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Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 
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Julia Fischer: Bach und die Sinnlichkeit

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Als Julia Fischer im April diesen Jahres den Mozartsaal des Konzerthauses in Wien betrat schien Sie durch Koerperhaltung, Gesichtsausdruck, und Kleidung dem Publikum klar machen zu wollen, dass Sie Zeugen eines ganz ausserordentlichen, ja heiligen Aktes werden wuerden. Immerhin gab es die Solosonaten und Toccaten von Bach an 2 Abenden. Es war ein Gluecksfall, nicht nur wegen der Interpretin selbst, sondern auch wegen der Gelegenheit, Sie so hautnah erleben zu koennen in dem der Solo- und Kammermusik vorbehaltenen Saal. Das Konzert wurde 2 Jahre zuvor fixiert und es ist zu vermuten, dass Julia Fischer schon heute den Grossen Saal fuellen koennte und in Zukunft auch wird.

Bachs Solostuecke stellen nicht nur eine technische Herausfoerderung dar, sie exponieren den Solist, der alleine und frontal dem Publikum gegenuebersteht und ueber 90 Minuten voll konzentriert bleiben muss. Nach jedem Satz blickt Julia Fischer fast bedrohlich Richtung Publikum, gewaehrt ihm eine kleine Pause bevor es wieder weitergeht. Dabei schwingt sie den Bogen fast wie einen Revolver: "lenkt mich ja nicht ab" scheint sie sagen zu wollen. Dazu kommt, dass Julia Fischer eine sehr attraktive Erscheinung ist, eine weitere potentielle Ablenkung vom eigentlichen Meister des Abends. Diese Ablenkung will sie nicht hinnehmen, Ihre Kleidung ist festlich und geschmackvoll, aber wenig koerperbetont. Dies geraet Ihr zur Ehre, gerade angesichts der heute unertraeglichen Erotomanie auch in der Klassik-Welt. Allerdings schmaelert das in keinster Weise das sinnliche Ereignis des Fischerschen Bachs, ganz im Gegenteil. Weniger ist mehr, einmal mehr. Die ausgezeichnete Gesamteinspielung gibt es uebrigens bei Pentatone.

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