Hildegard Behrens' Salome
Es war ein Schock für die gesamte Opernwelt als am 19.8.2009 die Meldung über die Presse kam, dass KS Hildegard Behrens tot ist. Alles kam überraschend, ohne Vorbereitung, insbesondere die Familie der Opernsängerin wurde wie vom Blitz getroffen.
"Sie war gerade in den Vorbereitungen für ein Festival in Japan, als ihr plötzlich schlecht wurde und sie sich ins Krankenhaus bringen ließ", so erfuhr es selbst Sohn Philipp Behrens von den Organisatoren des Festivals in Japan. Und dann ging alles ganz schnell, sie sollte das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen, ein Aneurysma hat sich so unglücklich gebildet, dass jede weitere ärztliche Hilfe zu spät kam. Kein Zeit zum Abschied, aber viel Zeit zur Erinnerung bleibt uns heute. Ein Meilenstein der Geschichte ist die bei EMI Classics erschienene "Salome", unter der Leitung von Herbert von Karajan. Es spielen die Wiener Philharmoniker, Agnes Baltsa interpretiert Herodias, José van Dam den Jochanaan. Eine Spitzenbesetzung! Aufgenommen wurde die Platte im Sofiensaal in Wien, die Premiere war einst bei den Salzburger Festspielen, anno 1977, und dass diese Aufführung zustande kam ist Herbert von Karajan zu verdanken, welcher Hildegard Behrens gerade zu "zwang" für ihn die Salome zu singen. "Ich hatte eine Aufführung in Nordrhein-Westfalen, es war die Marie in "Wozzeck". Singen gehörte für mich abseits meines damals gewählten Berufes als Juristin zu meinem größten Traum, es war wie eine Sucht, auf der Bühne zu stehen", erinnert sich Hildegard Behrens 2002 in einem Privatgespräch. Herbert von Karajan wurde auf Behrens und ihre Marie aufmerksam gemacht und reiste nach Deutschland, um sich Behrens anzusehen. Er sei - so Behrens in ihrer Erinnerung - vom ersten Moment an von ihr fasziniert gewesen, ja belästigte sie, sie müsse nach Salzburg kommen und für ihn die "Salome" singen. "Ich dachte ein Irrer steht vor mir", so Behrens. "Aber er ließ nicht locker und meinte, ich solle mir das Ganze nur einmal anschauen, ich könne jederzeit wieder abreisen, wenn ich es doch nicht machen möchte". Zur Abreise kam es nicht mehr, denn Behrens konnte sich Karajans Magie nicht entziehen und absolvierte eine "Salome", wie sie bis heute unvergleichlich ist.Hört man sich die Aufnahme an so meint man, dass Behrens jedes gesungene Wort lebt und erlebt. Ein Beispiel findet sich kurz bevor sie den Kopf des Jochanaan präsentiert bekommt. Salome schickt einen Wächter in den Kerker, in welchem Johannes der Täufer gefangen gehalten wird, mit dem Befehl, ihn köpfen zu lassen, damit sie ihn endlich küssen kann."Es ist kein Laut zu vernehmen.", heißt es im Text. "Ich höre nichts. Warum schreit er nicht, der Mann? Ah! Wenn einer mich zu töten käme, ich würde schreien, ich würde mich wehren, ich würde es nicht dulden." Unbeschreiblich unter die Haut gehend, wie Behrens den halbgesprochenen, halbgesungenen Text in Deklamation und Ausdruck versetzt. Hörempfehlung live: "Salome" in Dresden, 2011. Mit Nadja Michael in der Titelpartie.
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