Nonobach

Klassik von J.S. Bach bis Luigi Nono und mehr 

Die Jahrhundertstimme und "Il Trovatore"

Pavarotti

Es ist an der Zeit sich auf das Jahr 2013 peu à peu vorzubereiten, denn 2013 feiert die Musikwelt die Wiederkehr des 200. Geburtstages von Giuseppe Verdi, dem wohl weltweit bekanntesten Komponisten aus Italien.

Leider hat in den vergangenen Jahren die Beliebtheit der Verdimelodien immer wieder dazu geführt, dass Opernsängerinnen wie Opernsänger sich überstürzt an Partien des Komponisten wagten, welche sie eigentlich nicht richtig beherrschen konnten, wozu ihnen die Reife, das Talent oder allgemein die Ausdauer fehlte. Zu verführerisch war hier die Melodie, der Ohrwurm eines Verdi.

Ein Negativbeispiel hierzu ist Anna Netrebkos "La Traviata" - zu unrecht gelobt und geadelt. Wie farblos, eintönig und ohne Leichtigkeit sie Verdis Violetta interpretiert, davon kann man sich auf der bei der Deutschen Grammophon erschienenen Aufnahme selbst überzeugen, es sei denn, man vernahm einst Netrebkos Stimme selbst bei den Aufführungen der Salzburger Festspiele. "Darstellerisch überzeugt sie am stärksten", schrieb damals schon die Frankfurter Allgemeine, obwohl man ihr attestierte, dass sie angeblich hart an der Rolle gearbeitet habe, ihr jedoch der Koloratureffekt fehle.

Will man eine perfekte "Traviata" hören, so versuche man im Juli 2010 noch eine Karte für die Vorstellungen im Opernhaus Zürich zu ergattern, denn keine geringere als Renée Fleming interpretiert dort die Titelfigur.

Doch zurück zur Wahrhaftigkeit, die sich Verdi von seinen Sängern immer wieder gewünscht hat und zurück zu einem positiven Beispiel eines Sängers, den die Welt immer in Erinnerung behalten wird, als den Sunnyboy der Oper - Luciano Pavarotti.

Es lohnt sich, sämtliche Verdiaufnahmen mit ihm zu kaufen. Jede Oper mit Pavarotti kommt einer erfolgreichen Besteigung eines dreitausender Berges gleich. So auch die 1990 bei Decca Records erschienene Aufnahme "Il Trovatore".

Gab es je einen italienischen Sänger zuvor, dessen Timbre so sehr auf die Noten der italienischen Oper gepasst hat? Man sucht vergebens. Hört man Pavarottis Interpretation des Manrico, bleibt einem der Atem weg: Weichheit ergänzt sich mit stählerner Härte, man fühlt, wie Manrico leidet, wie er liebt, wie sehr er versucht sich von seinem Schicksal zu befreien, ja sein ganzes Leben geht einem so unter die Haut, dass nach dem Hören dieser Aufnahme fast jedes weitere Liveerlebnis von "Il Trovatore" eine Beleidigung ist.

Will man Wahrhaftigkeit live erleben, seien die Aufführungen von Puccinis "Tosca" im Nationaltheater in München zu empfehlen.Die Figur des Mario singt Jonas Kaufmann, ein Sänger mit einer Jahrhundertstimme, wie Luciano Pavarotti sie hatte.

 

 

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Capella Augustina: Die Schöpfung

Haydn

Es ist so eine Sache mit der "Schöpfung" von Joseph Haydn. Immer, wenn dieses 1798 in Wien uraufgeführte Werk zur Aufführung gelangen oder auf CD gepresst werden soll, herrscht oft rege Aufregung bei den Interpreten oder Organisatoren, die sehr berechtigt ist. Wie soll das Tempo gewählt werden? Wie groß darf das Orchester sein? Wer soll das Werk dirigieren? Kennt "Die Schöpfung" nicht eh schon jeder?

Eine Entdeckung in jedem Fall ist die bei Naxos erschienene Gesamtaufnahme der "Schöpfung", dargeboten von der Capella Augustina und dem VokalEnsemble Köln, unter der Leitung von Andreas Spering.

Die Capella Augustina, ansässig in Deutschland und wichtiger Teil der Schlosskonzerte Brühl, erarbeitet all ihr Repertoire in einer spezifischen Musiksprache und auch nach den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis. Die Aufführungsliste der Capella Augustina erstreckt sich vom Barock bis zu den Werken des frühen 20. Jahrhunderts. Die Pflege barocker Opern sowie des Oratorienschaffens der Wiener Klassik bilden den Schwerpunkt in der Arbeit der Capella Augustina.

Wenn der erste große Tuttischlag zur "Vorstellung des Chaos" erklingt, erschrickt man weniger über das Forte, als über die Tatsache, wie schnell er wieder verklingt. Kurz und prägnant, wie die gesamt Interpretation der "Schöpfung" auf dieser CD gestaltet ist. Kein Tempo scheint zu schnell, keines zu langsam gewählt. Die Sopran- und Chorarie "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" ist ein Hörgenuß an präziser Rhythmik, nichts ist schleppend, alles lebt, quirlt - ja man fühlt sich an Interpretationen von Nikolaus Harnoncourt erinnert, nur dass es nicht der Concentus Musicus ist, der da spielt, sondern die Capella Augustina.

Ein besonderes Lob auch für die Sänger, insbesondere die Sopranistin Sunhae Im. Welch' fantastische Wortaussprache, verbunden mit einem reinen und edlen Timbre.

Daher sei abschliessend gesagt: So groß die Vorbereitungen zu dieser Aufnahme auch gewesen sein mögen, so viele Fragen wie auch immer vielleicht aufgeworfen wurden, es ist alles bestens gemacht und verdient hohe Anerkennung!

Weitere Hörempfehlung: English Baroque Soloist, unter John Eliot Gardiner. Weniger empfehlenswert: die "Schöpfung" unter Eugen Jochum.

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Hildegard Behrens' Salome

Hildegard_behrens

Es war ein Schock für die gesamte Opernwelt als am 19.8.2009 die Meldung über die Presse kam, dass KS Hildegard Behrens tot ist. Alles kam überraschend, ohne Vorbereitung, insbesondere die Familie der Opernsängerin wurde wie vom Blitz getroffen.

"Sie war gerade in den Vorbereitungen für ein Festival in Japan, als ihr plötzlich schlecht wurde und sie sich ins Krankenhaus bringen ließ", so erfuhr es selbst Sohn Philipp Behrens von den Organisatoren des Festivals in Japan. Und dann ging alles ganz schnell, sie sollte das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen, ein Aneurysma hat sich so unglücklich gebildet, dass jede weitere ärztliche Hilfe zu spät kam.

Kein Zeit zum Abschied, aber viel Zeit zur Erinnerung bleibt uns heute.

Ein Meilenstein der Geschichte ist die bei EMI Classics erschienene "Salome", unter der Leitung von Herbert von Karajan. Es spielen die Wiener Philharmoniker, Agnes Baltsa interpretiert Herodias, José van Dam den Jochanaan. Eine Spitzenbesetzung!

Aufgenommen wurde die Platte im Sofiensaal in Wien, die Premiere war einst bei den Salzburger Festspielen, anno 1977, und dass diese Aufführung zustande kam ist Herbert von Karajan zu verdanken, welcher Hildegard Behrens gerade zu "zwang" für ihn die Salome zu singen.

"Ich hatte eine Aufführung in Nordrhein-Westfalen, es war die Marie in "Wozzeck". Singen gehörte für mich abseits meines damals gewählten Berufes als Juristin zu meinem größten Traum, es war wie eine Sucht, auf der Bühne zu stehen", erinnert sich Hildegard Behrens 2002 in einem Privatgespräch.

Herbert von Karajan wurde auf Behrens und ihre Marie aufmerksam gemacht und reiste nach Deutschland, um sich Behrens anzusehen. Er sei  - so Behrens in ihrer Erinnerung - vom ersten Moment an von ihr fasziniert gewesen, ja belästigte sie, sie müsse nach Salzburg kommen und für ihn die "Salome" singen. "Ich dachte ein Irrer steht vor mir", so Behrens. "Aber er ließ nicht locker und meinte, ich solle mir das Ganze nur einmal anschauen, ich könne jederzeit wieder abreisen, wenn ich es doch nicht machen möchte".

Zur Abreise kam es nicht mehr, denn Behrens konnte sich Karajans Magie nicht entziehen und absolvierte eine "Salome", wie sie bis heute unvergleichlich ist.

Hört man sich die Aufnahme an so meint man, dass Behrens jedes gesungene Wort lebt und erlebt. Ein Beispiel findet sich kurz bevor sie den Kopf des Jochanaan präsentiert bekommt. Salome schickt einen Wächter in den Kerker, in welchem Johannes der Täufer gefangen gehalten wird, mit dem Befehl, ihn köpfen zu lassen, damit sie ihn endlich küssen kann."Es ist kein Laut zu vernehmen.", heißt es im Text. "Ich höre nichts. Warum schreit er nicht, der Mann? Ah! Wenn einer mich zu töten käme, ich würde schreien, ich würde mich wehren, ich würde es nicht dulden." Unbeschreiblich unter die Haut gehend, wie Behrens den halbgesprochenen, halbgesungenen Text in Deklamation und Ausdruck versetzt.

Hörempfehlung live: "Salome" in Dresden, 2011. Mit Nadja Michael in der Titelpartie.

 

 


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Thomas Hengelbrock und Haydns Schöpfung

Hengelbrock

Schon wieder Haydn? Erst wor einem Jahr feierten wir ausgiebig den zweihundertsten Todestag des Komponisten aus Rohrau. Allein die Haydnfestspiele in Eisenstadt veranstalteten einen wahrhaften "Haydnmarathon", neue Literatur erschien recht und schlecht en masse, ja die Musikwelt nahm sich vor: Haydn - this is the man of 2009.

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Cecilia Bartoli bleibt unerreicht

Bartoli

Was haben wir nicht weltweit für wunderbare Konzert- und Opernabende schon erleben dürfen, wenn die Römerin Bartoli begann ihre Gurgel in Schwung zu versetzen. Wohl kein Kritiker konnte ihrem Temperament, ihrer Gesangeskunst und ihrer frohen Natur je widerstehen, nein, Bartoli lag und liegt zurecht die Klassik- und Opernwelt zu Füssen.

Eine CD, welche 2003 bei Decca Records erschienen ist, trägt den Titel "The Salieri Album" und ist jenem Komponisten gewidmet, welcher besonders seit dem Film "Amadeus" den Ruf als Mozartmörder trägt, ein Cliché, welches nichts weiter als ein Cliché ist und in keinster Weise der Wahrheit entspricht.

"Für mich war die Entdeckung der Opern Salieris eine riesen Erfahrung", so Bartoli. "Ich hoffe, dass diese Aufnahme endlich dazu beiträgt, Salieri aus dem Schatten von Mozart zu befreien und ihm schlussendlich den Status als Komponisten gibt, den er verdient hat".

Doch Bartoli wäre nicht Bartoli, wenn man nicht bis in kleinste Detail an dieses Projekt herangegangen wäre. Was den Orchesterpart betrifft, entschied sie sich für das Orchestra of the Age of Enlightenment, welches bis heute zur Weltspitze in Sachen historische Aufführungspraxis und Interpretation der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts zählt. Als Dirigent konnte die Koloratursopranistin Adam Fischer gewinnen, welcher derzeit Musikdirektor an der Budapester Staatsoper ist.

Alles zusammen nennt man Symbiose, alles zusammen nennt man musikwissenschaftliche Forschungsarbeit auf höchster Ebene, welche auf CD verewigt wurde und Klangwelten vermittelt, die nicht in Vergessenheit geraten können.

Besonders hervorzuheben sind die Arien "Alfin son sola" aus der Oper "La Cifra" und "E non degg'io seguirla" aus der Oper "Armida". Jede Kantilene sitzt, ob stimmlich oder orchestral, die Dynamik ist umwerfend gut, die Blechbläserformation des Orchesters bei "Alfin son sola" strotzt voller Klarheit, von der Artikulation der Worte ganz zu Schweigen.

Ab September 2010 ist Cecilia Bartoli in Händels Oper "Semele" zu erleben. Hoffen wir, dass sowohl diese Aufführung wie auch jedes weitere Konzert der Bartoli auf CD gepresst wird, denn Sucht kann auch etwas Positives sein. 

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Gaetano Donizettis Lucrezia Borgia - die Wiederkehr eines Meisterwerks

Donizetti

Er wurde viel zu lange unterschätzt, viel zu wenig als der Wegbereiter Verdis betrachtet und sein Werk viel zu wenig aufgeführt - insbesondere was Oper betrifft. Die Rede ist von dem aus Bergamo stammenden Komponisten Gaetano Donizetti.

Angefangen hat die Unterminierung und Demontage seiner kompositorischen Meisterschaft in Wien. Nach seinem Todesjahr (1848) wurden zwar immer noch zahlreiche Werke von ihm aufgeführt, doch sukzessive wurde er durch Verdi ersetzt (die Wiener und Wienerinnen erkannten im übrigen keinen großen Unterschied zwischen der Musik Verdis und Donzettis), bis schliesslich Gustav Mahler ihn in seiner Funktion als Operndirektor mehr oder weniger komplett vom Programm nahm, um Richard Wagners Oeuvre Platz zu machen.

Es folgten Jahrzehnte weniger Aufführungen von Donzettis Opern, erst die Sängerinnen Maria Callas und Joan Sutherland entdeckten ihn als genialen Komponisten wieder, und es begann eine langsame, aber stetige, Renaissance seiner Opernmusik. In den achtziger und neunziger Jahren war es schlussendlich die Koloratursopranisten Edita Gruberova, welche Donizetti in großem Umfang vom Staub der Archive befreite (insbesondere gemeinsam mit dem Dirigenten Marcello Viotti).

Ob die Oper "Maria Stuarda", "Roberto Devereux", "La Favorita" oder "Anna Bolena" - allesamt sind einzigartige Bausteine, ohne welche das Haus "italienische Oper" nicht weitergebaut hätte werden können.

Auch "Lucrezia Borgia" gehört zu dieser Serie. Die Titelfigur ist vielen allseits bekannt, ebenso wie der Clan der Borgias. Giftbecher, Macht und Intrigen verbindet man am ehesten mit diesem aus Spanien stammenden Geschlecht. Donizetti wurde auf den Stoff durch ein Drama von Victor Hugo aufmerksam, der Lucrezia zur Kernfigur seines Stückes gemacht hat. Er zeichnet Lucrezia als Übeltäterin, Mörderin, eine unzufriedene Frau, die nur von Hass erfüllt ist.

Material, das für eine Oper geeignet ist? Ja, aber irgendwie fehlt der Pathos, das Mitleid. Felice Romani, dem Librettisten der Oper, gelingt ein Kunstgriff: Er dichtet Lucrezia einen Sohn an und verwandelt die vom Bösen erfüllte Titelfigur in eine Mutter, welche mit ihrem Schicksal als Borgia hadert und voller Gefühle für ihren Sohn ist, der wiederum nicht weiss, dass sie seine Mutter ist (fast bis zum Schluss der Oper).

Eine CD-Aufnahme mit einer hervorragenden Sängerschaar sei hier an erster Stelle erwähnt: Lucrezia Borgia, mit Ingvar Wixell als Alfonso, Joan Sutherland als Lucrezia, Giacomo Aragall als Gennaro und Marilyn Horne als Orsini. Kein geringer als Richard Bonynge steht am Dirigierpult, es spielt das National Philharmonic Orchestra. Man spürt bei dem der Sänger die Dramatik der Worte, insbesondere Ingvar Wixell ist unübertroffen in seiner Rolle als Alfonso, der voller Rachegefühle ist und mit diesen Gefühlen in der Aussprache seiner Worte verbunden mit der Musik Donizettis absolute Gänsehaut erzeugt. Und dann Marilyn Horne - gab es je einen besseren Orsini?  Die Aufnahme ist bei Decca Records erschienen und im Jahr 1977 entstanden.

Nikolaus Bachler - ehemals Burgtheaterdirektor, jetzt Chef des Münchner Nationaltheaters - hat sich 2009 mit Regisseur Christof Loy wirklich etwas getraut, als im Februar "Lucrezia Borgia" als Premiere angesetzt wurde, in der Titelpartie mit Edita Gruberova. Einerseits wurde ein Werk aufgeführt, das nicht "La Traviata" heisst, und bei welchem mit dem Werktitel nicht gleich tausend Ohrwürmer in Erinnerung kommen, andererseits gelang es dem Planungsteam Gruberova für eine Inszenierung zu gewinnen, welche durch die Ausstattung auf jeden Fall als "sehr modern" bezeichnet werden kann, der wunderbaren Roben und Kostüme wegen eher weniger. Die Aufführung wurde frenetisch gefeiert - der Chor bestand aus rein jungen Stimmen, das Orchester der Bayerischen Staatsoper befand sich in Spitzenlaune, jeder Ton war ein Fest für sich. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals "Die Vorstellung endet mit einem Jubelsturm. Gruberova, die 'schillernde Großmutter' (Zitat Nikolaus Bachler), verzückt sie alle, die Jungen und vielen Alten, die Studenten und Honoratioren, selbst politisch Schwarze und Rote sind sich einig."

Weitere Aufführungstermine in München sind: 18., 23., 28.3. und 2.4.2011, in Wien wird die Oper 2010 am 2., 6., 10., 14. und 18.10. erstmals wieder zu sehen sein.

 

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Händel und Mozart - Seltsame Verbindung und ausgezeichnete Interpretation

Helmuth_rilling

Georg Friedrich Händels Ranking bezüglich der weltweiten Aufführung seiner Werke verbesserte sich in den vergangenen sehr stark - allein auf dem Gebiet der Oper zählt er mittlerweile neben Mozart, Puccini und Verdi zu den meist gespielten Komponisten.

Dass Händel auch Mozart inspiriert hat, mag verwundern, umso mehr, da man sich im Zeitalter der Klassik bewußt von barocken Stilistiken verabschiedet hat, um Neues zu kreiieren.

Händels "Messiah" hat jedoch auch die "Klassiker" beeindruckt, jenes Oratorium, welches in sich ein Gesamtkunstwerk ist, insbesondere, weil Altes und Neues Testament genial miteinander verbunden werden.

Helmuth Rilling, das Bach-Collegium Stuttgart und die Gächinger Kantorei haben mit der bei hänssler Classic erschienenen Einspielung "Der Messias" in der Bearbeitung von Mozart eine Werkdokumentation vollbracht, die einerseits beweißt, dass Bearbeitungen nichts weiter als das Ergebnis eines Zeitgemacks sind, andererseits, dass profunde Kenntnisse der historischen Aufführungspraxis zum perfekten Hörerlebnis ausarten können.

Bezüglich des Zeitgeschmacks sei gesagt, dass für Mozarts Zeitgenossen und Hörerschaft der "Messiah" gekürzt wurde und die Händelsche Instrumentation teilweise stark verändert wurde. Händels Werk wurde zwar auch in der Klassik noch bewundert, doch galt es als "weit zurück" und "holprig", zu schwerfällig eben. Insofern muß die vorliegende Einspielung als "Kind seiner Zeit" betrachtet werden.

Bezüglich der Interpretation sei erwähnt, dass Rilling unter Auswahl des Raumes, in welchem die Einspielung stattgefunden hat, wie auch unter Beachtung aller Mozartianischen Vorgaben einen Klang erzeugt, welcher jeglichen Streit zwischen barocker und klassischer Manier vergessen läßt.


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Gustav Mahlers Fünfte

2010 gedenkt die Musikwelt dem hundersten Todestag eines Komponisten, der wie kein anderer bis heute das Publikum, die Medien, die Interpreten seiner Werke und die Wissenschaft entzweit:Gustav Mahler.

Die 5. Symphonie, welche am 18. Oktober 1904 unter der Leitung des Komponisten in Köln vom Gürzenich-Orchester uraufgeführt wurde, ist nicht nur immer wieder ein beliebtes Profilierstück für Dirigenten, sondern auch für Orchester.

Das Los Angeles Philharmonic Orchestra kann sich hierbei ohne weiteres neben den Berliner oder Wiener Philharmonikern bezüglich der Werkinterpretation sehen lassen. Auch die 1977 erschienene Aufnahme bei Decca Record beweist Brillianz und Prägnanz in allen drei Teilen des momumentalen Werks, welches Mahler bis zu seinem Tod immer wieder überarbeitet hat.

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Dass ein Mahler-Fachmann wie Zubin Mehta am Pult steht, hört man vom ersten Takt an. Dynamik und wie auch Rhythmik sind sicher gewählt, es gibt keine Phrase im Verlauf des Werks, die unbeachtet geblieben ist - Mehta verleiht nicht nur im berühmten Adagietto, sondern auch im Scherzo und Rondo der Symphonie jene Sensibilität, die es mit Sicherheit verdient hat. Auch sehr hörenswert ist übrigensd Zubin Mehta mit dem Bayerisches Staatsorchester, erschienen bei Farao Classics.

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Georg Friedrich Haas: "La Profondeur"

"Unerklärlich abgründig" meinte der Kritiker der Kieler Nachrichten anlässlich der Aufführung von "La Profondeur", dem neuesten Werk von Georg Friedrich Haas  an den Kieler Tagen für Neue Musik. 

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Die österreichische Erstaufführung im Mozartsaal des Konzerthauses unter Sylvain Cambreling und dem Klangforum Wien am 7. Februar diesen Jahres offenbarte ein akustisch sehr ungewöhliches Werk, vor allem wegen der ausschließlich tiefen Register der 13 Instrumente. Eine dunkle, schwere Klangmasse, die brodelt, auf- und abschwillt, und nach einem ohrenbetäubenden Fortissimo, aushaucht. Ein ganz eigener Klang, "unergründlich" eher als "abgründig". Bei der Universaledition gibt es dazu auch ein Audio Exzerpt.
 
Sylvain Cambreling hatte schon bei der allerersten Probe zu meinem Erstaunen eine ganz genaue Vorstellung von dem Wesen des Stückes, obwohl er es noch nie gehört hatte. Nach dem ersten Durchspiel forderte er nachdrücklich: "Ausdruck", was dem Orchester bei der Aufführung dann eindrucksvoll gelang.

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Buon Giorno Luigi!

Was würden Sie heute gerne hören, Herr Bach?

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geschrieben von Nonobach 

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