Ein Plädoyer für Maazel
Keine Ahnung, was den Autor der Süddeutschen Zeitung einst dazu getrieben hat, einen wahren Frontalangriff auf Lorin Maazel zu machen.
Natürlich ist es so, dass Maazel nicht mehr der jüngste ist, wenn er die Münchner Philharmoniker, eines der besten Orchester Europas, übernimmt. Er hat sich jedoch dazu entschlossen und ist willens, seinen Auftrag durchzuziehen. Wenn wir mit dem Alter argumentieren, müßten wir mehrere "Greise", die immer noch Musik machen, ins Boot ziehen, solche wie Michael Gielen, Agnes Baltsa, Placido Domingo, Edita Gruberova, u.v.a.m. - das Alter kann kein Argument sein. Darüber hinaus würde eine Inschutznahme der Münchner Philharmoniker nicht gut ankommen, hat sich doch der Vorstand und die Intendanz gegen Thielemann ausgesprochen. Hierin liegt vielmehr die Crux überhaupt, denn Thielemann wollte nichts als mehr Einfluß auf die Programmgestaltung haben, mehr mit den Münchnern machen, als es im per Vertrag erlaubt ist. Es ist eher die alte Devise: selten funktionieren Intendanz und Dirigat gemeinsam gut, weil die Meinungen oft zu sehr auseinander gehen. Ausnahmen bestätigen die Regel, wie wir bis jetzt an der Wiener Staatsoper beobachten können. Franz-Welser Möst ist Generalmusikdirektor, Dominique Meyer Staatsoperndirektor. Schauen wir uns das Programm der kommenden Saison an, so gibt es eine klare Aufgabenteilung und Welser-Möst hat sich, zumindest bis heute, nicht geäußert, dass sein künstlerischer Aspekt in dieser "Ehe" zu kurz kommt. Nein - Maazel ist immer noch ein sehr guter Dirigent, Verdi-Spezialist, Mahler-Fachmann, und Klassik-Kenner par coeur. Er wird das Kind schaukeln, Musik ist sein Leben, schon immer gewesen.Daher: Abwarten, was kommt. Und es ist wohl der geeignetste Kandidat für die Münchner Intendanz - das Publikum wird schon mit gehen, früher oder später.Spitzenklasse der italienischen OperGiuseppe Verdi, Aida
Dirigent: Lorin Maazel, Solisten: Luciano Pavarotti, Leo Nucci, Maria Chiara
Orchestra del Teatro alla Scala, Coro del Teatro alla Scala
Erschienen bei: Decca Records, 1988
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