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Gaetano Donizettis Lucrezia Borgia - die Wiederkehr eines Meisterwerks

Donizetti

Er wurde viel zu lange unterschätzt, viel zu wenig als der Wegbereiter Verdis betrachtet und sein Werk viel zu wenig aufgeführt - insbesondere was Oper betrifft. Die Rede ist von dem aus Bergamo stammenden Komponisten Gaetano Donizetti.

Angefangen hat die Unterminierung und Demontage seiner kompositorischen Meisterschaft in Wien. Nach seinem Todesjahr (1848) wurden zwar immer noch zahlreiche Werke von ihm aufgeführt, doch sukzessive wurde er durch Verdi ersetzt (die Wiener und Wienerinnen erkannten im übrigen keinen großen Unterschied zwischen der Musik Verdis und Donzettis), bis schliesslich Gustav Mahler ihn in seiner Funktion als Operndirektor mehr oder weniger komplett vom Programm nahm, um Richard Wagners Oeuvre Platz zu machen.

Es folgten Jahrzehnte weniger Aufführungen von Donzettis Opern, erst die Sängerinnen Maria Callas und Joan Sutherland entdeckten ihn als genialen Komponisten wieder, und es begann eine langsame, aber stetige, Renaissance seiner Opernmusik. In den achtziger und neunziger Jahren war es schlussendlich die Koloratursopranisten Edita Gruberova, welche Donizetti in großem Umfang vom Staub der Archive befreite (insbesondere gemeinsam mit dem Dirigenten Marcello Viotti).

Ob die Oper "Maria Stuarda", "Roberto Devereux", "La Favorita" oder "Anna Bolena" - allesamt sind einzigartige Bausteine, ohne welche das Haus "italienische Oper" nicht weitergebaut hätte werden können.

Auch "Lucrezia Borgia" gehört zu dieser Serie. Die Titelfigur ist vielen allseits bekannt, ebenso wie der Clan der Borgias. Giftbecher, Macht und Intrigen verbindet man am ehesten mit diesem aus Spanien stammenden Geschlecht. Donizetti wurde auf den Stoff durch ein Drama von Victor Hugo aufmerksam, der Lucrezia zur Kernfigur seines Stückes gemacht hat. Er zeichnet Lucrezia als Übeltäterin, Mörderin, eine unzufriedene Frau, die nur von Hass erfüllt ist.

Material, das für eine Oper geeignet ist? Ja, aber irgendwie fehlt der Pathos, das Mitleid. Felice Romani, dem Librettisten der Oper, gelingt ein Kunstgriff: Er dichtet Lucrezia einen Sohn an und verwandelt die vom Bösen erfüllte Titelfigur in eine Mutter, welche mit ihrem Schicksal als Borgia hadert und voller Gefühle für ihren Sohn ist, der wiederum nicht weiss, dass sie seine Mutter ist (fast bis zum Schluss der Oper).

Eine CD-Aufnahme mit einer hervorragenden Sängerschaar sei hier an erster Stelle erwähnt: Lucrezia Borgia, mit Ingvar Wixell als Alfonso, Joan Sutherland als Lucrezia, Giacomo Aragall als Gennaro und Marilyn Horne als Orsini. Kein geringer als Richard Bonynge steht am Dirigierpult, es spielt das National Philharmonic Orchestra. Man spürt bei dem der Sänger die Dramatik der Worte, insbesondere Ingvar Wixell ist unübertroffen in seiner Rolle als Alfonso, der voller Rachegefühle ist und mit diesen Gefühlen in der Aussprache seiner Worte verbunden mit der Musik Donizettis absolute Gänsehaut erzeugt. Und dann Marilyn Horne - gab es je einen besseren Orsini?  Die Aufnahme ist bei Decca Records erschienen und im Jahr 1977 entstanden.

Nikolaus Bachler - ehemals Burgtheaterdirektor, jetzt Chef des Münchner Nationaltheaters - hat sich 2009 mit Regisseur Christof Loy wirklich etwas getraut, als im Februar "Lucrezia Borgia" als Premiere angesetzt wurde, in der Titelpartie mit Edita Gruberova. Einerseits wurde ein Werk aufgeführt, das nicht "La Traviata" heisst, und bei welchem mit dem Werktitel nicht gleich tausend Ohrwürmer in Erinnerung kommen, andererseits gelang es dem Planungsteam Gruberova für eine Inszenierung zu gewinnen, welche durch die Ausstattung auf jeden Fall als "sehr modern" bezeichnet werden kann, der wunderbaren Roben und Kostüme wegen eher weniger. Die Aufführung wurde frenetisch gefeiert - der Chor bestand aus rein jungen Stimmen, das Orchester der Bayerischen Staatsoper befand sich in Spitzenlaune, jeder Ton war ein Fest für sich. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals "Die Vorstellung endet mit einem Jubelsturm. Gruberova, die 'schillernde Großmutter' (Zitat Nikolaus Bachler), verzückt sie alle, die Jungen und vielen Alten, die Studenten und Honoratioren, selbst politisch Schwarze und Rote sind sich einig."

Weitere Aufführungstermine in München sind: 18., 23., 28.3. und 2.4.2011, in Wien wird die Oper 2010 am 2., 6., 10., 14. und 18.10. erstmals wieder zu sehen sein.

 

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