Nonobach

Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 

La Resurrezione - Meisterlich vom Meister für Meister geschrieben

Fmruspoli

Georg Friedrich Händel war gerade 23 Jahre alt, als er sich in Rom aufgehalten hat. Er war schon immer eloquent und wußte sehr früh, wie wichtig Kommunikation und das "im Gespräch sein" ist. Indem er sich in die Gesellschaften (davon auch höhere) der damaligen Zeit "geschmissen" hat, hat er Menschen kennengelernt, die ihm wohlgesonnen waren, und ihn mit Aufträgen versehen, u.a. auch, weil sie sein Talent erahnten.

Ein gewisser Marchese Ruspoli (siehe Abbildung) orderte ein Oratorium, Händel folgte dem Auftrag und komponierte "La Resurrezione". Die Uraufführung war 1708 im Palast des Marchese. Die Handlung ist rasch erzählt: Fünf Personen - Luzifer, ein Engel, Maria von Magdala, Johannes der Jüngere und Maria des Kleophas - streiten um die Bedeutung des Todes Jesu, wie auch um die Auferstehung.

Händel komponiert hier ganz in italienischer Manier, jedoch erkennt man eindeutig schon seine eigene Handschrift, die Handschrift eines Meisters. Und diese Meisterhandschrift kommt am besten mit Marc Minkowski und seinen Musiciens du Louvre Grenoble zur Geltung, denn alles - wirklich alles - ist bis ins Detail durch- und ausmusiziert. Anmutender Barock verknüpft mit großer Leidenschaft für große Geistesthemen (Tod, Auferstehung).


Genuß, Genuß, Genuß

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Les Musiciens du Louvre Grenoble
Dirigent: Marc Minkowski, Interpreten: Jennifer Smith, Linda Maguire, John Mark Ainsley, Laurent Naouri
Erschienen bei: Archiv / Deutsche Grammophon, 1995

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Marsch, Marsch - Feuerwerksmusik mit Drill

Pinnock-manson

Händels "Feuerwerksmusik" ist heutzutage die Hymne für feine englische Anlässe schlechthin. Wo findet sich mehr Opulenz und Stil, wenn nicht hier?

Trevor Pinnock, einer der 'Altmeister' der Wiederbelebung der historischen Aufführungspraxis, meiselt dem Zuhörer mit seinem English Concert Händels geniale Harmonik ins Ohr, hier bleibt kein Stein auf dem anderen ruhig liegen. Insbesondere "La Réjouissance" mutet militärisch an, ein zündender Gedanke und absolut passend zur Repräsentation seiner Majestät, dem englischen König.

Und so war es auch, denn der einstige König Georg II. wollte ein Freiluftspektakel mit Musik zur Feier des Aachener Friedens, welcher das lang erwartete Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges bedeutete. Die Musik sollte laut Auftrag des Königs Georg II. kriegerisch klingen und im Prinzip nur von Militärinstrumenten (und damit ohne Streicher) gespielt werden. So war es, und auch wenn sich die Chronisten bis heute nicht einig über die Anzahl der Musiker sind, steht jedoch fest, dass Händel erst nach dem Freiluftspektakel eine Konzertfassung (mit Streicher) von dieser "Feuerwerksmusik" verfasst hat.

Meilenstein und Referenzeinspielung

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
The English Concert
Dirigent: Trevor Pinnock
Erschienen bei: Archiv/Deutsche Grammophon, 1984

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Grandioser historischer Klang mit "Feuerwerksmusik"

Handel_denk

So muß er sein, der historischer Klang. Das kanadische Ensemble Tafelmusik ist mit seiner Interpretation der "Feuerwerksmusik" wohl eine der besten Referenzeinspielungen für die Musik von Händel. Hier hört man das Holz, die Handmechanik, die manchmal logischerweise auftretende Unperfektion einer Trompete, welche zu Händels Lebenszeit noch keine Klappen besaß. Jede Note ist klar und deutlich formuliert.

Nur wenige Jahre später nach der Gründung des Boston Baroque ist 1979 das Ensemble Tafelmusik enstanden. 1981 dann wurde das Orchester wesentlich vergrößert und ist nun mehr in der Lage, auch Beethoven oder Mozart interpretieren zu können, nicht nur den Barock.

Eine weitere wunderbare Aufnahme des Ensembles ist die zuletzt erschienene CD mit Beethovens Sinfonie Nr. 7 und Nr. 8. Am Pult steht Bruno Weil.

Fazit: Sprachlos

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
Ensemble Tafelmusik
Dirigent: Jeanne Lamon
Erschienen bei: Sony Music, 1997

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Die Amerikaner haben es drauf: Händel in höchster Spielkultur!

Boston

Martin Pearlman, der künstlerische Leiter und Dirigent des Boston Baroque, kann sich glücklich schätzen: Er arbeitet mit wahren Barock- und Klassikspezialisten zusammen, allesamt sehr musikalisch und für jede Materie begeisterungsfähig noch dazu.

Die Aufnahme der Händelschen "Feuerwerksmusik" in jedem Fall ist grandios: majestätisch, ehrfürchtig, ein genialer Basso Continuo (vor allem mit Gefühl vorgetragen) - was will man mehr.

1973 wurde von Pearlman das Ensemble "Boston Baroque" gegründet. 2003 kamen die Musikerinnen und Musiker zum ersten Mal mit einer Tour nach Europa, u.a. war Georg Friedrich Händels "Messiah" mit im Gepäck. In nahezu allen Städten, welche eine Aufführung erleben durften, gab es standing ovations.  Das Musikmagazin Fanfare urteilt: " (...) Boston Baroque ist eines der ersten Ensembles der Welt mit historischer Aufführungspraxis gewesen."

Bis der Klangkörper nach Europa wieder einmal kommt, wird es noch 1-2 Jahre dauern. Es ist halt trotz aller Qualität immer eine Frage des Geldes, insbesondere, was das Reisen angeht.

Händel vorbildhaft gemacht

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
Boston Baroque
Dirigent: Martin Pearlman
Erschienen bei: Telarc, 2002

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Il Fondamento mit gediegener Händeleinspielung

Il_fondamento

Die Einspielung der "Feuerwerksmusik" des belgischen Ensembles Il Fondamento ist ein wenig enttäuschend geraten, wenn auch solide gemacht.

Das Ensemble bemüht sich seit Jahren um die historische Aufführungspraxis, gräbt verschollene Werke wieder aus und bringt so manche Rarität ans Tageslicht. Das zeigt auch die jüngste Tour "Rule Britannia", mit Werken von Croft, Arne und Purcell.

Doch bei Händels "Feuerwerksmusik" fehlt irgendwie der zündende Funke. Einzig das "Menuett" sprüht voller Lebensfreude, ist gewitzt, kantig-rhythmisch, so wie es eben sein sollte.

Note 3

Feuerwerksmusik, HWV 351
Il Fondamento
Dirigent: Paul Dombrecht
Erschienen bei: Passcaille, 1997

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Feuerwerksmusik von G.F.Händel mit Le Concert Spirituel

Handel

Georg Friedrich Händel ist ein Meister der Tonverrückungen, der Modulationen. Keiner wie er hat Rhythmus so kongenial mit Melos verbunden und schließlich so vielfältig in sein eigenes Werk hinein komponiert.

Die "Feuerwerksmusik" ist vom Aufbau her eine ganz gewöhnliche Orchestersuite. Kein anderes Werk des instrumentalen Barockzeitalters hat wohl in den letzten Jahren derart viele Interpretationsansätze hervorgerufen, wie dieses Oeuvre des Maestro aus Halle.

Hervé Niquet hat sich famos und brilliant eine 'Massenbesetzung' ausgedacht, was Händel mit Sicherheit gefallen würde, da er einst bei der Uraufführung des Werkes nicht soviel Musiker zur Verfügung gehabt hat. 26 Oboen, 15 Flöten, 12 Fagotte, 2 Kontrafagotte, 9 Naturtrompeten, 9 Naturhörner, 20 Violinen, 8 Violen, 8 Celli und 6 Bässe sind das Ergebnis.

Und auch wenn man jetzt denken könnte, dass das erschlagen mag, ist dem nicht so. Die vorliegende Einspielung mit Le Concert Spirituel kann eindeutig als Referenzeinspielung angesehen werden.

Bravo zum Mut

Georg Friedrich Händel, Feuerwerksmusik, HWV 351
Le Concert Spirituel
Dirigent: Hervé Niquet
Erschienen bei: Glossa, 2002

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Bach in England? Ist schon passiert!

Butt

Köthen, Leipzig, Arnstadt, Lüneburg, Eisenach, Mühlhausen und Ohrdruf, das war es mit den Johann Sebastian Bach - Lebensstationen was Städte betrifft. London? Dort war er nie, auch nicht in England. Sein Wohnlebensradius war klein.

Was wäre wohl passier, wäre er auf eine Einladung hin oder anderweitig nach England gekommen? Wir wissen es nicht. Dass Bach jedoch von englischen bzw. Musikern genauso gut musiziert wird, wie von anderen, das belegt die vorliegende CD mit der Interpretation der h-Moll Messe des Schotten John Butt.

Nichts, aber auch gar nichts, wird hier ausgespart: solistisch besetzte Chorsätze (wie bei Minkowski), kraftvolle Trompeten- und Hornklänge, nebst kammermusikalischen Einlagen - alles ist vorhanden, klingt wohlgeformt und - vor allem - wohl durchdacht.

Der Musikwissenschaftler Joshua Rifkin "predigt" seit Jahren schon, dass Bach seine Chorsätze nur solistisch besetzt hat. Der deutsche und renommierte Musikverlag Breitkopf & Härtel nahm sich dieser Thesen an und veröffentlichte im Jahr 2006 die Urtextausgabe der Bachschen h-Moll Messe. Seitdem widmen sich immer mehr Ensembles, Dirigenten und Interpreten dieser (wahren) Fassung der h-Moll Messe.

John Butts Einspielung braucht sich nicht hinter Jacobs oder Brüggen verstecken - im Gegenteil.

Note sehr gut

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232
Dunedin Consort & Players
Dirigent: John Butt, Interpreten: Susan Hamilton, Cecilia Osmond, Margot Oitzinger, Thomas Hobbs
Erschienen bei: Linn Records, 2009

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Mehrstimmigkeit in aller Deutlichkeit mit Cobozscher Leseart der h-Moll Messe

Coboz

Carl Friedrich Zelter hat Johann Sebastian Bachs h-Moll Messe als "das größte Kunstwerk, dass die Welt jeh gesehen hat" beschrieben, anno 1811. Auch Haydn, Mozart und Beethoven sind nachgewiesene Bewunderer dieser Messe. Bis heute jedoch weiß man nicht, ob das Entstehung der gesamten Messe eher einem Zufall zu verdanken ist, in dem Bach einfach immer wieder diverse Mess-Teile zum Einzelgebrauch vertont hat, bis er sie schlussendlich zusammenfügte, oder ob Bach von Beginn an eine komplette - im katholischen Sinne - Messe verfassen wollte.

Fakt ist, dass diese Messe voller Fugen und Polyphonie ist und es wohl selten eine Aufnahme gibt, bei welcher gerade Bachs musikalisches Mittel der Fuge so deutlich beim Zuhören ankommt, wie bei der Einspielung von Michel Coboz.

Musikalisch entschlackt (außer was den Orchestersatz betrifft, der manchmal etwas breiig daherkommt) interpretiert Coboz die h-Moll Messe als furioses und glanzvolles Werk, womit er sich der Interpretation Frans Brüggen annähert.


Polyphoner Wohlklang

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232
Ensemble Instrumental & Vocal de Lausanne
Dirigent: Michel Coboz, Interpreten: Yumiko Tanimura, Valérie Bonnard, Sébastien Droy
Erschienen bei: Mirare, 2008

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Mächtig, mächtig - ein Bachsches Trompetenfest

Jacobs

Wenn wir bei Marc Minkowski von einem "enfant terrible" der Barockinterpretation reden (siehe blog Minkowski, h-Moll Messe), können wir René Jacobs eigentlich gleich auch dazu gesellen.

Jacobs ist ein Kenner und Maestro des Details, auch - wie Minkowski - der historischen Werkinterpretation. Und selbst wenn er überhaupt nicht richtig Dirigieren kann, die Phrasen einzelner Passagen nicht händisch ausmalt, sondern stumpf den Takt vorgibt, sei es ihm verziehen, denn er hat ein unglaubliches Talent Barockmusik und Musik der Klassik authentisch erklingen zu lassen.

Ein Beispiel für die Empfindsamkeit des ehemaligen Countertenors ist seine Einspielung der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach, welche einem Meilenstein der Bachinterpretation gleich kommt und eine Referenzeinspielung darstellt. Die Sätze "Et ressurexit", oder auch das "Gloria" gleichen einem Fest für jeden Trompetenspieler und Liebhaber dieses Instrumentes.

Ein großes Lob noch für den RIAS Kammerchor, welcher beeindruckend artikuliert und sich willenlos und ohne Übertreibung dem Fluss der Bachschen Melodieeingebung hingibt.


wertvolle Referenzeinspielung

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232
Akademie für Alte Musik Berlin, RIAS Kammerchor
Dirigent: René Jacobs, Interpreten: Hillevi Martinpelto, Bernarda Fink, Matthias Goerne, Christophe Prégardien
Erschienen bei: Berlin Classics, 1992



 

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Johann Sebastian Bach als Schüler des ehrwürdigen Gent

Herreweghe

Gent liegt in Flandern, eine geschichtsträchtige Region in Belgien. Menschen, die in Flandern leben, nennt man Flamen. Und seit Urzeiten ist wenn auch nicht vieles, aber eines bekannt: aus der Gegend um Gent die berühmte Franko-Flämische-Schule entstanden ist, welche die Musikgeschichte nach Palestrina entscheidend verändern sollte und verändert hat. So wurde die Sext und die Terz als ein konsonantes Intervall anerkannt, die Fünf- und Sechsstimmigkeit wird ausgebaut und zum Standard. Bedeutende Komponisten dieser großen Musikepoche sind Johannes Ockeghem oder auch Guillaume Dufay.

In Anlehnung an dieser traditionsreiche (flämische) Musikzeit hat der Dirigent Philippe Herreweghe 1970 das Collegium Vocale Gent gegründet, ein Ensemble, welches sich besonders auf die Interpretation von Barockkomponisten spezialisiert hat, wobei in den letzten Jahren auch immer wieder vermehrt klassische und romantische Werke zur Interpretationsgeschichte des Ensembles hinzugekommen sind.

Hört man Herreweghes Ansatz der Bachschen h-Moll Messen Interpretation, werden Minkowski Ideen wieder deutlich. Der Verdacht liegt nahe, dass Minkowski sich entweder mit Herreweghes Partiturlesweise auseinandersetzt hat (wohl nicht umgekehrt), oder dass Minkowski eben genauso spürt und empfindet, wie Herreweghe. Schlicht und schlank sind die chorischen wie die instrumentalen Sätze gehalten, eben so, wie zu Zeiten von Bach. Ein sehr gelungene Einspielung, die mittlerweile zum Standard gehört.

 

Bach-Standard Einspielung

Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe, BWV 232

La Chapelle Royale, Collegium Vocale Gent

Dirigent: Philippe Herreweghe, Interpreten: Veronique Gens, Agnes Mellon, Andreas Scholl, Peter Kooy, Christophe Prégardien

Erschienen bei: Harmonia Mundi, 1997

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