Nonobach

Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 

Herreweghe nimmt sich Beethovens Fünfter an

Desingel_3058

Dass Harnoncourt vor Jahren auch die Oper "Aida" von Verdi dirigiert hat, mußte mit großem Erstaunen festgestellt werden. Was haben jene, welche Jahrzehnte zuvor die Wiederbeleber der Alten Musik waren, mit einem Mal in der Klassik oder in der Romantik zu suchen?

Philippe Herreweghe, auch einer der "jenen", hat sich inzwischen mit seinem Royal Flemish Philharmonic Orchestra Beethoven angenähert und weiß auf die zuvor gestellte Frage eine passende Antwort: "Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man sich ständig weiter entwickelt, im und außerhalb des Kernrepertoires. Die Kantatenaufnahmen der Sechzigerjahre Jahre finde ich heute schrecklich, aber das Publikum war damals interessiert und begeistert, weil alles so neu war. Das Publikum verlangt immer nach Neuem."

Gesagt, getan. Herreweghes Beethoven ist - ähnlich wie bei Giovanni Antonini - frisch, voller Dynamik und schön transperent musiziert. Und selbst wenn Herreweghe wohl weiß, dass er bei Beethoven insbesonders nicht mehr ausschliesslich (wie bei Alter Musik) mit alten Instrumenten mit Farbklang imponierend überzeugen kann, findet er andere Wege, um der historischen Aufführungspraxis Respekt zu zollen: mit Artikulation und Rhythmik.

Einfach genial

Ludwig van Beethoven, 5. und 8. Sinfonie, op. 67/92
Dirigent: Philippe Herreweghe, Royal Flemish Philharmonic Orchestra

Erschienen bei: Pentatone, 2007

 

Hinterlegt in  //   Ludwig van Beethoven   Philippe Herreweghe   Royal Flemish Philharmonic Orchestra  
Per email 

Kommentare [0]

kammerorchesterbasel: fulminante 5. und 6. Sinfonie Beethovens

Ludwig-van-beethoven_conductin

Das kammerorchesterbasel wurde 1984 von Absolventen verschiedener Schweizer Musikhochschulen gegründet und gehört heute zu den international gefragten Kammerorchestern Europas. Mit seinen Programmkombinationen von Alter und Neuer Musik führt das kammerorchesterbasel eine Tradition fort, die der Musikmäzen und Dirigent Paul Sacher von Basel aus äusserst erfolgreich etabliert hatte.

Auch Beethoven entkam der Euphorie des kammerochesterbasel nicht und wurde einer Frischzellenkur unterzogen. Was Giovanni Antonini aus dem Orchester und aus der Partitur herausholt ist einzigartig.

Das Magazin Rondo spricht von "aggressiv, kraftvoll, schlank und anmutig" - diesem Urteil ist kann nichts hinzugefügt werden.

Besonders die 5. Sinfonie ist bei der vorliegenden Einspielung lobend hervorzuheben. Hier geht es nicht um die Idee, Beethovens Wut über seine Umwelt in das Werk hineinzuinterpretieren, nein, vielmehr geht es hier allein um die Freude am Musizieren, um die Demonstration, wie sehr Beethoven Könner des thematischen Durchführungsmodels. Jeder Satz dieser Sinfonie unter Antonini birgt ein neues Hörerlebnis.

Einfach genial

Ludwig van Beethoven, 5. und 6. Sinfonie, op.67/68
kammerorchester basel

Erschienen bei: Sony Music, 2008

Hinterlegt in  //   Giovanni Antonini   Kammerorchester Basel   Ludwig van Beethoven  
Per email 

Kommentare [0]

Concerto Köln brilliert mit weltlichem Bach

202_johann_sebastian_bach

Es ist ja kaum zu glauben, dass Johann Sebastian Bach uns auch weltliches Tonmaterial hinterlassen hat, angesichts der beruflichen Positionen, welche er bekleidet hat, welche stets - und leider fast ausschliesslich - geistliche Thematiken ins Zentrum seiner Kompositionsarbeit gestellt haben.

Mit den Orchestersuiten zeigt uns Bach, dass er die weltliche Tonkunst in der Tat nicht schlecht beherrschte und mit Sicherheit an reinen Lusthöfen, wie in Italien, seinen persönlichen Erfolg gefeiert hätte. Ob BWV 1068, BWV 1067, BWV 1066 oder BWV 1069 - eine jede Suite ist ein musikalisches Kleinod für sich.

Doch da Komponieren nicht ohne Interpretieren auskommt, liegt sehr viel Arbeit beim jeweiligen Ensemble, dieser reizvollen Melodik zu einer gewissen Geltung zu verhelfen. Frisch, herrschaftlich und brilliant legt Concerto Köln mit seiner Aufnahme einen Meilenstein, an dem man nun wahrlich schwer vorbei kommt.

Alles ist nach Maß musiziert, nicht zuviel, nicht zu wenig.

Idealer Barockklang von A bis Z

Johann Sebastian Bach, Orchestersuiten
Concerto Köln

Erschienen bei: Berlin Classics, 2009


 

Hinterlegt in  //   Concerto Köln   Johann Sebastian Bach  
Per email 

Kommentare [0]

Messiah "für die Ewigkeit" mit Christie

William-christie-02

Eine Aufnahme "Für die Ewigkeit" betitelte einst der Tagesspiegel Berlin die Interpretation William Christies von Georg Friedrich Händels "Messiah".

In der Tat beeindruckend ist die Aufnahme, zweifelsohne. Großen Wert legt Christie auf die Behandlung des Generalbasses, somit auch der Generalbaßgruppe (Celli, Cembalo) - wie im übrigen so oft, wenn Christie Händel unter die Fittiche nimmt. Und genau dadurch haben wir zwar einerseits die Leichtigkeit und Sinnlichkeit der Händelschen Musik verteten, andererseits ist jedoch ebenso ständig das Fundament präsent, auf welchem Händel seine Harmonien aufbaut: ein kunstvoll gestalteter Generalbaß, brilliant auskomponiert und stützend zur Melodie eines jeden Stücks, ganz nach der Pflicht der damaligen (barocken) Zeit.

Noch ein letztes Bravo in Richtung Tempi. Diese sind durchwegs sorgfältig gewählt, dem Text und dem Ausdruck der Melodie stets zu Diensten (Beispiele dafür sind die Arie "Rejoice Greatly, O Daughter Of Zion" oder der Chor "For Unto Us A Child Is Born".

"Für die Ewigkeit" ist nicht übertrieben.


Georg Friedrich Händel, Messiah, HWV 56
Les Arts Florissants, Les Arts Florissants Choir
Dirigent: William Christie, Interpreten:
Barbara Schlick, Sandrine Piau, Andreas Scholl, Mark Padmore
Erschienen bei: HM, 1993

Hinterlegt in  //   Barbara Schlick   Georg Friedrich Händel   Les Arts Florissants   Les Arts Florissants Choir   Mark Padmore   Sandrine Piau   William Christie  
Per email 

Kommentare [0]

Freiburg mit extrem leichtem Händelklang

Barock_freiburg

Dass Georg Friedrich Händels Musik innig ist, voller Statik sein kann, und in Ausnahmezuständen leichter als eine Feder, das ist ein Fakt. Doch Leichtigkeit kann auch übertrieben angewendet werden. So bei der vorliegenden Aufnahme des Freiburger Barockorchesters unter René Jacobs.

Die Deklamation des Chores ist tadellos, auch die Solisten sind hervorragend besetzt. Kein Zweifel. Aber René Jacobs taucht die komplette Partitur in eine zu künstliche Leichtigkeitswelt. Die Art dieser Interpretation kommt wunderbar an, insbesondere beispielsweise bei den Arien wie "He was despised and rejected of men" oder "Comfort y, my people, saith your God", gleich zu Beginn des in Dublin uraufgeführten Oratoriums. Doch bei einem Chorstück wie "For unto us a child is born" ist der Wunsch nahe, mehr Basis und Bodenständigkeit vernehmen zu wollen.

Leider nur eine plausible Aufnahme.

Georg Friedrich Händel, Messiah, HWV 56
Freiburger Barockorchester, Clare College Choir
Dirigent: René Jacobs, Interpreten:
Kerstin Avemo, Patricia Bardon, Lawrence Zazzo, Kobi van Rensburg, Neil Davies
Erschienen bei: HM, 2005


Hinterlegt in  //   Clare College Choir   Freiburger Barockorchester   Georg Friedrich Händel   Kerstin Avemo   Kobi van Rensburg   Neil Davies   Patricia Bardon   René Jacobs  
Per email 

Kommentare [0]

Für ein kleines Ensemble: Alle Achtung!

Speck

Namensgeber des Klangkörpers "Les Favorites" ist das Schloss Favorite bei Rastatt – jenes Lustschlösschen, das sich die Markgräfin Augusta Sybilla von Baden nach ihrer eigenen Vorstellung unter der Leitung des böhmischen Architekten Michael Ludwig Rohrer ab 1710 errichten ließ, und dessen sinnenfrohe Architektur den Musikern bei ihren Interpretationen als Vorbild dient.

Doch Vorbild für andere könnten sie selbst sein, denn selten gelingt es einem kleinen (doch eher unbekannten) Ensemble sich auf dem Musikmarkt so gut zu etablieren, dass man mit CD-Einspielungen beispielsweise auch eine Referenzeinspielung landen kann.

"Israel in Egypt" mit Les Favorites und dem Vocalensemble Rastatt (unter der Leitung von Holger Speck, siehe Abb.) ist eine solche Referenzeinspielung. Händels Oratorium besteht ursprünglich aus drei Teilen, das neben den aus Bibelzitaten zusammengestellten Teilen II und III auch den von Händel aus dem Funeral Anthem für Königin Caroline (1737) adaptierten Teil I enthält, der erst ab dem 19. Jahrhundert häufig gestrichen wurde.

Ein Bravo für eine solche musikwissenschaftliche Leistung!

Musikwissenschaftlicher Leckerbissen

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Les Favorites, Vocalensemble Rastatt
Dirigent: Holger Speck
, Interpreten: Antonia Bourve, Cornelia Winter, Terry Wey, Jan Kobow, Konstantin Wolff
Erschienen bei: Carus, 2008

Hinterlegt in  //   Antonia Bourve   Cornelia Winter   Georg Friedrich Händel   Holger Speck   Konstantin Wolff   Les Favorites   Terry Wey   Vocalensemble Rastatt  
Per email 

Kommentare [0]

Konkurrenzeinspielung: Hannoversche Hofkapelle mit "Israel in Egypt"

Kloster-maulbronn

Concerto Köln ist zwar unübertrefflich in Ausdruck, im Erzeugen von Klangeindruck und Präzision, was die Einspielungen von Händels Musik angeht, doch die Konkurrenz schläft nicht, und oft überrascht ein Ensemble, von dem man selbst als Liebhaber klassischer oder barocker Musik noch nie so richtig etwas gehört hat.

Im Konkreten ist das Ensemble Hannoversche Hofkapelle und der Maulbronner Kammerchor gemeint. Unter der Leitung von Jürgen Budday entfaltet das Ensemble einen absolut homogenen Klang mit seiner Interpretation und Einspielung von "Israel in Egypt". Selbst in der Doppelchörigkeit der einzelnen Teile herrscht perfekte Artikulation vor, man versteht jedes gesungene Wort (und dies auf CD, was sehr sehr selten ist, gerade bei grossen Chorwerken).

Der Instrumentalsatz hat jener Interpretation von Concerto Köln auch nicht nach zu stehen. Budday versteht es mit seinem Wissen über Musik, insbesondere über Barockmusik, die Konkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes auszustechen.

Dank sei hier auch der Manufactum Tochter K&K Verlagsanstalt. Ohne sie wären bis heute wahrscheinlich die wenigsten auf die Idee gekommen, einmal ins Kloster nach Maulbronn zu fahren.

Top Top Top!

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Hannoversche Hofkapelle, Maulbronner Kammerchor
Dirigent: Jürgen Budday, Interpreten:Miriam Allen, Sarah Wegener, David Allsopp, Benjamin Hulett
Erschienen bei: EKM, 2009

 

Hinterlegt in  //   Benjamin Hulett   David Allsopp   Georg Friedrich Händel   Hannoversche Hofkapelle   Jürgen Budday   Kammerchor Maulbronn   Miriam Allen   Sarah Wegener  
Per email 

Kommentare [1]

Concerto Köln brilliert mit Händels mächtigstem Oratoriumwurf

Concertokoeln

Wo philosophische Innigkeit zuhause ist, wo Wärme durch Extreme und starke Kontraste entsteht, lesen wir die Handschrift von Georg Friedrich Händel.

Sein Oratorium "Israel in Egypt" gehört zu jenen beschriebenen Werken.

Zwei Dinge sind bei diesem in gigantischem Ausmaß komponierten Oeuvre (was Instrumental- und Chorsatz betrifft) unbedingt hervorzuheben:

die tragende Rolle des Chores, welcher zu achtzig Prozent zur Gestaltung des Werkes beiträgt. Noch nie zuvor, weder im "Messiah" noch beispielsweise bei "Jephta" ist Händel so weit gegangen, dass der Chor zum non plus ultra einer Komposition wird.

Das Zweite: Händel hat zur Komposition dieses Werkes länger gebraucht. Die Dauer bis zur finalen Zusammenstellung der Komposition erinnert an die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach. Denn so wie Bachs letztes Chorwerk hat Händel erst ein Stück skizziert und separat aufgeführt. Es geht dabei um den Schlusschor, den er mit 'Moses Song' betitelt hat.

Die Uraufführung der finalen Fassung (welche drei Teile besitzt, nicht zwei) hat am Anfang April 1739 in London stattgefunden, im Theatre Royal Haymarket.

Concerto Köln und der Chor des Bayerischen Rundfunks geben mit der vorliegenden Aufnahme eine Glanzleistung ab.


Beste Einspielung Händelscher Chormusik

Georg Friedrich Händel, Israel in Egypt, HWV 54
Concerto Köln
Dirigent: Peter Dijkstra, Interpreten: Rosemary Joshua, Atsuko Suzuki, Kobi van Rensburg
Erschienen bei: BRKlassik, 2009

Hinterlegt in  //   Atsuko Suzuki   Chor des Bayerischen Rundfunks   Concerto Köln   Georg Friedrich Händel   Kobi van Rensburg   Peter Dijkstra   Rosemary Joshua   Simon Pauly  
Per email 

Kommentare [1]

Feurige "Wiederauferstehung"

Combattimento_consort_amsterda

Der Name "Combattimento" verspricht was er meint: Kampf. Was die Instrumentalsätze des Oratoriums "La Resurrezione" betrifft kann die Einspielung des Combattimento Consort Amsterdam wohl als Referenzeinspielung für Händelsche Musik gelten und als Kampfansage an unklare Interpretationen: Scharfe Akzentuierung, grandiose Melodiegestaltung und spitze Rhythmik kennzeichen die Interpretation des Instrumentalparts.

Dem Plus für das Ensemble ist ein Minus der Sängerschar gegenüber zu stellen. Nancy Argenta ist zwar stimmlich präsent, aber viel zu sanft in der Ausmalung diverser Affekte. Marcel Reijans versucht sängerisch zu retten, was zu retten ist. Der solistisch besetzte Chor wirkt nicht langweilig, sondern bemüht sich um den hymnalen breiten Ton, welcher Händel schon mit 23 Jahren den Aufführenden abverlangt.

Summa summarum ist die Aufnahme gelungen, kann aber nicht als Spitzenleistung angesehen werden.


Brave Einspielung

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Combattimento Consort Amsterdam
Dirigent: Jan Wilhelm de Vriend, Interpreten: Nancy Argenta, Maria Cristina Kiehr, Marijana Mijanovic, Marcel Reijans, Klaus Mertens
Erschienen bei: Challenge, 2001

Hinterlegt in  //   Combattimento Consort Amsterdam   Georg Friedrich Händel   Klaus Mertens   Marcel Reijans   Maria Cristina Kiehr   Marijana Mijanovic   Nancy Argenta  
Per email 

Kommentare [0]

Emmanuelle Haim versus Marc Minkowski

Emmanuelle-haim_153

Mein lieber Schwan: Sie ist Jahrgang 1962, kommt wie Minkowski aus Paris und hat sich als Cembalistin wie auch als Dirigenten inzwischen weltweit einen wirklich guten Namen gemacht. Nach ihrem Studium war sie lange als Continuobegleiterin tätig, auch als Assistentin von William Christie war sie stets an der Quelle der historischen Aufführungspraxis. Im Jahr 2000 machte sie sich vollkommen selbständig, arbeitet seitdem als Dirigentin und gastiert erfolgreich international mit ihrem selbst gegründeten Ensemble Le Concert d'Astrée.

Die Rede ist von der Französin Emmanuelle Haim, welche mit ihrer Einspielung von "La Resurrezione" Marc Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre Grenoble mächtig die Stirn bietet. Ja man ist gewillt zu sagen, dass Haim sich mit Minkowski auf absoluter Augenhöhe befindet, was die Lesart und Feinfühligkeit für die Musik Händels angeht.

Der Orchesterpart ist phänomenal, die Solisten wunderbar besetzt - das ist Barockmusik in höchster Vollendung.

Kaum zu überbieten

Georg Friedrich Händel, La Resurrezione, HWV 47
Le Concert d'Astrée
Dirigent: Emmanuelle Haim, Interpreten: Camilla Tilling, Kate Royal, Sonja Prina, Toby Spence, Luca Pisaroni
Erschienen bei: Virgin, 2008


Hinterlegt in  //   Camilla Tilling   Emmanuelle Haim   Georg Friedrich Händel   Kate Royal   Le Concert d'Astrée   Luca Pisaroni   Toby Spence  
Per email 

Kommentare [0]