Nonobach http://nonobach.posterous.com Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr posterous.com Mon, 30 May 2011 01:33:00 -0700 Bruckners Vierte: Einarbeiten ist alles! http://nonobach.posterous.com/4-sinfonie-bruckners-einarbeiten-ist-alles http://nonobach.posterous.com/4-sinfonie-bruckners-einarbeiten-ist-alles

Linz

Die Satzbezeichnungen Anton Bruckners seiner 4. Sinfonie sind typisch romantisch, da nicht sicher, nicht festgelegt, aber doch mit Maßstab versehen. So heißt es einmal "Bewegt, nicht zu schnell", "Andante quasi Allegretto", oder "Scherzo: Bewegt" und "Finale: Bewegt, doch nicht zu schnell".

Bruckner befand sich parallel zur Entstehungszeit dieser Sinfonie in einer Krise, welche in erster Linie finanziell begründet war. Seine Klavierlehrerstelle an der Wiener Lehrerbildungsanstalt Sankt Anna musste er an Rudolf Weinwurm abtreten, und verzweifelte Versuche, eine feste Stelle als Theorielehrer an der Universität zu bekommen, scheiterten nicht zuletzt daran, dass einer seiner schärfsten Kritiker, namentlich Eduard Hanslick, in genau jenem Gremium saß, welches über die Vergabe dieser Stelle zu entscheiden hatte.

Umso erstaunlicher, daß Bruckner gerade in dieser schwierigen Zeit eine solch "kraftvolle" Musik zustande brachte. Die Sinfonie ist neben seiner 7. Sinfonie die beim Publikum beliebteste und bekannteste. Wie meistens, so hat Bruckner auch dieses Werk mehrmals überarbeitet. Die erste Fassung entstand 1874. Die zweite Fassung von 1878 enthält ein völlig neu komponiertes Scherzo. In den Jahren 1879/80 überarbeitete Bruckner noch einmal das Finale. Die sehr erfolgreiche Uraufführung fand schliesslich am 20. Februar 1881 in Wien mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter statt.

Man muss sich Zeit nehmen, für Bruckner, für sein Werk. Es ist ähnlich wie mit Richard Wagners oder Richard Strauss Bühnenwerken - derartige Musik kann nicht während einem Dinner abgespielt werden. Nimmt man sich die Zeit, dann lohnt es sich, denn viel Neues steckt in Bruckners Sinfonik. Er verarbeitet anders als Johannes Brahms Themen, führt Themen auch anders ein und durch. Christoph Eschenbach ist ein Connaisseur der Romantik und liefert mit dem Orchestre de Paris eine wunderbare Einspielung von Bruckners 4. Sinfonie ab.

Romantik pur

Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 4 Es-Dur
Dirigent: Christophe Eschenbach

Orchestre de Paris

Erschienen bei: Ondine, 2003


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Mon, 16 May 2011 12:53:43 -0700 Sawallisch dirigiert die "Jahreszeiten" http://nonobach.posterous.com/sawallisch-dirigiert-die-jahreszeiten http://nonobach.posterous.com/sawallisch-dirigiert-die-jahreszeiten

Haydn_visitenkarte

Nach einem Konzert im Februar 1993 resümierte der Kritiker Franz Endler: „Ein Satz, den man wohl nach jedem Konzert mit Wolfgang Sawallisch schreiben wird: Auch das Wiener Musikleben hätte einen Künstler von seinen Qualitäten als ständige Institution sehr notwendig.“ Drei Jahrzehnte zuvor – von 1960 bis 1970 – war Sawallisch als erster Chefdirigent der Wiener Symphoniker im Übergang von der Nachkriegszeit in die Normalität eines institutionell abgesicherten lokalen und zunehmend auch internationalisierten Konzertwesens eine solche Wiener Institution gewesen. Mit ihm gastierte das Orchester 1964 erstmals (und mit viel Erfolg) in den USA, 1967 im Rahmen einer Weltreise auch in Japan.

Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Wolfgang Sawallisch liegt eine Einspielung der Haydnschen "Jahreszeiten" vor, welche ihresgleichen sucht. Von der Frische der Natur im Frühling bis zur Behäbigkeit des Winters wird autographengetreu musiziert, trotz einer gewissen Länge der Aufführungsdauer wirkt nichts langweilig, von Satz zu Satz entsteht Spannung.

Haydn ist die Arbeit an seinem Oratorium "Die Jahreszeiten" schwergefallen. In die lebensbejahende Lebensphilosophie des damals 68jährigen begann sich ein gewisser Pessimismus einzuschleichen. So sah er den Winter als ein Abbild seiner sich neigenden Lebenskurve an. Dazu kamen Unstimmigkeiten mit dem Textdichter Gottfried von Swieten. Haydn in einem Brief: "Ungeachtet dessen werde ich mit Hülfe der Vorsicht alle Kräfte anstemmen, und nach Vollendung dessen mich wegen Schwäche meiner Nerven zu Ruhe begeben."

Brave Manier und Ausgewogenheit

Jospeh Haydn, Die Jahreszeiten
Dirigent: Wolfgang Sawallisch, Solisten:
Ruth Ziesak, Robert Gambill, Alfred Muff

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Chor des Bayerischen Rundfunks
Erschienen bei: Profil, 1994

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Mon, 09 May 2011 04:56:00 -0700 Vivaldi: Zu oft gehört und daher unterschätzt http://nonobach.posterous.com/vivaldi-zu-oft-gehort-und-daher-unterschatzt http://nonobach.posterous.com/vivaldi-zu-oft-gehort-und-daher-unterschatzt

Foto-hotel-locanda-vivaldi-ven

Über die Eigenschaften der Jahreszeiten hat sich Antonio Vivaldi seine eigenen, musikalischen Gedanken gemacht und sie in vier Violinkonzerten zusammengefasst.

1725 veröffentlichte Vivaldi eine Sammlung aus zwölf Violinkonzerten, zusammengefasst unter der Opus-Zahl 8 zu der auch die Jahreszeiten gehören. Vivaldi schrieb seine "Jahreszeiten" nach Sonetten, die er wahrscheinlich selbst verfasst hat, Sonette, in denen sich der Komponist einen Reim machte auf haarkleine Details typischer Naturerscheinungen in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Vivaldi nutzte also Programmatik als Gestaltungsmittel für die vier Violinkonzerte aus dem op.8. Zur Barockzeit waren konkrete Inhalte eigentlich der Oper vorbehalten gewesen und im Konzert eine Neuheit. Süsses Gemurmel eines Bächleins hört man, Blitz und Donner, schlafende Hirten, surrende Fliegen, säuselnden Wind, fliehendes Wild – der Fantasie sind dank der Musik keine Grenzen gesetzt. Insbesondere im Sommer wechseln sich presto und adagio, piano und forte ohne Vorwarnung ab, wie im wirklichen Leben.

Das Hörverhalten wird mit dieser CD-Aufnahme der "Jahreszeiten" von Vivaldi deutlich geschärft und entmüllt. Auch wenn jeder den "Frühling" nachpfeifen kann: die Akademie für Alte Musik Berlin legt hier einen Meilenstein in der Aufführungspraxis. Atemberaubend, was aus einer Notenschrift herausgelesen werden kann.

Fanatisch, Fantastisch, Fulminant

Antonio Vivaldi, Die Vier Jahreszeiten
Leitung: Midori Seiler

Akademie für Alte Musik Berlin
Erschienen bei: Harmonia Mundi, 2008

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Mon, 02 May 2011 16:00:00 -0700 Furrer braucht noch Zeit http://nonobach.posterous.com/furrer-braucht-noch-zeit http://nonobach.posterous.com/furrer-braucht-noch-zeit

Furrersonne2

Beat Furrer wurde 1954 in Schaffhausen geboren und erhielt an der dortigen Musikschule seine erste Ausbildung (Klavier). Nach seiner Übersiedlung nach Wien im Jahr 1975 studierte er an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Dirigieren bei Otmar Suitner sowie Komposition bei Roman Haubenstock Ramati. Im Jahr 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb er seine erste Oper „Die Blinden“, „Narcissus“ wurde 1994 beim steirischen herbst an der Oper Graz uraufgeführt. 1996 war er „Composer in residence“ bei den Musikfestwochen Luzern. 2001 wurde das Musiktheater „BEGEHREN“ in Graz uraufgeführt, 2003 die Oper „invocation“ in Zürich und 2005 das Hörtheater „FAMA“ in Donaueschingen. Seit Herbst 1991 ist Furrer Ordentlicher Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Eine Gastprofessur für Komposition nimmt er seit 2006 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt wahr.

Furrers Oeuvre ist Musik, welche wie jene von Boulez Zeit braucht, bis sie verstanden wird. Dass zu Beginn des Konzertes für Klavier und Orchester nichts als Dissonanzen kommen, Aufzischend und Abzischend, grell und schrill, das ist für unser Gehör, welches oft wenig mit unserem Verstand zusammenarbeitet, schwierig, um nicht zu sagen (ausser für Freaks der Avantgarde und der Zeitgenössischen Musik) unmöglich zum Hören. Sieht man die Musik als ständige Entwicklung an, so ist man bei Furrer bestens aufgehoben.

In der Ruhe liegt die Kraft

Beat Furrer, Konzert für Klavier und Orchester
Dirigent: Peter Rundel, Solist: Nicolas Hodges

WDR Symphonieorchester

Erschienen bei: Kairos, 2008

 

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Tue, 26 Apr 2011 13:52:00 -0700 Interpretation ohne Worte http://nonobach.posterous.com/interpretation-ohne-worte http://nonobach.posterous.com/interpretation-ohne-worte

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Felix Mendelssohn-Bartholdy verknüpfte in den vielen seiner "Lieder ohne Worte" sangliche Melodien mit diversen kapriziösen Begleitfiguren.

Mittelteile, wie sie für das Charakterstück des 19. Jahrhunderts typisch sind, fehlen, es ist alles mehr oder weniger durchkomponiert. Sehr oft beginnt die Begleitung, bevor die Melodie einsetzt. Daneben stehen „Lieder“ mit kurzen, kadenzierenden Vor- und Nachspielen, aber auch Stücke, in denen die Melodie von Anfang an erklingt. Die ausgefeilten Figurationen von Mendelssohn-Bartholdy rücken seine "Lieder ohne Worte" ohne Zweifel in die Nähe virtuoser Konzertetüden.

Roberto Prosseda hat sich wie kaum ein Pianist zuvor intensiv mit der Materia von Mendelssohn-Bartholdy auseinander gesetzt und liebt es, jene die Lied-Einfachheit raffinierenden und brillianten Momente zu beschwören, die versteckte Mehrstimmigkeit, aber auch die polyphonen Elemente. Im Opus 67 erreicht Prosseda eine lyrische Innigkeit und eine Pianissimokultur, die ihresgleichen sucht. Man bleibt sprachlos, ohne Worte.

Sprachlos

Felix Mendelssohn-Bartholdy, Lieder ohne Worte
Solist: Roberto Prosseda

Erschienen bei: Decca Records, 2008

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Tue, 19 Apr 2011 14:29:00 -0700 Grandios dirigiert: Mendelssohn-Bartholdy Sinfonien http://nonobach.posterous.com/grandios-dirigiert-mendelssohn-bartholdy-sinf http://nonobach.posterous.com/grandios-dirigiert-mendelssohn-bartholdy-sinf

Dohnanyi

Kennen wir ihn? Christoph von Dohnanyi sein Name.

Ein kurzer Steckbrief sei erlaubt. Geboren in Berlin, studierte Christoph von Dohnányi Jura und Musik in München, widmete sich aber bald ausschliesslich dem Musikstudium, u.a. bei seinem Grossvater Ernst von Dohnányi. Georg Solti engagierte ihn 1953 als Korrepetitor und Dirigent an die Frankfurter Oper. Dohnanyi war darauf GMD in Lübeck und Kassel, bevor er Chefdirigent des WDR-Orchesters in Köln und 1968-1977 GMD und Operndirektor der Frankfurter Oper wurde.

1977-1984 war er Intendant und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper, 1984-2002 Music Director des Cleveland Orchestra, das er in Cleveland und u.a. in Residenzen in Salzburg und der Carnegie Hall dirigierte. 1997-2008 bekleidete Dohnanyi die Position "Principal Conductor" des Philharmonia Orchestra London, das er auch in Opernproduktionen am Pariser Châtelet einführte. Er ist Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters.

Was von Dohnanyi mit der Interpretation von Mendelssohns Sinfonien gelungen ist, ist einmalig. Fono schreibt darüber: "Die 1. Sinfonie ist ein sprühend vorgetragenes Kompendium von blitzenden Einfällen, die zweite eine Auseinandersetzung mit dem Humanitätsideal von Beethovens Neunter. Die 'Schottische' und 'Italienische' werden präsentiert als raffiniertes Wechselspiel zwischen formal strenger Sonatenkonzeption und stimmungshaftem Kolorit."

Perfekt!

Felix Mendelssohn-Bartholdy, Sinfonien
Dirigent: Christoph von Dohnanyi, Solisten: Sona Ghazarian, Edita Gruberova
Orchester: Wiener Philharmoniker, Staatsopernchor Wien
Erschienen bei: Decca Records, 1980

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Tue, 12 Apr 2011 04:42:00 -0700 Schubert auch bei bei Frans Brüggen beliebt http://nonobach.posterous.com/schubert-auch-bei-bei-frans-bruggen-beliebt http://nonobach.posterous.com/schubert-auch-bei-bei-frans-bruggen-beliebt

Franz_schubert_kuppelwieser

 

Entgegen aller Behauptungen und auch selbst bei großem Lob für die Einspielung von Dirigent Jonathan Nott und seinen wirklich perfekten Bambergern muss für die Frans Bruggen Aufnahme der Schubertschen C-Dur Sinfonie (die "Große") eine Lanze gebrochen werden: Niemals zuvor klang Schubert auf CD so frisch, leicht, aber auch eckig und markant, wie hier. Die Wiener Philharmoniker unter Muti wirken hingegen etwas flächiger und verschwommener. Darüber hinaus rast Muti, wie so oft, dem Orchester mit seinem Ferrari-Tempo davon.

In der Sinfonie selbst ist ausser meisterlicher musikalischer gereifter Technik des Komponisten Leben in allen Fasern, Kolorit bis in die feinste Abstufung, Bedeutung überall,
schärfster Ausdruck des Einzelnen, und über das Ganze eine Romantik ausgegossen, wie man sie von Franz Schubert kennt.

Die Entstehungszeit der Großen C-Dur-Sinfonie lag lange im Dunkeln. Auf der Titelseite des Manuskripts ist die Jahreszahl „1828“ angegeben, Schuberts Todesjahr. Bereits im Jahr 1825 hat Schubert nachweislich in der Sommerfrische in Gmunden und später in Bad Gastein an einer Sinfonie in C-Dur gearbeitet. Doch war es jene C-Dur Sinfonie, von welcher hier die Rede ist? Erst Ende der 70er gilt es als bewiesen, dass der Autograph nachträglich auf 1828 datiert wurde.

Tolle Leistung von Brüggen

Franz Schubert, Sinfonie Nr. 8 (9) in C-Dur, die "Große"
Dirigent: Frans Brüggen

Orchestra of the 18th Century
Erschienen bei: Decca, 1992

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Sun, 27 Mar 2011 02:08:00 -0700 Sehr passable Haydn-Variationen-Interpretation http://nonobach.posterous.com/sehr-passable-haydn-variationen-interpretatio http://nonobach.posterous.com/sehr-passable-haydn-variationen-interpretatio

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Bevor Brahms - es ist seine erste Saison als "artistischer Direktor" der Konzerte der Wiener Philharmoniker - mit der Ausarbeitung seiner ersten Symphonie in c-Moll beginnt, will er sich noch an einem kleineren Orchesterwerk erproben und Orchesterstudien betreiben. In der ersten Hälfe des Jahres 1873 schreibt er die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn. Es ist sein opus 56a. Im selben Jahr erstellt er auch die Fassung für zwei Klaviere (opus 56b).

Acht Mal variiert Johannes Brahms das Thema, an das Ende setzt er eine Passacaglia, die alte Variationsform der Barockzeit (im Finale der Vierten Sinfonie wird er dieses kontrapunktische Verfahren noch einmal, noch großartiger anwenden). Die Komposition selbst ist subtil gebaut und mit viel Raffinesse versehen was Harmonik, Kontrapunkt und Rhythmus betrifft. Jede Variation bekommt ihr ganz eigenes, unverwechselbares Gepräge. Die Schwierigkeit der Interpretation ist, genau zu wissen, wo sind die Höhepunkte, wo führen die Entwicklungen hin, wo findet Entspannung statt. Kleine Dinge hörbar machen, das ist wohl die Kunst bei Johannes Brahms. "Diese Haydn-Variationen haben für mich etwas Stilles, sie sind ein Werk, in das der Hörer hineinhorchen muss", sagt der mittlerweile 82jährige Grande der Dirigenten- und Musikwissenschaftszunft, Nikolaus Harnoncourt.

Robert Bachmann und sein Royal Philharmonic Orchestra strengen sich an. Auch wenn nicht immer alles ausgewogen ist, gehört diese Interpretation zu den Besten. Gerade Variation 6 und 7 gelingen aufgrund der sehr komplizierten Rhythmusstruktur so gut, wie hier.

Gelungen und gekonnt

Johannes Brahms, Haydn-Variationen op. 56a / Orchesterfassung
Dirigent: Robert Bachmann

Royal Philharmonic Orchestra

Erschienen bei: Antes, 1990

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Sun, 13 Mar 2011 05:18:00 -0700 Triumph der Münchner mit Ravel http://nonobach.posterous.com/triumph-der-munchner-mit-ravel http://nonobach.posterous.com/triumph-der-munchner-mit-ravel

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Der größte Reiz und die allergrößte Schwierigkeit ist beim "Boléro" der leise Anfang des Stückes - so sind sich alle Schlagzeuger einig. Vier Takte lang dauert das Solo der Kleinen Trommel - vier Takte pianissimo, bis die Flöte mit der Melodie einsetzt. Erst wenn nach und nach das Orchester hinzukommt und die Lautstärke zunimmt, legt sich beim Schlagzeuger die Aufregung.

Im Grunde genommen sind es nur zwei verschiedene Takte, die die Kleine Trommel im Bolero zu spielen hat. Zwei Takte, die dann immerfort wiederholt werden. Dieses Endlos-Ostinato will mal durchgehalten werden. Da gilt es nicht durcheinander zu kommen. Beim ursprünglichen Bolero, dem spanischen Tanz, wird der Rhythmus von Kastagnetten erzeugt. Bei Ravel übernimmt die Kleine Trommel diese Funktion. Sie bildet den Klangteppich, auf dem sich die Melodie ausbreitet.

Und kein geringerer als Maestro Sergiu Celibidache dirigiert hier. Der vielen als schwerer Greis mit dem markanten Schädel in Erinnerung bleibende war wirklich noch ein "Maestro", wahrscheinlich der letzte. Er konnte wie Wotan wüten und als furchtbarer Kunstrichter ein ganzes Orchester zur Weißglut bringen. Die Münchner Philharmoniker, obwohl sie ihn liebten, wissen davon ein Lied zu singen.Doch das Ergebnis? Fantastisch. Unerreichbar.

Spitzenklasse!

Maurice Ravel, Boléro
Dirigent: Sergiu Celibidache

Münchner Philharmoniker

Erschienen bei: IdealAud, 1994  

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Thu, 03 Mar 2011 13:39:00 -0800 Glanz und Glorie in Tollkühnheit http://nonobach.posterous.com/glanz-und-glorie-in-tollkuhnheit http://nonobach.posterous.com/glanz-und-glorie-in-tollkuhnheit

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Die Messe Es-Dur D 950 gehört zu den letzten vollendeten Werken Schuberts und entstand 1828 vermutlich für die Wiener Dreifaltigkeitskirche im Alsergrund. Wie viele seiner bedeutenden Spätwerke, z.B. die Sinfonie C-Dur (die "Große") oder die "Winterreise", hat Schubert die Messe selbst nie gehört. Die Uraufführung im Oktober 1829 unter der Leitung von Schuberts Bruder Ferdinand stieß beim Publikum auf große Resonanz, worauf weitere Aufführungen folgten. Ein zeitgenössischer Rezensent bezeichnete Schuberts letzte Messe als „gewiss eines seiner tiefsten und vollendetsten Werke“.

Wie viele andere groß angelegte Werke Schuberts geriet sie nach seinem Tod in Vergessenheit und wurde erst 1865 auf Initiative von Johannes Brahms gedruckt. Seitdem hat sie sich als Meisterwerk der geistlichen Musik im 19. Jahrhundert etabliert. Schubert-Spezialist Sir Charles Mackerras hat das Werk mit bedeutenden Dresdner Künstlern in der Frauenkirche eingespielt. Und dieser Aufnahme fehlt auch rein an nichts: Glanz, Glorie und kühne Harmoniken sind anzutreffen, wie viele es von Schubert nicht vermuten, ja ein fast harmonisch revolutionärer Geist in allen Sätzen anwesend.

Frenetischer Beifall posthum

Franz Schubert, Messe Es-Dur
Leitung: Sir Charles Mackerras, Solisten:
Genia Kühmeier, Christa Mayer, Timothy Robinson, Oliver Ringelhahn
Staatskapelle Dresden, Chor der Staatsoper Dresden
Erschienen bei: Carus, 2007

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Tue, 01 Mar 2011 01:46:00 -0800 Krönungsmesse à la Amerika http://nonobach.posterous.com/kronungsmesse-a-la-amerika http://nonobach.posterous.com/kronungsmesse-a-la-amerika

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"Sie wissen, bester Freund, wie mir Salzburg verhasst ist! Salzburg ist kein Ort für mein Talent." Mit Händen und Füßen sträubt sich Mozart – doch es hilft nichts. Nachdem die große Reise nach Mannheim und Paris gescheitert ist, bleibt ihm nur eins: die Rückkehr nach Salzburg in den verhassten Dienst beim Fürst-Erzbischof Colloredo. "Ich schwöre Ihnen bey meiner Ehre, dass ich Salzburg und die Einwohner nicht leiden kann; mir ist ihre Sprache, ihre Lebensart ganz unerträglich!", notiert Mozart weiter in einem Brief.

Erst recht der Erzbischof selbst ist ihm unerträglich: der Erzlümmel, wie Mozart ihn nennt. Der zahlt seinem aufsässigen Hoforganisten 450 Gulden im Monat und bekommt dafür frische Kompositionen. Im Februar 1779 bewirbt sich Mozart um diesen zweitklassigen Posten in einer zweitklassigen Residenzstadt. Einen Monat später liefert er pflichtgemäß eine neue Messe – eine erstklassige, versteht sich, gehalten in C-Dur, mit Beinamen "Krönungsmesse".

Und dass James Levine sich dieser Messe annimmt mag verwundern, ist doch Levine nicht unbedingt ein Dirigent, welcher sich die letzten Jahrzehnte um sakrale Musik des 18. Jahrhunderts gekümmert hat, geschweige denn um historische Aufführungspraxis. Doch das Ergebnis ist beachtlich.

Verwundert wunderbar

Wolfgang Amadeus Mozart, Messe C-Dur, KV 317
Dirigent: James Levine, Solisten: Sylvia McNair, Delores Ziegler, Hans Peter Blochwitz, Andreas Schmidt

Berliner Philharmoniker, RIAS Kammerchor Berlin
Erschienen bei: Deutsche Grammophon, 1991

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Mon, 28 Feb 2011 13:41:00 -0800 Auch die Deutsche Kammerphilharmonie kann es http://nonobach.posterous.com/auch-die-deutsche-kammerphilharmonie-kann-es http://nonobach.posterous.com/auch-die-deutsche-kammerphilharmonie-kann-es

Mozart

Auf der Durchreise von Salzburg nach Wien ergab sich im Oktober 1783 für Mozart die Möglichkeit, in Linz eine Akademie zu veranstalten. Zu diesem Anlass komponierte er in nur vier Tagen seine "Linzer Sinfonie". In ihr ist der Einfluss Joseph Haydns allgegenwärtig. So verwendet Mozart hier erstmals, dem Vorbild Haydns folgend, die langsame Einleitung, deren vollstimmige Fanfare ihr festliches Pathos und Gewicht verleiht. Die für den zweiten Satz ungewöhnliche Dramatik resultiert aus der Besetzung mit Trompeten und Pauken sowie aus dem geheimnisvoll aufsteigenden Bassmotiv und den Akzenten der Bläser. Das prächtige Menuett und sein Trio folgen der vorgegebenen dreiteiligen Form; reizvoll ist der Dialog zwischen Oboe und Fagott im ländlerartigen Trio. Das Finale besitzt munteren Schwung, der über die strenge formale Durcharbeitung als Sonatensatz hinwegtäuscht.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mausert sich in jüngster Zeit immer wieder mehr und mehr zum "Experten" für Mozart. Dass dem Orchester ein von der historischen Aufführungspraxis bewanderter Dirigent wie Thomas Hengelbrock beisteht versteht sich fast von selbst. Und dennoch: Man unterschätze niemals die kleineren Ensembles und ihre Präzision insbesondere bei der Interpretation von Werken, welcher wir meine doch schon par coeur zu kennen. Jedesmal entsteht aufs neue ein kleines "Hör"wunder.

Makellos

Wolfgang Amadeus Mozart, Sinfonie Nr. 36 "Linzer", KV 425
Dirigent: Thomas Hengelbrock

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Erschienen bei: IPPNW, 1995

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Mon, 28 Feb 2011 13:21:00 -0800 Eine NEUE Zauberflöte? http://nonobach.posterous.com/eine-neue-zauberflote http://nonobach.posterous.com/eine-neue-zauberflote

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Die Ruhrnachrichten schreiben über René Jacobs Neueinspielung der "Zauberflöte":

Diese „'Zauberflöte' war mit besonderer Spannung erwartet worden, sitzt doch gerade diese Oper allen Theaterbesuchern so fest im Ohr, dass jedes Experiment mit ihrer Musik als Frevel erscheinen muss. Und für Experimente ist Jacobs berühmt-berüchtigt. Mit historischer Aufführungspraxis hat das sehr wenig zu tun. Aber die nimmt der Maestro auch nicht mehr für sich in Anspruch, zumindest nicht im orthodoxen Sinn. Im Booklet erklärt er seine „Zauberflöte“ zum „Hörspiel“ und bekennt sich zu lustvoll-subjektiver Spielerei.Und danach klingt es auch! Unvorstellbar, dass Mozart bei einer seiner Live-Premieren ein so ausgetüfteltes Dirigat wie das von Jacobs hinbekommen hätte. Der Komponist kam der Legende nach erst Stunden vor der Vorstellung mit den letzten Noten angerannt, er hielt nichts von endlosen Proben und klagte (etwa in der Provinzhauptstadt Prag) über ungeschickte Sänger, die ihre Partien nicht sofort vom Blatt singen konnten."

Bemerkenswert an dieser Aufnahme ist beinahe alles. Die herausragende Qualität der Solisten, die nicht nur schön singen, sondern ihre Rollen glaubhaft und lebendig verkörpern. Ein ganz und gar mitsprechendes und mitdenkendes Orchester. Und nicht zuletzt die Bedeutung, die den Rezitativen zugemessen wird. Wie in einem Hörspiel entstehen echte Gespräche, die den Hörer davon abhalten, bis zur nächsten Arie wegzuhören.

Ohne Worte

Wolfgang Amadeus Mozart, Zauberflöte
Dirigent: René Jacobs, Solisten:
Daniel Behle, Marlis Petersen, Anna-Kristiina Kaappola, Sunhae Im, Kurt Atzesberger
Akademie für Alte Musik Berlin, RIAS Kammerchor

Erschienen bei: Harmonia Mundi, 2009


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Mon, 28 Feb 2011 11:43:00 -0800 Mozart in Bestleistung http://nonobach.posterous.com/mozart-in-bestleistung http://nonobach.posterous.com/mozart-in-bestleistung

Mozart2

Zubin Mehta gehört neben Lorin Maazel, Nikolaus Harnoncourt, Kurt Masur und Herbert Blomstedt zu den ganz großen Dirigenten des 21. Jahrhunderts. Und er ist ein Mann für das Große, nichts ist ihm zu schwierig. So teilte er sich abseits seiner Oper- und Konzertdirigate nicht nur mit James Levine immer aufs Neue die diversen Konzerte der drei Tenöre Pavarotti-Domingo-Carreras, nein, erst vor kurzem engagierte er sich wieder für die Rettung der Wälder in Indien mit einem Benefizkonzert mit der Staatskapelle Berlin, zu welcher er auch eine lange Berufsbeziehung pflegt. "Ich gehöre der Religionsgemeinschaft der Parsen an, die auf Zarathustra zurückgeht. Wir verehren die Elemente und beten für eine saubere Erde, klares Wasser und reine Luft. Das ist Teil unserer Lebensphilosophie. Ich bin in Indien aufgewachsen und habe dort viel Schmutz gesehen. Seit meiner Jugend bemühe ich mich, etwas dagegen zu tun. Als mich Musiker der Staatskapelle fragten, ob ich das Benefizkonzert leiten würde, habe ich voller Freude zugesagt."

Mozarts Musik ist auch etwas Großes und daher genau richtig für Mehta. Und dass er Mozart liebt schimmert beim Hören seines "Nozze" durch. Die Tempo werden nie gähnend langweilig, der Rhythmus ist pregnant, frisch und voller Elan, die Führung der Sängerschar harmoniert an jeder Ecke.

"Le Nozze di Figaro" bleibt und ist eine Standpauke für die Liebe. In dieser Opera buffa hat sie alle fest im Griff. Cherubino liebt die Gräfin, die Gräfin liebt den Grafen, der Graf will Susanna, Susanna liebt Figaro, Figaro liebt Susanna und dann sind da noch Marcellina und Bartolo. Soweit alles klar? Wenn nicht, dann reinhören.

Wenig Steigerung möglich

Wolfgang Amadeus Mozart, Le Nozze di Figaro
Dirigent: Zubin Mehta, Solisten:
Lucio Gallo, Karita Mattila, Michele Pertusi, Marie McLaughlin
Maggio Musicale Fiorentino Orchestra & Choir

Erschienen bei: Sony Music, 1992

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Mon, 28 Feb 2011 11:05:00 -0800 Vaclav Neumann und Leipzig http://nonobach.posterous.com/vaclav-neumann-und-leipzig http://nonobach.posterous.com/vaclav-neumann-und-leipzig

Neumann

Vaclav Neumann ist ein Dirigent, der leider bei vielen von uns in Vergessenheit geraten ist.

Mehr als zwanzig Jahre hat er den Klang der Tschechischen Philharmonie geprägt. Er war für viele Generationen Erzieher und "Vater" eines wahrhaftig tschechischen Klanges zugleich. Durch seinen unermüdlichen Eifer sind wir im Westen und auf der ganzen Welt in den Genuss vieler Werke von Dvorak, Martinu, Janacek oder Smetana gekommen, welche wir zuvor nur spärlich oder nie gehört haben bzw. hätten.

Geboren wurde Neumann 1920 in Prag. Er studierte am Prager Konservatorium Violine und Dirigieren. Sein Dirigatsdebüt hatte er 1948. Seinen durchschlagenden Erfolg hatte er 1956 an der Komischen Oper Berlin, deren Chefdirgat er von 1957 bis 1960 inne hatte. Danach wurde er Generalmusikdirektor des Leipziger Gewandhauses und auch dieses Orchester prägte er über mehrere Jahre. 1995 starb er in Wien.

Am 20. Juli 1894 erklang in Karlsbad Dvoraks 9. Sinfonie, genannt Aus der Neuen Welt, zum ersten Mal auf dem europäischen Kontinent, nachdem die Sinfonie ihre Premiere in London hatte.

Famos, Famos, Famos

Antonin Dvorak, Sinfonie Nr. 9
Dirigent: Vaclav Neumann

Gewandhausorchester Leipzig
Erschienen bei: Berlin Classics, 1980

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Mon, 28 Feb 2011 10:29:00 -0800 Dvorak und Giulini http://nonobach.posterous.com/dvorak-und-giulini http://nonobach.posterous.com/dvorak-und-giulini

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"Mein Kopf ist voll von Ideen. Wenn man sie nur sofort niederschreiben könnte", schrieb Antonín Dvorák am 10. August 1889 an seinen Freund Alois Göbl. Er war gerade mitten in der Arbeit an seinem Klavier-Quartett in Es-Dur. Seine neue (achte) Sym­phonie musste noch zwei Wochen warten, bevor er ihre Melodien und harmonischen Abläufe, die er schon eine ganze Weile im Kopf hatte, skizzieren konnte. Ein strahlendes Werk in G-Dur, mit vielen poetischen Momenten, das als Beweis dafür gelten kann, von welch großartiger Stimmung und Schaffenskraft Dvorák erfüllt war, wenn er sich auf seinem Sommerlandsitz in Vysoká aufhielt. Der erste Satz greift nach einer Einleitung sogleich ein Vogelmotiv auf in der Flöte auf. Es ist bezeichnend für die Freiheit, die sich Antonín Dvorák in seiner neuen Symphonie herausnimmt.

Antonín Dvoráks 8. Symphonie, noch geschrieben in der alten Welt, sie sollte in seinem Schaffen zu einem Bindeglied werden zwischen der europäischen Tradition, aus der er kam und den Klängen der Neuen Welt, die er schon bald aufnehmen und damit von sich reden machen würde. Ihre Uraufführung erlebte Dvoráks achte Symphonie am 2. Februar 1890 im Rudolfinum von Prag.

Den Dirigenten Carlo Maria Giulini zeichnet ein intuitives Gespür für den Freimut aus, mit dem Dvorák seine achte Sinfonie anlegte. Giulini war darauf bedacht, dass jeder Moment des freien Tempos und der Phrasierung vom jeweiligen Musiker ausschweifend genutzt wird. Und Sanftheit schwebt mit, in jedem Satz.

Voller Anmut

Antonin Dvorak, Sinfonie Nr. 8
Dirigent: Carlo Maria Giulini

RSO Köln
Erschienen bei: Profil, 1958


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Mon, 28 Feb 2011 07:19:00 -0800 Pelléas et Mélisande - selten gespielt http://nonobach.posterous.com/pelleas-et-melisande-selten-gespielt http://nonobach.posterous.com/pelleas-et-melisande-selten-gespielt

Pelleas

Claude Debussy fühlte sich nach eigener Aussage durch die «traumhafte Atmosphäre» des Pelléas-Dramas von Maeterlinck, das «bei weitem mehr Menschlichkeit enthält als all die sogenannten lebensechten Stoffe», zu seiner einzigen Oper inspiriert. Sie lebt vom Andeuten und Verschleiern, vom symbolistischen Vernebeln, bei dem die Musik das Unausdrückbare in einem steten Blühen umspielt.

Herbert von Karajan liegt solche Musik ungemein. Er lotet mit den Berliner Philharmonikern den musikalischen Duktus dieser Traumsprache wunderbar aus und verhilft der kammermusikalischen Ebene mit blitzsauberen Bläsern und weichen Streichern zu Transparenz und klanglicher Dichte. Ihm gelingt ein grossformaler Bogen von der emotionslosen, schwebenden Zurückhaltung des ersten Teils in einem langgezogenen Crescendo hin zum wütenden Ausbruch des eifersüchtigen Goleaud.

Hörenswert

Claude Debussy, Pelléas et Mélisande
Dirigent: Herbert von Karajan, Solisten: Frederica von Stade, Jose van Dam, Ruggero Raimondi

Berliner Philharmoniker, Chor der Deutschen Oper Berlin
Erschienen bei: EMI, 1978

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Tue, 22 Feb 2011 15:12:00 -0800 Järvi mit präzisem Berliozauftritt http://nonobach.posterous.com/jarvi-mit-prazisem-berliozauftritt http://nonobach.posterous.com/jarvi-mit-prazisem-berliozauftritt

Pj

Der 1962 in Estland geborene Dirigent Paavo Järvi ist ein gründlicher Gesprächspartner. Und er ist ein gründlicher Musiker, einer, der musikalisch wie thematisch nicht stets auf der Durchreise ist. Auf den ersten Blick mag das vielleicht so aussehen, weil er immerhin drei Orchestern als Chefdirigent vorsteht: Dem Cincinnati Symphony Orchestra, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und – sein jüngster Zuwachs – dem hr-Sinfonieorchester in Frankfurt am Main, der in den USA aufgewachsene Dirigent (sein Vater Neeme Järvi wechselte 1980 mit der Familie in die Staaten) tritt nicht zu kurz.

Die Gründlichkeit erkennt man freilich auch bei der Lesart von Partituren. Järvis Interpretation von Hector Boulez Symphonie Fantastique läßt nichts zurück, was Fragen aufwerfen könnte und es entsteht der Eindruck - bezüglich des Orchester aus Cincinnati -, dass dieses Orchester es mit jedem anderen sehr guten Orchester der Welt ohne Probleme aufnehmen könnte. Ist der Grund der Dirigent, oder das Orchester selbst? Järvi, einst angesprochen auf den Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Klangkörpern, sagt dazu: "In den USA kennt das Orchester vor einer Probe das Stück, jeder Musiker beherrscht seine Noten. In Cincinnati komme ich manchmal in einer Probe so weit wie bei anderen Orchestern in zwei Wochen. Jeder ist vorbereitet, jeder bringt das spieltechnische Können mit – aber keiner stellt auch nur irgendeine Frage".

Und genau das hört man heraus.

Präzision und wenig Romantikgefühl

Hector Berlioz, Symphonie Fantastique
Dirigent: Paavo Järvi

Cincinnati Symphony Orchestra
Erschienen bei: Telarc, 2000

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Tue, 22 Feb 2011 14:57:00 -0800 Rafael Kubelik - fast vergessen? http://nonobach.posterous.com/rafael-kubelik-fast-vergessen http://nonobach.posterous.com/rafael-kubelik-fast-vergessen

Kubelik

 

Der Mann mit dem Erzengel-Namen und dem schlohweiß vom mächtigen Haupt aufragenden Haarkranz war ein Prophet der Neuen Musik. Kein Pultvirtuose, sondern ein strenger Herrscher über das Orchester.

"Es war Liebe auf den ersten Blick", bekannten die Musiker vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das er von 1961 bis 1979 geleitet hat. Denn der penible Proben-Fanatiker war zugleich ein großherziger Orchester-Vater, der jeden einzelnen durch sein böhmisches Musikanten-Temperament zu außergewöhnlicher Leistung entflammen konnte. Als Rafael Kubelik am 29. Juni 1914 in der Nähe von Prag geboren wird, sitzen schon fünf Töchter im Familienorchester des Vaters, des Violinvirtuosen Jan Kubelik. Der junge Mann spielt sich rasch an die Spitze des Hausorchesters, straft alle Binsenwahrheiten vom schweren Schicksal des begabten Kindes eines berühmten Erzeugers Lügen und begleitet den Vater als Pianist auf Tourneen durch Europa.

Er ist noch keine zwanzig, da steht er schon am Pult der Tschechischen Philharmonie, die er von 1936 bis 1939 leitet. Damit ist die Laufbahn des auch komponierenden Musikers entschieden. Auf Tourneen und als Chefdirigent in Chicago (1950 bis 1953) und London (1955 bis 1958) kämpft er für die Meister seiner Heimat (Dvorák, Smetana, Janácek, Martinú) - und immer wieder für den damals kaum bekannten, selten gespielten Gustav Mahler und die Komponisten der Moderne zwischen Schönberg, Bartók und Karl Amadeus Hartmann.

Die Verbindung Kubelik-Berlioz ist famos, und man sollte sich Zeit nehmen und vergleichen um heraus zu hören, warum genau diese Aufnahme ein Jahrhundertgeschenk ist.

Famos und neu zugleich

Hector Berlioz, Symphonie Fantastique
Dirigent: Rafael Kubelik

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Erschienen bei: Orfeo, 1981

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Tue, 22 Feb 2011 14:40:00 -0800 Boulez dirigiert Wozzeck http://nonobach.posterous.com/boulez-dirigiert-wozzeck http://nonobach.posterous.com/boulez-dirigiert-wozzeck

Berg

 

Spannend kann es sein, wenn Musikgeschichte durch einen Komponisten weiterentwickelt wird, aber auch durch ein- und denselben Komponisten die Weiterentwicklung wieder zerstört wird, durch Auflösung alles bisher vorher Dagewesenen.

Noch spannender ist es, wenn genau dieser Komponist ein Werk dirigiert, das aus der Feder einer seiner unmittelbaren Vorgängers von ihm stammt. Wie geht er mit dem Material, aus welchem er selbst einst neue Ideen fürs Weiterentwicklen der Komposition an sich schöpfte? Wird es ihm fremd sein, wird er soviel eigene Interpretation hineingeben, dass die Ursprache seines Vorgängers verwischt, vielleicht unkenntlich wird?

Die Rede ist von Pierre Boulez, welcher die Oper "Wozzeck" von Alban Berg unter die Lupe nimmt. Wirklich spannend, wie das klingt. Boulez sagt selbst: "Wenn ich über mich und meine Entwicklung spreche, dann geht es ja vor allem um die zweite Hälfte des Jahrhunderts, die Zeit nach 1945. Das war zunächst eine Zeit des Neuanfangs. Wir orientierten uns an der Schönbergschule und ihrer strengen Disziplin. Aber wir wollten mehr König sein als der König, also weiteten wir die serielle Methodik noch viel mehr aus. Das konnte nicht immer so weitergehen, und so kam es wieder zum Pendelschlag in die andere Richtung. Anscheinend war es notwendig für uns, eine Ordnung aufzubauen, um sie dann nach einiger Zeit wieder zu demolieren." Alban Berg ist für ihn "ein Nostalgiker. Zugleich wollte er ein ganz gehorsamer Schönbergschüler sein, doch nur insgeheim. Berg wollte alles: das große romantische Pathos und die von Schönbergs Lehrmeinung beglaubigte und vielfach abgesicherte Konstruktion."

 

Ein Aha-Erlebnis

Alban Berg, Wozzeck
Dirigent: Pierre Boulez
, Solisten: Walter Berry, Isabel Strauss, Fritz Uhl, Carl Doench
Orchestre de l'Opéra de la Bastille, Choeur de l'Opéra de la Bastille
Erschienen bei: Sony, 1966

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