Händel und Mozart - Seltsame Verbindung und ausgezeichnete Interpretation
Georg Friedrich Händels Ranking bezüglich der weltweiten Aufführung seiner Werke verbesserte sich in den vergangenen sehr stark - allein auf dem Gebiet der Oper zählt er mittlerweile neben Mozart, Puccini und Verdi zu den meist gespielten Komponisten.
Dass Händel auch Mozart inspiriert hat, mag verwundern, umso mehr, da man sich im Zeitalter der Klassik bewußt von barocken Stilistiken verabschiedet hat, um Neues zu kreiieren. Händels "Messiah" hat jedoch auch die "Klassiker" beeindruckt, jenes Oratorium, welches in sich ein Gesamtkunstwerk ist, insbesondere, weil Altes und Neues Testament genial miteinander verbunden werden. Helmuth Rilling, das Bach-Collegium Stuttgart und die Gächinger Kantorei haben mit der bei hänssler Classic erschienenen Einspielung "Der Messias" in der Bearbeitung von Mozart eine Werkdokumentation vollbracht, die einerseits beweißt, dass Bearbeitungen nichts weiter als das Ergebnis eines Zeitgemacks sind, andererseits, dass profunde Kenntnisse der historischen Aufführungspraxis zum perfekten Hörerlebnis ausarten können. Bezüglich des Zeitgeschmacks sei gesagt, dass für Mozarts Zeitgenossen und Hörerschaft der "Messiah" gekürzt wurde und die Händelsche Instrumentation teilweise stark verändert wurde. Händels Werk wurde zwar auch in der Klassik noch bewundert, doch galt es als "weit zurück" und "holprig", zu schwerfällig eben. Insofern muß die vorliegende Einspielung als "Kind seiner Zeit" betrachtet werden. Bezüglich der Interpretation sei erwähnt, dass Rilling unter Auswahl des Raumes, in welchem die Einspielung stattgefunden hat, wie auch unter Beachtung aller Mozartianischen Vorgaben einen Klang erzeugt, welcher jeglichen Streit zwischen barocker und klassischer Manier vergessen läßt.
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