Capella Augustina: Die Schöpfung
Es ist so eine Sache mit der "Schöpfung" von Joseph Haydn. Immer, wenn dieses 1798 in Wien uraufgeführte Werk zur Aufführung gelangen oder auf CD gepresst werden soll, herrscht oft rege Aufregung bei den Interpreten oder Organisatoren, die sehr berechtigt ist. Wie soll das Tempo gewählt werden? Wie groß darf das Orchester sein? Wer soll das Werk dirigieren? Kennt "Die Schöpfung" nicht eh schon jeder?
Eine Entdeckung in jedem Fall ist die bei Naxos erschienene Gesamtaufnahme der "Schöpfung", dargeboten von der Capella Augustina und dem VokalEnsemble Köln, unter der Leitung von Andreas Spering. Die Capella Augustina, ansässig in Deutschland und wichtiger Teil der Schlosskonzerte Brühl, erarbeitet all ihr Repertoire in einer spezifischen Musiksprache und auch nach den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis. Die Aufführungsliste der Capella Augustina erstreckt sich vom Barock bis zu den Werken des frühen 20. Jahrhunderts. Die Pflege barocker Opern sowie des Oratorienschaffens der Wiener Klassik bilden den Schwerpunkt in der Arbeit der Capella Augustina.Wenn der erste große Tuttischlag zur "Vorstellung des Chaos" erklingt, erschrickt man weniger über das Forte, als über die Tatsache, wie schnell er wieder verklingt. Kurz und prägnant, wie die gesamt Interpretation der "Schöpfung" auf dieser CD gestaltet ist. Kein Tempo scheint zu schnell, keines zu langsam gewählt. Die Sopran- und Chorarie "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" ist ein Hörgenuß an präziser Rhythmik, nichts ist schleppend, alles lebt, quirlt - ja man fühlt sich an Interpretationen von Nikolaus Harnoncourt erinnert, nur dass es nicht der Concentus Musicus ist, der da spielt, sondern die Capella Augustina. Ein besonderes Lob auch für die Sänger, insbesondere die Sopranistin Sunhae Im. Welch' fantastische Wortaussprache, verbunden mit einem reinen und edlen Timbre. Daher sei abschliessend gesagt: So groß die Vorbereitungen zu dieser Aufnahme auch gewesen sein mögen, so viele Fragen wie auch immer vielleicht aufgeworfen wurden, es ist alles bestens gemacht und verdient hohe Anerkennung! Weitere Hörempfehlung: English Baroque Soloist, unter John Eliot Gardiner. Weniger empfehlenswert: die "Schöpfung" unter Eugen Jochum.
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