Le Nozze di Figaro mit Mackerras
Vorsicht ist geboten, wenn England sich an Mozart zu schaffen macht. Weniger Vorsicht, vielmehr aber Spannung herrscht vor, wenn einer wie Sir Charles Mackerras sich an Mozart zu schaffen macht.
So geschehen im Jahr 1994. Gemeinsam mit dem Scottish Chamber Orchestra & Choir versucht er sich an "Le Nozze di Figaro" (als CD bei Telarc erschienen), mit dem Ergebnis "sehr gut" was das Orchester betrifft, "weniger gut" was den Chor betrifft, aber "sehr überzeugend", was die Solisten betrifft. Alastair Miles - ein fantastischer Bassbariton - singt den Figaro herzzerreissend gut! Das ganz besondere an dieser Aufnahme ist jedoch etwas anderes: Nicht allein, dass Mackerras in einem Anhang unterschiedliche Versionen Mozarts von mehreren Arien und Accompagnato-Rezitativen einspielte, dass er die Apoggiaturen singen ließ, nein, er übernahm in Einzelfällen sogar überlieferte Verzierungen Mozarts. Das bedeutet: gründliche Arbeit mit den Sängern. Sie ist in jeder Phase der Einspielung spürbar und Mozart hätte mit Sicherheit an diesem englischen - gelungenen - Experiment seine wahre Freude gehabt, war er doch selbst immer einer, welcher gerne ausprobierte und nichts mehr als Herkömmliches verabscheute. Very good, Sir Mackerras!
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