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Bayreuth: Weg mit diesem Ring!

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Zum letzten Mal muss das Bayreuther Publikum diesen Festspielsommer sich durch Richard Wagners Ring der Nibelungen in der Inszenierung von Tankred Dorst quälen. In der Götterdämmerung stolpert ein entstellter Siegfried-Tölpel mit roter Clown-Perücke durch die Gegend, auf Brünnhildes Felsen kommt ein Bauarbeiter in orangenem Schutzgewand die Kollateral-Schäden durch Loges Feuersbrunst inspizieren, und nach wirrem Untergang Walhalls kommt ein Pärchen mit Fahrrad auf die Bühne um sich freudig (worüber?) zu umarmen. Will Dorst sich über das Stück lustig machen? Ist ja sein gutes Recht, warum ihn aber engagieren?

Schade, denn die musikalische Darbietung unter der Leitung Christian Thielemanns ist Weltklasse. Bayreuth hat ja alle Trümpfe in der Hand: die Akustik und die Sicht ist für alle im Publikum hervorragend, die Pausen sind adäquat lang. Linda Watson als Brünnhilde aber macht den Abend endgültig zunichte, so ein statisches Vorsingen, ein so unmotiviertes Dahinspielen kann die durchaus schöne Stimme nicht kompensieren. In dieser Oper ist Brünnhilde der treibende Faktor, die wichtigste Person.


Also für den Ring am besten nach Wien fahren oder nach L.A (Blog folgt). Bei Sven-Eric Bechtold in Wien kann man gut sehen, dass feine Personenführung viel wichtiger ist als Slapstick. Die Charaktere verwandeln sich in Fleisch und Blut, die Emotionen sind voll sichtbar und nur so kann der Zuseher und -hörer mitgerissen werden. Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker sind hervorragend (vor allem in der ungedaempften Version von Siefrieds Tod), Eva Johansson eine packende, energische Brünnhilde. Und mit Eric Halfvarson singt in Bayreuth, Wien und L.A. (!) der Hagen unserer Zeit.

Thielemanns Ring-Gesamteinspielung findet man übrigens bei Opus Arte. Die Aufführung der Walküre wird im Live-Stream am 21. August 2010 übertragen unter http://www.bayreuther-festspiele.de/ für 14,99€. 


PS: Wann findet sich endlich ein Sponsor für gepolsterte Rückenlehnen in Bayreuth?!

 

Für alle Wagnerfans der Standard

Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen
Dirigent: Josef Keilberth, Solisten: Hans Hotter, Astrid Varnay, Wolfgang Windgassen, Toni Blankenheim
Orchester der Bayreuther Festspiele, Chor der Bayreuther Festspiele

Erschienen bei: Testament, 1955

 

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