Rafael Kubelik - fast vergessen?
Der Mann mit dem Erzengel-Namen und dem schlohweiß vom mächtigen Haupt aufragenden Haarkranz war ein Prophet der Neuen Musik. Kein Pultvirtuose, sondern ein strenger Herrscher über das Orchester.
"Es war Liebe auf den ersten Blick", bekannten die Musiker vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das er von 1961 bis 1979 geleitet hat. Denn der penible Proben-Fanatiker war zugleich ein großherziger Orchester-Vater, der jeden einzelnen durch sein böhmisches Musikanten-Temperament zu außergewöhnlicher Leistung entflammen konnte. Als Rafael Kubelik am 29. Juni 1914 in der Nähe von Prag geboren wird, sitzen schon fünf Töchter im Familienorchester des Vaters, des Violinvirtuosen Jan Kubelik. Der junge Mann spielt sich rasch an die Spitze des Hausorchesters, straft alle Binsenwahrheiten vom schweren Schicksal des begabten Kindes eines berühmten Erzeugers Lügen und begleitet den Vater als Pianist auf Tourneen durch Europa.
Er ist noch keine zwanzig, da steht er schon am Pult der Tschechischen Philharmonie, die er von 1936 bis 1939 leitet. Damit ist die Laufbahn des auch komponierenden Musikers entschieden. Auf Tourneen und als Chefdirigent in Chicago (1950 bis 1953) und London (1955 bis 1958) kämpft er für die Meister seiner Heimat (Dvorák, Smetana, Janácek, Martinú) - und immer wieder für den damals kaum bekannten, selten gespielten Gustav Mahler und die Komponisten der Moderne zwischen Schönberg, Bartók und Karl Amadeus Hartmann.
Die Verbindung Kubelik-Berlioz ist famos, und man sollte sich Zeit nehmen und vergleichen um heraus zu hören, warum genau diese Aufnahme ein Jahrhundertgeschenk ist. Famos und neu zugleich Hector Berlioz, Symphonie FantastiqueDirigent: Rafael Kubelik
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Erschienen bei: Orfeo, 1981