Mahlers neunte Sinfonie am besten interpretiert!
Â
Â
Â
Â
Â
Kommentare [0]
Roberto Alagna ist mit Sicherheit einer der hochgejubelsten und manchmal auch zu tiefst verhassten Tenöre unserer Zeit. Wieso? Diese Frage ist kaum zu beantworten.
Die einen freuen sich, wenn er an der Met in New York angekündigt ist, sind aber sehr zornig, wenn er (zurecht) aus Krankheit unerwartet absagen muss. Er sei ein Lügner, ein Blöffer, einer, der mit seinem Publikum macht, was er will. Besonders böse werden die Zungen, wenn seine Frau Angela Gheorghiu (auch Star der Szene) auch absagen muss, beide womöglich als Paar in einer Oper hätten auftreten sollen. Dann ist die Verdammung frei und die Wut des zahlenden Publikums kennt keine Grenzen. Was wurde er nicht als Nachfolger Pavarottis benannt, alle Gazetten sprachen davon. Immerhin wurde er - wie einst Pavarotti einmal - in der Mailänder Scala gnadenlos ausgebuht. Alles schien, sieht man ihn heute, fast spurlos an ihm vorbeizuziehen. Alagna ist ein harter Knochen, ein Mann für dieses schwere Musikbusiness, jemand der ganz genau weiß, wie der Hase läuft und jemand der trotz schlechter Phasen nie die Nerven verliert, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Dass er Charisma hat, das zeigt seine neueste CD, die just im Juli 2010 bei der Deutschen Grammophon herausgekommen ist. Er interpretiert - etwas popig aufgemacht - Folklore aus seiner Heimat Sizilien. "Sicilien Live" ist ein tolles Album, ein wunderbares Geburtstagsgeschenk, aber auch ein tolles Mitbringsel für einen selbst, wenn man abends mit Freunden grillt und ein wenig den äußersten Süden Europas als Ambiente haben möchte.Kommentare [1]
Wenn Beethoven mit seiner 9. Sinfonie Zukunftswege der Musikgeschichte anlegt, wenn der Mann, der wie kein zweiter die Sinfonie als Gattung weiterentwickelt hat, sich mit seiner 9. Sinfonie einer neuen Variante der Sinfonie - der sinfonischen Dichtung - öffnet, und dies, obwohl er fast nichts mehr hört, dann muss dieses Werk, die 9. Sinfonie, ein Meilenstein der Geschichte werden.
Ein Meilenstein ist es auch, wenn ein Dirigent es schafft, sich diesem Musikkosmos zu nähern und die 9. Sinfonie interpretiert. Nein, hier sei einmal nicht von "Brei" die Rede, ein absolutes "must" für alle Musikliebhaber ist die 1976 entstandenen Aufnahme (bei der Deutschen Grammophon 2007 auf CD erschienen) von Beethovens 9. Sinfonie mit den Berliner Philharmonikern, unter der Leitung von Herbert von Karajan. Karajan kann es! Der erste Satz eröffnet uns den Pathos, die Gewalt, den Kampf der Titanen, wenn man so will, wenn Beethoven zwei so extrem gerichtete Themen aufeinander richtet, gegeneinander richtet. Einmalig, auch das Tempo, welches bei anderen Beethoven-Karajan-Interpretationen manchmal einfach zu schleppend scheint. Im zweiten Satz dann kommt diese wunderbare paradoxale Rhythmik zum Tragen, ein hin und ein her der Gefühle. Der Höhepunkt dieser Interpretation ist wohl nicht der letzte Satz der Sinfonie, sondern der dritte Satz. Sprachlos ist man bei dieser Filigranität! Die Sängerbesetzung kann sich sehen lassen - Karajan bietet alles auf, was in den 80er Jahren Rang und Namen hat. Ob Agnes Baltsa, Peter Schreier oder José van Dam. Diese Einspielung ist und bleibt unerreicht, vielleicht sogar für immer.Kommentare [1]
Manchmal scheint es, als ob Dirigenten unbedingt durch diese Prozedur müssen - namentlich Beethovens Sinfonien auf CD zu pressen.
In den 60er und 70er Jahren, als die Interpretation der Beethoven-Sinfonien ihren fast unerträglichen Höhepunkt erreicht hat, war wohl kaum ein anderer deutscher Komponist sooft gespielt worden, wie Beethoven. Sicher, die Nachkriegszeit und das Ideal der Freiheit, des "Sturm und Dranges", wie Beethoven es mit seiner Musik verkörpert, spielte hier immer noch mit. Dann, in den 80er und 90er Jahren, kam die erwähnte Prozedur: Beethoven muss auf Platte, nochmals gelesen und neu interpretiert werden, da ist noch nicht alles rausgeholt, was rauszuholen ist. Alles im Sinne des Komponisten? Wohl kaum, kann man ihn doch nicht mehr live dazu befragen. Das Oeuvre des Meisters aus Bonn ist da, unvergleichlich, aber muss doch nicht bis aufs Letzte ausgepeitscht werden, oder? Hänssler Classic hatte - so scheint es - mit dem Dirigenten Sir Roger Norrington und dieser mit seinem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart keine Eile. Eher zwingt sich der Gedanke auf, dass die Aufnahmen, die mit Norrington erschienen sind, einfach schöne Musik hörbar machen, natürlich nicht flachsig oder flüchtig vom Notentext her aufgeführt, aber doch einfach der Freude am Werk Beethovens wegen. Leider fehlt noch die neunte Beethovens - hoffentlich kommt sie noch.Kommentare [0]
Mein Gott, hat es solange gebraucht? Was haben wir uns nicht jahrelang diese Breimasse von Karajan bis Böhm und Furtwängler anhören können, bezogen auf die Sinfonien Beethovens. Natürlich war immer Pathos dabei, natürlich auch die Stärke und Gewalt, die mit Sicherheit auch in Beethovens Musik (und dies nicht nur in den Sinfonien) steckt.
Wer hat's (anders) erfunden? Die Schweiz. Auch bei Beethoven. Nach Harnoncourtschen Versuchen (die gelungen sind, aber auch sehr extrem waren) wagt sich der Gründer des berühmten Barockensembles "Il Giordanon Armonico", Giovanni Antonini, an Beethoven und all das ohne Hemmungen, zuviel Überlegung und Denkkunst. Ganz normal, will man sagen, musiziert er Beethoven, kein Schnickschnack, keine Kraftausübung. Erschienen sind bei Sony Music Schweiz mit dem Kammerorchester Basel und Giovanni Antonini auf zwei CDs Beethovens Sinfonien Nr. 3, 4, 5 und 6. Bitte kaufen!!!! Und die große Bitte an die Schweizer Sony: Bitte mehr davon, wenn machbar alle neune von Beethoven.Kommentare [1]
Es ist die gleiche Geschichte wie im blog von Diana Damrau, nur geht es dieses Mal nicht um Soprane, die gesucht werden, sondern um Tenöre. Jahrelang war Ebbe in Deutschland. Die Italiener, die Spanier, die Bulgaren, ja selbst die Franzosen und Amerikaner hatten mehr an Super-Tenören zu bieten, als das Land, das immer noch seinem Kaliber Rudolf Schock hinterhertrauert (und dies zurecht).
Als Jonas Kaufmann 1994 in Saarbrücken gesungen hat, hat die Öffentlichkeit noch geschlafen, die Medien waren mit anderen unwichtigen Dingen beschäftigt. Hier, nahe der französischen Grenze, hat für Kaufmann alles begonnen. Im Jahr 2000 hatte kein geringerer als Alexander Pereira den Riecher, dass dieser Mann mehr kann, als auf drittklassigen Bühnen irgendwelche Nebenrollen zu singen und nahm Kaufmann in sein Förderprogramm am Opernhaus Zürich auf. Und heute? Ist er der gefeiertste aller Tenöre. Keiner beherrscht wirklich mühelos soviel Fächer, Gattungen und Rollen, wie Jonas Kaufmann. Er ist einfach ein Naturtalent. Deutschland hat endlich wieder einen Tenor, hurra! Hurra auch bezüglich einer bei Decca Records herausgekommenen DVD, die Kaufmann in der Titelpartie der Wagneroper "Lohengrin" zeigt. Wunderbar, mehr braucht man nicht sagen. Man ist ohne Worte, wenn man sich vor Augen und zu Gehör führt, wie Kaufmann seine Rollen interpretiert. Kann Oper schöner sein?Kommentare [0]
Dirigenten gibt es viele, wie Sand am Meer - sagt man. Da gibt es die Kategorie, welche vorher einen anderen Beruf ausübten und welche im Laufe ihrer Karriere zu Dirigenten wurden, so René Jacobs (vorher Countertenor), oder Nikolaus Harnoncourt (vorher Professor für Musik). Da gibt es die andere Kategorie, die - warum auch immer - soviel tamtam um sich gemacht haben, die Sponsoren für ihre Zwecke die Gelder aus den Taschen gezogen haben (auch für gute Zwecke versteht sich) und um die sich die Plattenfirmen geradezu gerissen haben, so wie Riccardo Muti, Lorin Maazel, Herbert von Karajan oder auch Leonard Bernstein.
Und schliesslich gibt es jene, die ganz bedächtig, aber mit sicheren Schritten ihren Weg gehen und auch - wie alle zuvor erwähnten - eine Karriere und ein Können aufweisen, das sich nicht zu verstecken braucht. Wir nennen sie einmal die "leisen Treter". Riccardo Chailly ist ein solcher "leiser Treter", einer, der immer mal wieder auftaucht, aber dann richtig, ein Dirigent, welcher es versteht Orchester zu formen, zu erziehen, ihnen eine eigene Sprache zu geben und eine Interpretation von Musik zu liefern, die es wert ist sich anzuhören. Ein besonderes Lob verdient in diesem Zusammenhang die bei Decca Records erschienene Neuaufnahme der Bachschen "Matthäus-Passion". Chailly, der hier mit seinem derzeitigen Orchester, dem Gewandhausorchester Leipzig, musiziert, erreicht eine Gravität und Nachdenklichkeit passend zu Bach, die selbst Barockspezialisten verblüfft. Chailly, eigentlich mehr bekannt durch die Interpretation von Opern und Werken aus dem 19. Jahrhundert, glänzt mit einem Klang, der nicht gekünstelt, sondern tief ernst und real ist. Bravo, bravo, bravo!Kommentare [0]
Der weltberühmte italienische Bassbariton Cesare Siepi ist am 5. Juli im Alter von 87 Jahren verstorben. An der Wiener Staatsoper sang er 11 verschiedene Partien in 171 Vorstellungen - unter anderem 44 Mal seine Paraderolle, die Titelpartie in Mozarts "Don Giovanni".
Aber nicht nur Don Giovanni hat es ihm angetan, überhaupt lag seiner Stimme Mozarts Oeuvre besonders gut - und dies ist bei Bassbaritonen selten der Fall. Was Renato Bruson für Verdi ist, ist Leo Nucci für Puccini - und Cesare Siepi für Mozart. Eine CD, die es wahrscheinlich nur noch antiquarisch gibt, aber welche unbedingt zur eigenen CD-Sammlung gehören sollte, ist die Gesamtaufnahme von "Le Nozze di Figaro" mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Erich Kleiber (Vater von Carlos Kleiber), erschienen im Label Alto. Siepi - und hoffentlich haben ihn einige von uns damals live erlebt und erinnern sich jetzt - zieht alle Register, ist mühelos mit den Lastern und Freuden des Herzensbuben Figaro verwoben, ja eins. Siepis gesangliche Mitstreiter auf dieser CD sind übrigens u.a. die einmalige Lisa della Casa und Hilde Güden. Zurück zu "Don Giovanni", in der Tat sein Steckenpferd. Die Rolle passte ihm nicht nur gesanglich, nein: Siepi war ein Beau von einem Sänger, und somit - insofern Don Giovanni wirklich ansehbar war - auch körperlich genau dieser Partie entsprechend. Hier ist jüngst bei Decca Heritage die Gesamtaufnahme herausgekommen. Es ist ein Hörgenuss für jeden Mozartianer, eine Sternstunde der Musik. Das deutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' schreibt bezüglich der Neuaufnahme: "Eine Aufnahme für die einsame Insel. Und eine, über deren Neuveröffentlichung man dankbar sein darf. Denn im Wust lizenzfreier Mitschnitte schießt heute die Zahl der historischen Klassik-Aufnahmen dermaßen ins Kraut, dass sich selbst Fachleute nicht mehr auskennen. Alles gibt's billiger; doch das Gute herauszufinden, bedarf einer stärkeren Vorsortierung denn je."Kommentare [1]
Â
Kommentare [1]
Kommentare [1]